
Ratingen (AH) | Wenn am Familiensonntag der ZeltZeit wieder Drachenboote über den Grünen See gleiten, dann ist das nicht nur ein buntes Spektakel für Familien. Für Udo Kuklick ist es auch eine Reise zurück in eine Zeit, in der aus einer verrückten Idee eine Ratinger Mannschaft wurde, aus einem Amtsausflug ein Sport und aus vielen einzelnen Menschen ein Team.
Heute sagt er, mit dem Blick zurück, ist vieles Erinnerung. Kuklick geht inzwischen auf die 83 zu. Selbst noch einmal ins Boot zu steigen, das ist wohl nicht mehr realistisch. Aber die Bilder sind geblieben: das lange Boot, die Paddel, die Trommel, das Kommando, der erste kräftige Schlag ins Wasser. Und natürlich die Frage, mit der 2004 alles begann: „Wat is’n Drachenboot?“ Eine Gruppe aus der Ratinger Stadtverwaltung wollte etwas Gemeinsames unternehmen. Am Unterbacher See wagten sich die ersten Paddlerinnen und Paddler in ein Drachenboot. Nass wurden sie, erschöpft auch, aber vor allem begeistert.
Aus diesem Anfang entstand die Ratinger Drachenbootgemeinschaft BIH-BA-TIHM, besser bekannt als die Ratinger Biber. Es war ein Team mit Verwaltungshintergrund, aber schnell viel mehr als eine Betriebssportgruppe. Familienmitglieder, Freunde und Unterstützer kamen dazu. Man trainierte, fuhr Regatten, gewann Pokale, verlor Rennen, lachte viel und hielt zusammen. Kuklick war dabei Motor, Organisator, Erzähler und Teamcaptain.
Ein besonderer Moment war der 22. April 2007. Damals präsentierten sich die Biber erstmals am Grünen See. Es musste alles organisiert werden: Genehmigungen, Boot, Schwimmwesten, DLRG, Technik, Öffentlichkeitsarbeit und Verpflegung. Viele Spaziergänger blieben stehen und staunten. In Ratingen gab es eine Drachenbootmannschaft? Ja, die gab es. Und sie wollte zeigen, wie viel Kraft in diesem Sport steckt, wenn alle im selben Takt arbeiten.
Kurz darauf kam die ZeltZeit ins Spiel. Aus der Präsentation am See entwickelte sich die Idee einer Drachenbootregatta im Rahmen des Familientages. Die Biber halfen mit ihrer Erfahrung, gaben der Sache sportliches Fundament und brachten zugleich jenen Geist ein, der diesen Sport ausmacht: Niemand gewinnt allein. Ein Drachenboot fährt nur, wenn alle gemeinsam ziehen.
Zu Kuklicks Geschichte gehört auch der integrative Gedanke. Menschen mit und ohne Behinderung saßen gemeinsam im Boot. Der Sport nahm sie buchstäblich in die Mitte. Das machte die Drachenbootzeit für ihn und viele Beteiligte zu mehr als einer sportlichen Episode.
Wenn nun wieder die Paddel ins Wasser schlagen, fährt also auch Erinnerung mit. Wehmut vielleicht, aber auch Stolz. Denn was einmal mit „Wat is’n Drachenboot?“ begann, gehört längst zur Geschichte der ZeltZeit am Grünen See.




