
(mmm) Ich treffe Sabine Hasenkox auf der Speestraße in Lintorf. Mit ihr nicht ins Gespräch zu kommen? Geht vermutlich gar nicht. Weil sie durch ihre kulinarischen Stadtführungen – bei der sie historische Anekdoten zur Stadtgeschichte mit kulinarischen Kostproben aus zumeist inhabergeführten Betrieben schmackhaft würzt – eh beinahe jeder kennt. Und weil man sich der zugewandten Ausstrahlung der 64-jährigen Powerfrau kaum entziehen mag. „Ich bin ein sehr zufriedener dankbarer Mensch, der sich an Kleinigkeiten, wie einer Handvoll Spatzen an der Vogeltränke erfreuen kann.“
Seit 26 Jahren ist die gebürtige Ratingerin, für die Gesundheit und Zufriedenheit die wichtigsten Güter sind, in Lintorf zuhause. „Wanderst Du in Deinem Ruhestand jetzt aus?“, sei sie kürzlich gefragt worden. „Niemals“, so ihre unmissverständliche Antwort. Denn, so schiebt sie erklärend nach: „Ich bin hier zu Hause und möchte hier nicht mehr weg.“ Ob Fischladen oder Metzger, Weinfest oder inhabergeführte Gastronomie: „Man muss aus Lintorf nicht raus, das ist noch ein Stückchen heile Welt.“ Die Straßenbahn-Nähe zu Düsseldorf schätzt sie obendrein. Regelmäßig ist Sabine Hasenkox als Opern-Fan zusammen mit ihrem Mann Detlef in der Düsseldorfer Oper, zuletzt in Mozarts Zauberflöte.
Jetzt wagt die frühere Teamleiterin im Vertriebsinnendienst eines Ratinger Unternehmens für Feuerfestprodukte, etwas Neues: ein Ehrenamt, mit dem sie der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. „Wir brauchen das Ehrenamt, das ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Ich möchte Vorbild sein!“ Hasenkox lässt sich aktuell beim Verein „Hospizbewegung Ratingen“ zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin schulen, um erwachsene Menschen aller Altersgruppen in Zeiten von Krankheit, Sterben und Trauer in ihrer häuslichen Umgebung, im Pflegeheim oder Krankenhaus zu begleiten. Ausgebildet wird sie derzeit in verschiedenen Modulen, um schwerstkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen zu begleiten und bei der Bewältigung des Alltags allein durch das bloße Dasein zu unterstützen. Es gehe vor allem um Zuhören, Trösten und Halt geben. „Wir geben dem Sterbenden und den betroffenen Angehörigen ein Zeitgeschenk, um diese ein wenig zu entlasten, ihnen Freiräume zu verschaffen.
Zuhören und Zeit schenken
In ihrem aktuellen Befähigungskurs lernt Hasenkox viel über das Thema Zuhören, insbesondere wenn es um Biographien geht, um das Thema Distanz und Nähe (konkret, wie man sich einem Menschen nähert, der einen selbst zumeist nicht kennt), um Demenz, Sterbebegleitung und „letzte Hilfe“. Ihre Prämisse: „Sie können anderen nur helfen, wenn es ihnen selbst gut geht.“ Das Gespräch mit Hasenkox ist ein Dialog über Lebensfreude („Die Menschen sind lebensfroh, das merke ich bei meinen Stadtführungen. Und das Lächeln, das man den Menschen schenkt, bekommt man auch zurück.“) genauso wie über das Tabu-Thema Tod: „Meine Geburt kann ich selber nicht beeinflussen, die vermeintlich letzten Tage meines Lebens schon.“ Mit der Nachfrage, ob ich selbst schon an meine eigene Patientenverfügung gedacht habe, erwischt sie mich auf dem falschen Fuß. „Einfach mal informieren“, rät sie und weiter: „Nur, weil ich in einem Hospiz anrufe, muss ich ja nicht gleich sterben.“ Wir lernen im Gespräch: Hospizarbeit betrachtet das Sterben als einen wichtigen Teil des Lebens, der besondere Achtung verdient. Menschen in der schwierigen Endphase ihres Lebens sollen respektvoll und zugewandt begleitet werden, auch um ihre Würde bis zuletzt zu wahren.
Ihre DNA? „Ich rede nicht nur, ich mache. Ich bin kein Graumensch. Es gibt schwarz oder weiß – und ich weiß dann aber auch, woran ich bin.“ Ihr größtes Talent? „Sich stets auf neue Situationen einstellen zu können.“ Vielleicht wäre sie deshalb, wenn sie für einen Tag den Job eines anderen machen könnte, als Schauspielerin unterwegs, „obwohl ich kein Talent dafür habe“. Hasenkox begeistert sich für die Kultur, schwärmt vor allem von den Buchhandlungen in Ratingen: „Die sind so wichtig für unsere Kultur und für das Zusammenkommen von Menschen.“ Überhaupt, wenn man aktiv vor die Tür gehe, bleibe man in der Regel nicht alleine. Einsamkeit muss also nicht sein. Fehlt denn noch was in Ratingen? „Ein fertiges Stadttheater!“



