Alexander Steffen: „Die Menschen schätzen Klartext.“

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Alexander Steffen ist Vorsitzender der Ratinger FDP, Landesvize der Liberalen und stellvertretender Landrat. Foto: privat

(mmm) Frühstück mit Alexander Steffen am späten Vormittag im Café Bös. Er sei erst um 4 Uhr in der Früh ins Bett gekommen, um sein erstes Buch, das im Spätsommer erscheinen wird, fertigzustellen, erzählt der 33-jährige Vorsitzende der Ratinger FDP, der zudem Kreisvorsitzender und Landes-Vize der Liberalen sowie stellvertretener Landrat im Kreis Mettmann ist. Der Bundesparteitag seiner Partei liegt erst wenige Tage hinter ihm, das Weinfest am Abend in Lintorf noch vor ihm. Mithin in Ratingen geerdet, auf der politischen Bühne landes- wie bundesweit zu Hause und mit Klartext dabei. „Ich bin total unzufrieden mit der politischen Performance generell. Wir befinden uns in der Floskel-Republik“, legt der engagierte „Freiheitskämpfer“ (LinkedIn) los, kaum, dass wir uns gesetzt haben. Die Menschen schätzten Klarheit und Authentizität.

Steffens Mission: Die Partei wieder zu der zu machen, die sie einmal war: „Wir müssen wieder sichtbar zu werden – in sozialen Netzwerken, auf der Straße, in direkten Gesprächen. Mit klarer Kante und streitbar in der Sache.“ Er sei ganz bewusst ein Provokateur, sagt der studierte Politikwissenschaftler, der vor allem für neoliberale Politik und Themenfelder wie Marktwirtschaft und Migration steht. Eine Persönlichkeit, die politische Erfahrung mit kommunikativer Stärke und klarer Haltung verbindet, sagen die, die mit ihm im Alltag („Politik ist mein Leben!“) zu tun haben. Steffen steht für einen Wettbewerb der Ideen, den respektvollen Umgang miteinander und den Mut zu klaren Entscheidungen. „Das gehört zusammen und ist die Grundlage unserer Demokratie.“ Gesichert ist: In den Sozialen Medien („Sie sind Gegenwart und Zukunft, haben eine ungeheure Wirkungsmacht im Diskurs und auf politische Entscheidungen.“) hat der FDP-Landesvize das, was viele in seiner schwächelnden Partei gerne hätten: Follower und Frequenz.

„Um Auftrieb zu bekommen, braucht man Gegenwind“

Rund 30.000 folgen ihm auf Instagram, die monatlichen Views auf seinem Profil haben längst die Millionen-Grenze überschritten. Nicht zuletzt, weil er Klartext redet. „Wir müssen hör- und sichtbar machen, wofür wir stehen: für Freiheit, Marktwirtschaft, Eigenverantwortung vor allem und ein Land, das sich nicht mit Mittelmaß abfindet“, sagt er. Und: „Der Staat sollte den Menschen nicht im Weg stehen. Ich brauche da keinen Erziehungsberechtigten. Wir sind alle individuell, haben unsere individuellen Lebensentwürfe.“ Klar, das erzeugt Widerspruch. „Aber um Auftrieb zu bekommen, braucht man Gegenwird“, so Steffen.

Ratingen ist der Lebensmittelpunkt von Alexander Steffen. Hier ist er groß geworden (sein Vater flüchtete 1979 aus dem Iran, verstarb 2012 an Leukämie), hier – „und in der Düsseldorfer Altstadt“ – wurde er sozialisiert, hier arbeitet er als selbstständiger Unternehmer (Social-Media-Beratung für Verbände sowie Strategieberatung für Industrieunternehmen). Lieblingsplatz? Der Marktplatz an Markttagen und alles rund um Cromford. „Ich schätze die Stadtgesellschaft und das Brauchtum.“ In seiner Freizeit spielt Steffen Fußball in der Halle sowie beim TuS Homberg. Meistens sei er indes nur in der Saisonvorbereitung kontinuierlich dabei, da die Politik dann Sommerpause mache. Er schwärmt von der „unfassbaren Lage Ratingens zwischen Rheindamm und Ruhrgebiet“, reibt sich aber an der „bewussten Zurückhaltung“ der Stadt: „Unbeantwortet ist die Frage, was man für eine Stadt sein möchte. Wo wollen wir, gerade im Wettbewerb der Kommunen, hin?“ Kein Krankenhaus, kein Regio-Anschluss, das sei für eine Stadt von der Größe Ratingens ungewöhnlich. Mit Sorge schaut Steffen zudem auf die Altersstruktur der Stadt: „Wir brauchen junge Familien.“ Steffens geht gerne unter die Leute, schätzt das Zwischenmenschliche. „Und ja, ich bin ein Genussmensch, mag das Fine-Dining, gehe auch gerne mal Feiern.“ Dazu passt sein Lebensmotto: „Freude am Leben!“