
Ratingen | Der Kulturausschuss hat am Mittwochabend eine breite kulturpolitische Tagesordnung beraten. Im Mittelpunkt standen die mögliche Einführung einer „Open Library“, die Weiterentwicklung der städtischen Museumssammlung, die Zukunft der Stadthalle sowie neue Impulse für die Sichtbarmachung jüdischen Lebens in Ratingen.
Open Library: Prüfauftrag für Lintorf
Die Bürgerunion hatte beantragt, in Ratingen-Lintorf einen Pilotstandort für eine Open Library zu prüfen. Ziel ist es, die Öffnungszeiten der Bibliotheken durch automatisierte Zugangssysteme auszuweiten. Als Beispiele dienten Düsseldorf-Gerresheim und Wuppertal, als Warnung die hohen Sicherheitskosten in Erkrath. Der Ausschuss beschloss einstimmig einen Prüfauftrag an die Verwaltung.
Neue Werke für die Kunstsammlung
Der Ausschuss begrüßte den Ankauf eines Werks von Jan Holthoff sowie mehrere Schenkungen. Besonders hervorgehoben wurde ein Kunstkonvolut unter anderem mit Werken von Norbert Tadeusz, Max Mack und Robin Page im Wert von rund 50.000 Euro. Versicherung, Lagerung und Sichtbarkeit der Sammlung bleiben laufende Aufgaben der Verwaltung.
Erfolgreiches Kulturprogramm, positive Jubiläumsbilanz
Die Reihe „Rampenlicht“ galt trotz des nicht nutzbaren Stadttheaters als Erfolg: Bei 47 Veranstaltungen blieb der Zuschussbedarf unter 60.000 Euro. Mit Blick auf das 750-jährige Stadtjubiläum zog die Verwaltung ebenfalls eine positive Zwischenbilanz, vor allem wegen des Mittelaltermarkts und der außerordentlichen Resonanz auf das Parkleuchten im Poensgenpark. Eine Jubiläumsmünze und Sonderbriefmarken sollen trotz hoher Metallpreise und hohem bürokratischen Aufwand noch in diesem Jahr erscheinen.
Stadthalle: Grünen-Antrag zurückgezogen
Breiten Raum nahm die Debatte um die Stadthalle ein. Sie reichte von der Neubeschaffung der Sitzmöbel bis zur Renovierung des Foyers. Die CDU hatte die Instandsetzung der Sitzgarnituren im Foyer als dringlich beantragt; die Verwaltung ist bereits mit Handwerksbetrieben im Gespräch. Die Grünen hatten zudem einen Grundsatzbeschluss zum Neubau der Stadthalle beantragt. Der Antrag wurde zurückgezogen, nachdem sich herausstellte, dass der Rat bereits vor rund zehn Wochen einen inhaltsgleichen Beschluss gefasst hatte. Statt eines neuen Grundsatzbeschlusses soll es nun einen fortlaufenden Sachstandsbericht geben.
Erinnerungskultur: Konzept mit Schalom und jüdischer Gemeinde Düsseldorf
Einstimmig auf den Weg gebracht wurde ein SPD-Antrag zur Erinnerungskultur. Jüdisches Leben in Ratingen soll stärker sichtbar werden, unter anderem am alten jüdischen Friedhof an der Werdener Straße. Der Ausschuss verständigte sich auf ein ganzheitliches Konzept, das gemeinsam mit dem in Ratingen ansässigen jüdischen Kulturverein Schalom, dem Stadtarchiv und der jüdischen Gemeinde Düsseldorf entwickelt werden soll. Auch der Standort der ehemaligen Synagoge an der Bechemerstraße soll einbezogen werden.
Vandalismus und Personalwechsel
Die Bronzeplastik „Mann im Hirschgeweih“ von Stephan Balkenhol wurde durch Vandalismus schwer beschädigt; das Museum hat Reparaturen eingeleitet, die Polizei wurde informiert. Die Plastik „Mädchen in Winde“ von Margarete Adelheid Gemmert, soll restauriert werden und zur Wiedereröffnung des Stadttheaters einen prominenten Platz erhalten. Kulturamtsleiterin Andrea Töpfer geht in den Ruhestand, als ihr Nachfolger wurde Herr Alexander Meinhardt vorgestellt.




