Gemeinsam am Tisch

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Christoph Klein kocht, serviert und hält Gespräche am Laufen, Bild: Alexander Heinz
Christoph Klein kocht, serviert und hält Gespräche am Laufen, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Wenn in der AWO Weiße Villa der Duft von geschmorten Kartoffeln, frischen Zwiebeln und Heringsvariationen durch die Räume zieht, dann geht es um deutlich mehr als einen Mittagstisch. Beim traditionellen Fischessen wurde genau das spürbar, Essen ist hier der niedrigschwellige Anlass, damit Menschen ins Gespräch kommen, sich wiedersehen, sich kennenlernen, und für einen Moment das Gefühl haben, nicht allein zu sein.

Rund 40 Gäste waren zum Fischessen angemeldet, und sie kamen auch. Serviert wurde ein „Bunter Teller“ aus Heringsvariationen, dazu Kartoffeln und Zwiebeln, später gehörten ein Karnevalsabschlussbierchen und ein Berliner dazu, je nachdem, ob man die Fastenzeit einläuten oder gedanklich schon Richtung nächste Session wollte. Die Atmosphäre war herzlich, getragen von den Ehrenamtlichen und den Menschen, die hier Verantwortung übernehmen, weil ihnen der Ort wichtig ist.

Die Teller sind Bereit, Bild Alexander Heinz
Die Teller sind Bereit, Bild Alexander Heinz

Ansprechpartnerinnen bei der Weissen Villa in Ratingen sind Irena Steinjan und Manuela Remberg, sie koordinieren die Begegnungsstätte an der Düsseldorfer Straße. Am Herd wirkt Christoph Klein, der sich seit Jahren als ehrenamtlicher Koch einbringt und auch im AWO-Ortsverein Verantwortung trägt.

Suppenküche als Kommunikationsinsel

Einige der Gäste hatten die Weiße Villa schon am Vortag erlebt, denn die AWO hat eine Suppenküche neu gestartet. Sie findet jeden ersten Dienstag im Monat von 12:00 bis 13:30 Uhr statt, eine warme Mahlzeit kostet 1 Euro, ohne Anmeldung, bewusst niedrigschwellig.
Die Idee dahinter ist so einfach wie wirksam, eine Mahlzeit ist Versorgung, und gleichzeitig ist sie eine Einladung. Wer gemeinsam isst, bleibt selten beim Wetter, ein kurzer Satz am Tisch wird schnell ein richtiges Gespräch. Genau diese Brücke zur Kommunikation ist es, die in der Weißen Villa täglich gebaut wird.

... die ersten Gäste auch !, Bild: Alexander Heinz
… die ersten Gäste auch !, Bild: Alexander Heinz

Dabei kommen nicht nur Menschen, die das Angebot finanziell brauchen, sondern auch solche, die es gut finden und unterstützen möchten. Das zeigt sich ganz praktisch, neben dem Euro landen in der Spendendose immer wieder auch größere Scheine. Für die Arbeit vor Ort ist das wichtig, weil es hilft, Angebote am Laufen zu halten und Menschen zu erreichen, die sonst eher zu Hause bleiben würden.

Einsamkeit, viele Wege, ein gemeinsames Ziel

Dass Einsamkeit ein Thema ist, das nicht nur einzelne betrifft, sondern die ganze Stadt, zeigt sich auch an weiteren Initiativen in Ratingen. Die Stadt lädt unter dem Titel „Gemeinsam gegen Einsamkeit“ Akteure und Bürgerinnen und Bürger zusammen, damit Ideen gesammelt und Projekte entwickelt werden, ausdrücklich generationenübergreifend, mit Vereinen, sozialen Einrichtungen, Politik, Verwaltung, und auch Gesundheitsberufen.
Schon seit Juli 2025 gibt es außerdem im Medienzentrum ein offenes wöchentliches Treffen gegen Einsamkeit, als Ort für Austausch und Begegnung, für Menschen jeden Alters.
Und wer nicht einfach so vor die Tür kommt, für den gibt es in Ratingen auch klassische Besuchsangebote, etwa den ehrenamtlichen Besuchsdienst des DRK, der gerade für ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen eine wichtige Verbindung nach außen sein kann.

All diese Beispiele zeigen, Einsamkeit lässt sich nur dann wirksam angehen, wenn viele unterschiedliche Akteure, die das Problem sehen, in ihrem jeweiligen Umfeld handeln. Die Weiße Villa leistet dazu einen besonders alltagstauglichen Beitrag, weil Essen nicht erklärt werden muss. Man darf kommen, man darf still sein, man darf reden, und man geht immer mit mehr nach Hause als auf einem vollen Teller Platz hatte.

Aus der Küche auf den Tisch, Bild: Alexander Heinz
Aus der Küche auf den Tisch, Bild: Alexander Heinz

Wer die Weiße Villa noch nicht kennt, sollte den ersten Schritt wagen und einfach einmal reinschauen. Adresse und Programm stehen auf den Informationsseiten der AWO, das Team empfängt neue Gesichter ausdrücklich offen.