
(mmm) Kerstin Griese bleibt Parlamentarische Staatssekretärin für Arbeit und Soziales. Unmittelbar nach der Ernennung von Alexander Schweitzer zum neuen Minister erhielt sie ihre Ernennungsurkunde in Berlin. „Zeit zum Durchatmen bleibt nicht“, sagt Griese, „wir haben viel zu tun“. Der Wechsel im SPD-geführten Bundesarbeitsministerium von Bärbel Bas zu Alexander Schweizer sowie die Diskussion um die Rentenreform sind die Aufreger-Themen im politischen Berlin der vergangenen Tage. Und dennoch: „Gerade in der Politik darf bei aller Auseinandersetzung nie vergessen werden: Hinter jedem Amt steht ein Mensch.“ Griese ist in diesen Tagen ein Hort der Stabilität, ein Fels in der Brandung. Die seit knapp einem Vierteljahrhundert in Ratingen lebende SPD-Bundestagsabgeordnete hat sich ihr Lebensmotto bei Hannah Arendt geborgt: „Politik ist angewandte Liebe zum Leben.“
Im Mittelpunkt ihrer politischen wie gesellschaftlichen Arbeit steht die Sozialpolitik: „Dabei setze ich mich insbesondere für eine Rente ein, die für alle Generationen fair ist, sowie für eine verbesserte Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Soziale Gerechtigkeit ist mein Leitfaden!“ Ihre persönliche DNA? „Im Mittelpunkt meines Kampfes für eine gerechte Gesellschaft stehen Bildung und Teilhabe für alle, besonders für Kinder. Alle haben ein Recht auf gleich gute Chancen – egal, ob sie eine Einschränkung haben oder ob ihr Elternhaus sie unterstützen kann oder nicht.“
„Soziale Gerechtigkeit ist mein Leitfaden“
Aktuell beschäftigt Griese, die in Berlin den Wahlkreis Mettmann II (und damit auch Ratingen) vertritt und über die SPD-Landesliste in den Bundestag einzog, natürlich die Rentenpolitik: „Hier braucht es ein Gesamtpaket, das die Interessen der älteren Generation – sie muss sich darauf verlassen können, dass ihre Lebensleistung anerkannt wird – und der jüngeren Generation – die das bezahlen muss und künftig auch noch gute Renten bekommen soll – fair austariert.“ Zur Gerechtigkeit zähle zudem, dass alle in die gesetzliche Rente einzahlen, also auch Selbstständige, Vorstände großer Aktiengesellschaften und Abgeordnete sowie mittelfristig auch die Beamtinnen und Beamte. Politisch will Griese daran mitarbeiten, dass die SPD wieder stärker werde. „Deshalb bin ich gerne vor Ort in meinem Wahlkreis unterwegs. Das direkte Gespräch mit den Menschen ist mir wichtig.“ Dabei möchte die 59-Jährige mehr Zuversicht verbreiten. Denn: „Diejenigen, die die Demokratie infrage stellen, sind eine Minderheit. Es wäre falsch, vor ihnen einzuknicken. Und: Wir leben in dem besten Deutschland, das es je gab. Daher bleibe ich optimistisch.“
Das Miteinander trägt und macht stark
Apropos Wahlkreis: Aktuell lebt die in Münster geborene Historikerin (Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Uni in Düsseldorf, anschließend an der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus tätig) in Hösel. „Ich mag Ratingen und die Natur Drumherum.“ Heimat? „Das ist da, wo ich zu Hause bin. Heimat bedeutet für mich Gemeinschaft, das Gefühl, ein Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst. Es ist dieses Miteinander, das trägt und stark macht. Heimat entsteht dort, wo sich Menschen sicher fühlen – sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich – und Neues wagen können.“
Grieses Lieblingsplatz in Ratingen? „Überall dort, wo ich ins Grüne in Richtung Angertal blicken kann. Dann weiß ich nach einer arbeitsreichen Woche in Berlin: Hier bin ich angekommen! Und ins Ratinger Kino gehe ich sehr gerne.“ Über die „sozialdemokratische Familie“ hinaus ist Griese in Ratingen bestens vernetzt, beispielsweise mit der Arbeiterwohlfahrt, den Menschen aus den Kirchengemeinden und sozialen Organisationen. „Nicht zu vergessen der gute Kontakt zu Freundinnen und Freunden in der Nachbarschaft oder der Plausch beim Einkaufen.“ An Ratingen schätzt Griese neben der Offenheit und Freundlichkeit der Menschen insbesondere „die super engagierten Ehrenamtlichen, die vielen Vereine und sozialen Einrichtungen, die sich wie ein Netz über die Stadtgesellschaft spannen.“ Und dass es keine Stadt des Stillstands ist: „Meine Erfahrung zeigt: Je offener und engagierter eine Stadt ist, desto stärker wird ihr Zusammenhalt.“
Bereits als Schülerin war Griese in der evangelischen Jugendarbeit engagiert. Heute gehört sie der Leitung (dem Rat) der Evangelischen Kirche in Deutschland an, ist in ihrer Partei Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen. Apropos Partei: Vom Bundesvorstand der Jusos bis zum Bundesvorstand der SPD hat Griese viele Funktionen in der SPD ausgeübt. Im Jahr 2000 wurde sie erstmals in den Bundestag gewählt, war Vorsitzende der Ausschüsse für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie für Arbeit und Soziales, seit 2018 ist Griese Parlamentarische Staatssekretärin.
Wenn man im Licht der Öffentlichkeit steht, bleibt kaum etwas verborgen. Was aber kaum einer von Kerstin Griese weiß: „1993 habe ich bei einer Demonstration für das Grundrecht auf Asyl die Bannmeile am damaligen Bonner Bundestag verletzt, musste mich deswegen vor Gericht verantworten.“ Ganz bei sich ist Griese bei einem Strandspaziergang an der Nordsee und beim Socken stricken. „Damit beglücke ich meinen Freundeskreis.“



