Wenn Tempo zum Standortvorteil wird

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Foto (v. l.): Marius Mählmann (Geschäftsführer HOCHTIEF Data Center Partner GmbH), Bernd Holtwick (CFO, COO HOCHTIEF PPP Solutions GmbH), Peter Beyer MdB, Bernd Reuther (Senior Vice President Public Affairs HOCHTIEF PPP Solutions GmbH) | Rechte: Peter Beyer.
Foto (v. l.): Marius Mählmann (Geschäftsführer HOCHTIEF Data Center Partner GmbH), Bernd Holtwick (CFO, COO HOCHTIEF PPP Solutions GmbH), Peter Beyer MdB, Bernd Reuther (Senior Vice President Public Affairs HOCHTIEF PPP Solutions GmbH) | Rechte: Peter Beyer.

Ratingen | Die Eröffnung eines Serverparks in Heiligenhaus klingt zunächst nach einem Spezialthema für IT-Fachleute und ohne direkten Bezug zur Stadt Ratingen, doch das neue YEXIO-Rechenzentrum von HOCHTIEF im Unternehmens, und Innovationspark Heiligenhaus steht sinnbildlich für etwas Größeres: für den Moment, in dem ein Standort wieder in den „Umsetzungsmodus“ schaltet. Nicht die Serverracks sind die eigentliche Nachricht, sondern die Dynamik, die sie auslösen können, wenn Verkehrsanbindung, Flächenentwicklung und Verwaltungshandeln ineinandergreifen.

Heiligenhaus profitiert dabei von einem Faktor, den viele Städte im Kreis Mettmann seit Jahren herbeisehnen: Planungs-, und Investitionssicherheit durch die übergeordnete Infrastruktur. Der politische Beschluss zur Umsetzung des A 44-Lückenschlusses wirkt wie ein regionaler Startschuss. Er ist mehr als eine Linie auf der Karte, er ist ein Verfügbarkeitsversprechen für Unternehmen, die Logistik, Pendlerströme und Lieferketten kalkulierbar brauchen. Genau in dieser Konstellation gewinnt der Innovationspark Heiligenhaus an Profil: Er wird vom „guten Konzept“ zum „greifbaren Standortangebot“.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch der zweite Hebel, der oft unterschätzt wird: Geschwindigkeit im Verwaltungsvollzug. In der Pressemitteilung zum Besuch des Bundestagsabgeordneten Peter Beyer wird betont, dass die Baugenehmigung für das Rechenzentrum binnen weniger Wochen erteilt wurde. Dieses Tempo ist im Kern das, was der Bund unter dem Schlagwort „Bauturbo“ erreichen will, Heiligenhaus praktiziert es bereits. Das sendet ein Signal an Investoren, und es ist zugleich ein Weckruf an andere Kommunen: Effizienz ist keine PR-Floskel, sondern ein echter Standortvorteil, messbar in Wochen statt in Jahren.

Der Innovationspark zeigt zudem, wie Modernisierung heute aussehen kann, wenn man sie nicht in Silos denkt. Neben Digitalisierung spielt die Kopplung mit Klimaschutz eine Rolle, etwa über die diskutierte Nutzung von Abwärme für benachbarte Einrichtungen. Solche Ansätze sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sie verbessern auch die Akzeptanz, weil Technik einen sichtbaren Mehrwert im Alltag erzeugt. Der Park wird damit zu einem Schaufenster dafür, wie kleine und mittlere Städte neue Wertschöpfung anziehen können, ohne ihre Flächen zu überfrachten: kompakt, energieeffizient, anschlussfähig.

Für den Kreis Mettmann ist das strategisch relevant. Die Region ist traditionell eine Schlüsselregion der produzierenden Industrie, und genau daraus kann der nächste Entwicklungsschritt entstehen: Produktion bleibt, aber sie wird ergänzt durch Rechenleistung, Datenökonomie, Automatisierung und neue Dienstleistungscluster. Heiligenhaus liefert ein Beispiel, wie dieser Umschwung organisatorisch gelingt, wenn Politik, Verwaltung und Unternehmen konsequent auf Umsetzung schalten.

Und damit zur naheliegenden Hypothese, die in Ratingen seit Jahren mitschwingt: Was wäre möglich, wenn neben dem Autobahn-Lückenschluss auch die „alte Leier“ endlich Realität würde, die Reaktivierung der Westbahn, plus eine spürbare verkehrswegetechnische Erneuerung in Richtung Mettmann. Dann würden die kleineren Städte im Verbund des Kreises Mettmann ihre Karten gegenüber den umliegenden Großstädten deutlich besser ausspielen können, gerade im Wettbewerb um Unternehmen mit hohen Gewerbesteuerpotenzialen. Denn für Ansiedlungen zählt nicht nur die Nähe zu Düsseldorf, dem Flughafen oder den Autobahnen, sondern auch eine belastbare Schienenanbindung für Beschäftigte, Besucher und perspektivisch sogar für Güterverkehre im erweiterten Netz.

Diese Linie wird seit Jahren von der Ratinger Wirtschaft vertreten. Olaf Tünkers, Vorsitzender des Unternehmensverbands Ratingen (UVR), verweist regelmäßig darauf, dass Ratingen trotz Autobahnring eine entscheidende Lücke im ÖPNV hat, vor allem Nord, Süd, und nennt dabei ausdrücklich die Westbahnstrecke als fehlendes Rückgrat. In einer früheren Debatte drängte Tünkers zudem darauf, die Reaktivierung zeitlich vom Rhein-Ruhr-Express zu entkoppeln, weil man sonst jahrzehntelang aufeinander wartende Großprojekte produziert. Der Kern der Aussage ist simpel: Wer Investitionen will, muss Infrastruktur so priorisieren, dass sie im Lebenszyklus eines Unternehmens auch wirklich wirksam wird.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Diskussion, wie stark der Druck steigt, vom Reden ins Handeln zu kommen. Aus dem UVR kamen zuletzt auch warnende Töne, die Westbahn dürfe nicht zur „Fata Morgana“ werden, für die am Ende nur Planungskosten anfallen, ohne dass Schienenverkehr tatsächlich verbessert wird. Genau diese Zuspitzung passt zum Beispiel Heiligenhaus: Der Innovationspark dort wirkt wie der Gegenentwurf zur Dauerplanung, weil Entscheidungen in Sequenzen getroffen werden, die Investoren verstehen.

Ähnlich aufgeladen ist die Debatte um die schnelle Wiederherstellung der gesperrten Bahnstrecke Ratingen, Essen. Stadt, IHK und Unternehmensverband haben öffentlich eine Beschleunigung angemahnt und das langwierige Verfahren der DB kritisiert. Auch hier ist die Botschaft identisch: Wenn Schieneninfrastruktur ausfällt oder verschleppt wird, hat das unmittelbare Folgen für Pendler, für Betriebe, und für die Glaubwürdigkeit einer Region, die sich als modern und klimafreundlich positionieren will.

Unterm Strich macht die Eröffnung des Serverparks in Heiligenhaus deshalb nicht nur Mut, sie setzt einen Maßstab. Wenn der Kreis Mettmann seine kleineren Städte als Verbund wirklich stärken will, dann braucht es zwei Dinge parallel: die großen Netzknoten wie den A 44-Lückenschluss, und die konsequente Umsetzung der schienenseitigen Hausaufgaben, Westbahn und verlässliche Verbindungen Richtung Mettmann inklusive. Heiligenhaus zeigt, wie viel möglich ist, wenn Tempo zur Haltung wird. Ratingen könnte, mit den richtigen Entscheidungen, ein ebenso starkes Kapitel hinzufügen.