Ratingen | „Dies war eine großartige Begegnung.” Mit diesen Worten resümierte Bürgermeister Patrick Anders den Besuch aus der amerikanischen Partnerstadt Vermillion. Mehr als 80 Gäste aus Süd-Dakota bereicherten eine Woche lang das Ratinger Stadtleben – mit Schunkeln, Alphörnern und einem Bürgermeister, der seine erste Amtshandlung ausgerechnet in Ratingen vollzog.
Verspätete Anreise, herzlicher Empfang
Die Besuchergruppe setzte sich aus Austauschschülern des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, einer offiziellen Delegation um Bürgermeister Kevin O’Kelley und Musikern der University of South Dakota zusammen. Alle waren einer Einladung gefolgt, die Patrick Anders im Vorjahr am Rande eines Schulaustauschs ausgesprochen hatte.
Nicht ganz reibungslos verlief die Anreise: Während die Austauschschüler bereits eine Woche zuvor eingetroffen waren, strandete eine knapp 20-köpfige Gruppe zunächst in Amsterdam und musste auf den Nachtzug umsteigen. Wer schon in Ratingen war, wurde von Anders im Rathaus begrüßt, unternahm einen Stadtspaziergang und kam anschließend beim Abendessen im Bürgerhaus zum ersten Mal mit dem Ratinger Winterbrauchtum in Berührung. Bei 30 Grad brachte ihnen Heinz Hülshoff bei, wie Schunkeln geht.
Mit dem Karnevalsbus durch die Stadt
Am Samstag ging es weiter im Programm. Die Stadt hatte den „Brauchtumsbus” des Karnevalsausschusses gechartert – normalerweise im Einsatz, um Karnevalsformationen während der Session zu chauffieren. Für die Amerikaner, die nicht selbst musizierten und für das Festkonzert proben mussten, wurde daraus eine Stadtrundfahrt zu den Ecken Ratingens, die man zu Fuß kaum erreicht.
Empfang mit prominenter Gästeliste
Beim offiziellen Empfang am Samstagabend im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium war auch Alexandra Shema zu Gast, Vize-Generalkonsulin der USA in Düsseldorf. Sie betonte die Bedeutung persönlicher Begegnungen für die Verständigung über Grenzen hinweg – gerade dann, wenn es auf politischer Ebene schwierig sei. Schulleiter Uwe Florin erinnerte an den lateinischen Schriftzug auf Dollarscheinen: „E pluribus unum” – aus vielen eins.
Patrick Anders knüpfte in seiner englischen Rede an die Süd-Dakota-Brücke in Ratingen an, die 1983 fertiggestellt wurde – im selben Jahr, in dem die Partnerschaft mit Vermillion begann. Eine Brücke stehe nicht nur deshalb für die Verbindung beider Städte, sagte Anders, weil sie täglich von Tausenden genutzt werde. Sie überbrücke Entfernungen und überwinde Trennendes – genau wie eine Städtepartnerschaft.
Feuerwehrhelme und eine historische Urkunde
Vermillions Bürgermeister Kevin O’Kelley hatte Gastgeschenke im Gepäck: zwei Feuerwehrhelme der Vermillion Fire Fighters sowie ein gerahmtes Bild mit Kunst der Oglala-Indianer aus Süd-Dakota. Den Höhepunkt bildete eine gerahmte Urkunde zur Bekräftigung der Städtepartnerschaft, die O’Kelley auf Deutsch vorlas. Es war, wie er selbst betonte, seine erste Amtshandlung als Bürgermeister – erst wenige Wochen zuvor gewählt, war er erst am Montag vor der Reise vereidigt worden.
Alphörner, Festmahl und Festkonzert
Die Höhepunkte rissen nicht ab. Am 12. Juli bereicherten die Gäste aus Vermillion das große Festmahl auf dem Stadionring. Zuvor hatten vier Musikprofessoren mit Alphörnern eine ungewöhnliche Wecktour durch Ratingen absolviert und die Menschen an verschiedenen Orten der Stadt zum Festmahl gerufen. Unvergesslich blieb für viele das große Festkonzert am 14. Juli in der Stadthalle.
Trotz des dichten Programms blieb sogar Zeit für Ausflüge nach Koblenz, Köln und Düsseldorf. Am Donnerstag ging die ereignisreiche Reise zu Ende.




