
(mmm) Am 20. Februar gastiert das Düsseldorfer Kom(m)ödchen in der Stadthalle mit seinem neuen Stück „Nö. Eine Entgleisung“. Das Kom(m)ödchen zählt zur DNA des deutschen Kabaretts, zum Ensemble zählten u.a. Harald Schmidt, Hugo Egon Balder, Jochen Busse, Volker Pispers, Mariele Millowitsch und Christian Ehring. Im Sommer 2024 hat Luzie Lorentz, Enkelin von Lore Lorentz, die Geschäftsführung von ihrem Vater Kay übernommen.
Spoilern Sie mal ein wenig: Worauf darf sich das Publikum beim Gastspiel des Kom(m)ödchens freuen?
Auf ein spannendes Bühnenbild, auf Themen, die uns alle unmittelbar betreffen und auf ein typisches Kom(m)ödchen-Stück: mit einem großartigen Ensemble, einer stringenten Geschichte und Figuren, in denen man sich selbst wiederfinden kann. Es wird wild, bunt und aktuell. Heiko Seidel, Martin Maier-Bode, Massimo Tuveri und Susanne Pätzold geben alles.
Das Kom(m)ödchen ist ein Stück DNA des politischen Kabaretts. Wie gelingt es, sich als „Institution“ immer wieder neu zu erfinden?
Ich selbst habe die „Glanzzeiten“ nicht mitbekommen und bin mir auch nicht sicher, ob ich diesen Begriff zutreffend finde. Meine Großmutter Lore Lorentz schrieb in einem Artikel im „Zeit“-Magazin 1977 folgendes: „Satire ist solange nicht tot, solange es Situationen gibt, die es einem schwermachen, keine darüber zu schreiben.“ Ich finde diesen Satz heute genauso zutreffend wie damals. Die Relevanz des Kom(m)ödchens erhält sich nicht durch die nostalgische Fixierung auf die Glanzzeiten, sondern dadurch, dass man die Probleme der Gegenwart ins Auge fasst und vielleicht sogar trotz allem einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft wagt.
Den Sinn für Humor bewahren
Wie politisch ist das Programm des Kom(m)ödchens mit Vergleich zu früher, wie funktioniert Kabarett in Zeiten von Kriegen und Krisen?
Die Auseinandersetzung mit der Weltpolitik und den Krisen unserer Zeit kann durchaus deprimierend sein. Was Kabarett hier leisten kann, ist ein befreiendes Gefühl, nach all diesen Katastrophen noch schmunzeln oder sogar lauthals lachen zu können. Eine echte Katharsis und nicht bloß Eskapismus. Das bedeutet nicht für 2,5 Stunden die Birne auszuschalten, sondern sich aktiv mit der Realität auseinandersetzen, ohne sie zu verdrängen oder schönzureden, und sich dabei seinen Sinn für Humor zu bewahren. Genau darum geht es auch in unserem neuen Stück „Nö. Eine Entgleisung“. Die Hauptfigur Malte ringt mit der Frage, wie man mit einer Welt umgeht, die permanent überfordert …
Was unterscheidet sich ein Bühnenprogramm wie das aktuelle in Sachen Handlung und Dramaturgie von den Zeiten als Jochen Busse, Harald Schmidt oder Thomas Freitag auf der Bühne standen?
Früher dominierte das klassische Nummernkabarett. Das gibt es auch heute noch, wie unser Ensembleprogramm „Don’t Look Back“. Was das Kom(m)ödchen allerdings besonders auszeichnet, sind die großen Ensemblestücke, die eine durchgehende Geschichte erzählen. Unser grandioses Autorenteam bestehend aus Dietmar Jacobs, Martin Maier-Bode und Christian Ehring schreibt kabarettistische Theaterstücke, die komplexe Themen aufbrechen, auf verschiedene Figuren verteilen und sie so aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Gab es zu Ihrer heutigen „Rolle“ jemals einen Plan-B?
Zu Beginn meines Germanistikstudiums wollte ich Lektorin werden. Texte zu lesen, sie einzuordnen und Autoren zu fördern, war meine Vorstellung von einem Traumjob. Heute mache ich im Grunde genau das, nur nicht in der Belletristik, sondern im Kabarett. Und nicht alleine, sondern umgeben von unfassbar tollen und kreativen Menschen.
Für Sie selbst war die Bühne aber nicht Ihr Ding?
Nein, niemals. Ich verstehe mich als Unternehmerin, nicht als Künstlerin. Insofern bin ich meinem Großvater in gewisser Weise ähnlicher als meiner Großmutter.
Was sind aktuell für das politische Kabarett die größten Herausforderungen?
Die politische Verfinsterung in den USA, aber eben auch in Deutschland, zeigt, wie wichtig es ist, unsere Demokratie und unseren Sozialstaat zu schützen. Gerade im politischen Kabarett geht es darum, ohne erhobenen Zeigefinger, Haltung zu zeigen. Die Kunst liegt darin, Antworten nicht vorzugeben, sondern zum politischen Denken zu animieren. Ich denke, dass sich hier die für das Kom(m)ödchen charakteristischen Ensemblestücke besonders gut eignen, da sie verschiedene Perspektiven aufzeigen, bei der jede Seite gute Argumente vorbringt. Meiner Meinung nach ist diese Auseinandersetzung auf Augenhöhe wichtig, um bei den großen Herausforderungen unserer Zeit echten politischen Diskurs zu fördern, und dem Publikum nicht eine vorgefertigte Meinung vorzusetzen.
Wenn Sie für einen Tag einen anderen Job machen könnten, welcher wäre das?
Vielleicht tatsächlich Lektorin. Wobei ich vermutlich feststellen würde, dass ich am Ende doch die Texte am spannendsten finde, die auf eine Bühne gebracht werden wollen.
(Eintrittskarten sind im Ticketbüro des Kulturamts und an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie bei www.westticket.de erhältlich.)



