Ratingen | So fühlt sich ein Auftakt an, der im Gedächtnis bleibt. Schon lange vor der Öffnung des Poensgenparks warteten am Samstag die ersten Besucher vor den Toren, gespannt auf das, was sie dort zum Start des Open-Air-Programms der 750-Jahr-Feier erwarten würde. Als sich die Eingänge pünktlich um 17 Uhr öffneten, strömten die Menschen auf das Gelände, zunächst noch in ein vertrautes Parkbild getaucht, das im Restlicht des Tages eher neugierig machte als bereits alles preiszugeben. (Bildergalerie am Ende des Textes)
Doch je mehr der Abend an Tiefe gewann, desto stärker entfaltete das Parkleuchten seine Wirkung. Was anfangs noch wirkte, als habe der Osterhase ein paar überdimensionale bunte Eier auf der Wiese vergessen, verwandelte sich nach und nach in eine eindrucksvolle Szenerie aus Farben, Lichtpunkten und überraschenden Blickachsen. Der Poensgenpark zeigte sich von einer Seite, die viele Besucher so noch nicht erlebt hatten, verspielt, stimmungsvoll und mit jedem Schritt faszinierender.
Zum echten Hingucker wurde dabei eine riesige Diskokugel, die in den Bäumen aufgehängt war und erst mit einsetzender Dunkelheit ihre volle Wirkung entfaltete. Bei den älteren Besuchern weckte sie sofort Erinnerungen an John Travolta, Olivia Newton-John und die große Disco-Zeit, irgendwo zwischen Glanz, Glamour und „Stayin’ Alive“. Die Jüngeren kommentierten das funkelnde Spektakel auf ihre Weise, die Kugel sei einfach „sheesh“, „crazy“ oder eben ganz klar „slay“.
Richtig elektrisiert wurde die inzwischen beeindruckend große Besuchermenge dann, als nach kleineren technischen Problemen die Lasershow mit etwa einer halben Stunde Verspätung startete. Das Warten hatte sich gelohnt. Als die Lichtstrahlen durch den Park zuckten, über Wege, Wiesen und Baumkronen tanzten und die Nacht in eine bewegte Kulisse verwandelten, war die Begeisterung überall spürbar. Für einen zusätzlichen Gänsehautmoment sorgte Lutz Kniep, der live auf seiner Trompete zu den Laserbildern spielte und dem Ganzen eine emotionale, fast magische Note verlieh.
Spätestens da war klar, dass hier nicht nur irgendeine Jubiläumsveranstaltung lief, sondern ein neues Format, das das Zeug zum echten Publikumsmagneten hat. Über weite Strecken wirkte es, als habe sich halb Ratingen im Poensgenpark verabredet. Und wer das auf dem Gelände selbst noch nicht ganz erfasst hatte, bekam rund um Angerbad, Cromford-Museum und Blauen See einen weiteren Hinweis, dort sorgte der enorme Andrang stellenweise für ausgesprochen lebhafte, teils chaotische Verkehrssituationen.
Auch bei den Verantwortlichen wich die anfängliche Zurückhaltung im Laufe des Abends einer sichtbaren Begeisterung. Alexander Meinhardt, im Amt für Kultur und Tourismus mit dem Stadtjubiläum befasst und als Koordinator der Steuerungsgruppe Stadtjubiläum eng in die Organisation eingebunden, hatte zu Beginn noch verhalten optimistisch auf das Wetter und die Vorbereitungen verwiesen. Am Ende überwog jedoch die Freude über eine Resonanz, die selbst die Organisatoren in dieser Größenordnung offenbar nicht erwartet hatten. Umso naheliegender erscheint nun der Gedanke, dieses Veranstaltungsformat auch über das Jubiläumsjahr hinaus weiterzudenken.
Bemerkenswert war aber nicht nur das offizielle Programm, sondern auch das, was danach blieb. Noch lange nach dem Ende standen Menschen in kleinen Gruppen rund um den Park zusammen, redeten über das Erlebte, tauschten Eindrücke aus und ließen den Abend nur ungern los. Genau darin lag vielleicht die stärkste Botschaft dieses Auftakts: Ratingen hat nicht nur ein Jubiläum, Ratingen hat Lust darauf.
Das Parkleuchten war damit weit mehr als ein schöner Abend im Grünen. Es war ein leuchtender Beweis dafür, wie viel Kraft in einer Stadt steckt, wenn Atmosphäre, Idee und Publikum zusammenfinden. Ratingen ist bereit, sich selbst und seine 750-jährige Geschichte zu feiern, und dieser Abend hat eindrucksvoll gezeigt, wie gut sich das anfühlen kann.
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