Rückschlag für Kulturerbe: Land streicht Digitalisierungsstelle am Museum in Hösel

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Das Oberschlesische Landesmuseum in Hösel, Bild: ALexander Heinz
Das Oberschlesische Landesmuseum in Hösel, Bild: ALexander Heinz

Ratingen-Hösel | Das Oberschlesische Landesmuseum steht vor einem empfindlichen Rückschlag bei der Sicherung seines Kulturguts. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat mit Bescheid vom 2. Juli entschieden, die Personalkosten der Stelle für Digitalisierung und Bestandssicherung künftig nicht mehr im Rahmen der institutionellen Förderung zu übernehmen. Die Stiftung Haus Oberschlesien, Betreiberin des Museums, bedauert die Entscheidung ausdrücklich und prüft nach eigenen Angaben rechtliche sowie außergerichtliche Handlungsmöglichkeiten.

Zentraler Arbeitsbereich betroffen

Die Entscheidung trifft einen Kernbereich des Hauses. Die betroffene Stelle bildet seit Jahren das Rückgrat der digitalen Bestandssicherung. Über sie laufen die Digitalisierung und Erschließung von Archiv-, Bild- und Bibliotheksbeständen, die Pflege digitaler Systeme sowie die Bereitstellung von Digitalisaten für Forschung, Ausstellungen und internationale Kooperationen, insbesondere mit Partnern in Polen. Zuletzt wurden über diese Stelle auch digitale Reproduktionen für eine im Mai eröffnete Ausstellung des Museums erstellt.

Stiftung warnt vor konkreten Folgen

Ohne die Stelle komme die laufende Digitalisierung der Bestände zum Stillstand, warnt die Stiftung. Bereits begonnene Erschließungsprojekte könnten nicht abgeschlossen werden. Anfragen aus Wissenschaft und von Partnerinstitutionen müssten eingeschränkt werden. Zudem bestehe die Gefahr, dass empfindliche historische Originale wieder häufiger physisch genutzt werden müssten. Das erhöhe aus Sicht der Stiftung konservatorische Risiken. Auch die über Jahre aufgebaute Fachkompetenz in der digitalen Reproduktion historischer Materialien drohe verloren zu gehen.

Zusätzlicher Unmut über Sommerfest-Förderung

Für zusätzlichen Unmut bei der Stiftung sorgt ein anderer Umstand: Die Landesregierung hatte erst zuletzt zusätzliche Mittel für das Sommerfest des Oberschlesischen Landesmuseums bereitgestellt. Nach Angaben der Stiftung handelte es sich dabei um 17.000 Euro aus verschiedenen Fördertöpfen. Das entspricht knapp der Hälfte dessen, was jährlich für die Digitalisierungsstelle aufgewendet wird.

Wladarz: „Digitalisierung ist Pflicht, kein Zusatz“

Sebastian Wladarz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Haus Oberschlesien, verweist auf die grundsätzliche Bedeutung der Aufgabe: „Die Bewahrung und Zugänglichmachung des kulturellen Erbes der Deutschen aus Oberschlesien ist eine Kernaufgabe nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes. Digitalisierung ist dafür heute kein Zusatz, sondern Pflicht.“

Zugleich betont Wladarz, die Stiftung respektiere, dass die Bezirksregierung die Verwendung öffentlicher Mittel sorgfältig prüfen müsse, und nehme die formalen Beanstandungen des Bescheids ernst. „Wir sind aber überzeugt, dass sich für eine Aufgabe von dieser Bedeutung eine Lösung finden lässt und haben der Bezirksregierung ein konstruktives Gesprächsangebot unterbreitet.“

Vermutung: Kostendruck spielt mit hinein

Die Stiftung stellt die Entscheidung auch in einen größeren Zusammenhang. Sie verweist auf die seit längerem angespannte Lage des institutionellen Haushalts des Museums. Formal stütze sich der Bescheid auf verfahrensrechtliche Gesichtspunkte. Gleichwohl liege aus Sicht der Stiftung die Vermutung nahe, dass wachsender Kostendruck, unter anderem durch steigende Tarifabschlüsse, Entscheidungen über einzelne Stellen mit beeinflusse. Sollte dies zutreffen, werde an der falschen Stelle gespart: Der Verzicht auf Digitalisierung gefährde ausgerechnet jene Bestände, deren Sicherung Zweck der Förderung sei.

Stiftung hofft auf Einigung

Die Stiftung hofft nun auf eine vergleichsweise Lösung mit der Bezirksregierung. Klar ist schon jetzt: Der Vorgang berührt nicht nur eine Personalstelle, sondern die Frage, wie ernst die langfristige Sicherung und digitale Zugänglichkeit eines bedeutenden Kulturerbes genommen wird.