
(mmm) Das „Kunstbüdchen“ von Sabine Tünkers im Herzen von Lintorf (Speestraße 43 a) dürfte deutschlandweit ein Unikat sein und hat sich binnen fünf Jahren als Vitrine und Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst als eine kulturelle Institution mit Strahlkraft weit über Stadt und Stadtteil hinaus entwickelt. In wechselnden Ausstellungen (in diesem Jahr sind es fünf) gestalten dort ausgewählte Künstlerinnen und Künstler den Raum nach ihren kreativen Ideen und präsentieren ihre Arbeiten an einem Ort, wo einst mit dem Kiosk „Büdchen vom Raasch“ ein Stückchen Lintorfer Dorfgeschichte seine Heimat hatte. Mit dem Showroom für die Kunst im urbanen Raum leistet Tünkers, die in Bonn Kunstgeschichte studiert hat, einen spannenden Beitrag zur Innenstadt-Belebung. Gezeigt werden die unterschiedlichsten Kunstgattungen, darunter Lichtinstallation, Videokunst (wie bis zum vergangenen Wochenende Tessa Knapp mit „rising signal“) und Performance.
Ein Ort für Bilder an der Wand ist das Kunstbüdchen abder ganz bewusst nicht. Die Magie der Werke, ihre über den Ort hinausweisenden Botschaften erschließen sich ausschließlich durch den Blick ins Schaufenster, wie eine wunderbar illuminierte Vitrine eben. Das Spannende am Ausstellungskonzept: „Was die Künstler hier vor Ort machen und inszenieren, sehe auch ich erst am Eröffnungstag“, erklärt Sabine Tünkers. Und auch für die Künstlerinnen und Künstler ist dieser Raum mitunter eine Herausforderung, der sie sich mit Leidenschaft stellen. Tünkers: „Die ausstellenden Künstler müssen sich im Vorfeld dezidiert mit der speziellen Wirkung und den Dimensionen dieses Raumes beschäftigen.“
Vernissage „Linienlied“ am 14. März
Wie jetzt für die aktuelle Ausstellung „Linienlied“ (bis 12. Juni) der Düsseldorfer Künstlerin Utta Hagen, die am Samstag (14. März, 18 Uhr) eröffnet wird. Utta Hagen sieht sich in der Tradition des „Minimal“. Sie absolvierte zunächst eine Lehre als Kirchenmalerin, ehe sie an der Akademie der Künste in München und anschließend an der Kunstakademie in Düsseldorf (1991 bis 1997) in der Klasse von Gerhard Richter und David Rabinowitch studierte. Die Künstlerin inspiriert alles, was fließt und im Kontrast dazu alles, was statisch ist, konkret Wasser, Musik, Bewegung, Tanz, Architektur und Raum. „Immer wieder versuche ich für etwas, das eigentlich nicht greifbar ist, eine materielle Form zu finden, eben der Energie hinter den Dingen.“ Ihr Wunsch: „Dass die Betrachtenden meiner Kunst sich selbst, den gegenwärtigen Augenblick und den Raum durch die Arbeit bewusst wahrnehmen.“
Als Raum für zeitgenössische Kunst hat das Kunstbüdchen längst seine ganz eigene Strahlkraft entwickelt, die die kundige Handschrift von Sabine Tünkers offenbart. Die Kunst begleitet Tünkers bereits seit Jugendtagen: „Die Begeisterung dafür war ein Grund, mich für das Studium der Kunstgeschichte zu entscheiden.“ Nach ihrem Abschluss an der Universität Bonn war sie in den Bereichen Denkmalpflege, Kunstpädagogik, Kunstvermittlung und Ausstellungskonzeption tätig, führte u.a. Interessierte durch die Düsseldorfer Stadtgeschichte oder das Museum Kunstpalast. „Eines meiner wichtigsten Anliegen ist es, für jeden von uns eine Tür in die Welt der bildenden Kunst zu öffnen. Ich wünsche mir, dass die Kunst ein selbstverständlicher Teil unseres Alltags wird und wir das Leben mit Kunst schätzen lernen.“ Dialog und Austausch seien die ersten wichtigen Schritte, sich dieser Welt anzunähern. Das Kunstbüdchen soll auch im fünften Jahr des Bestehens seinen Beitrag dazu leisten. Der Standort als große Vitrine und visuelle Wundertüte für die Kunst könnte nicht besser sein, als an der Speestraße, der Lebensader Lintorfs, mit Bushaltestelle direkt vor der Tür. Demokratischer (und auch spannender) ist Kunst kaum denkbar.




