(mmm) An ihm, insbesondere an seiner Stimme, kommt man in Ratingen nicht vorbei. Achim Pohlmann ist der Stadionsprecher des Oberliga-Teams von Ratingen 04/19. Und seit 33 Jahren Moderator der Ratinger Karnevalsumzüge (erst Lintorf, dann des Rosenmontagzuges), seit einem Vierteljahrhundert zudem der Mann am Mikro bei den Schützenumzügen wie den Platzkonzerten auf dem Marktplatz. Mehr noch: Der 71-Jährige ist Ehrenpräsident der Anger Garde, Mitglied im Karnevalsausschuss der Stadt Ratingen, Ehrenmitglied Grün-Weiß Ratinger Spiesratze, Oberleutnant der St. Sebastiani Bruderschaft, Ehrenvorstandsmitglied bei den Ratinger Jonges (16 Jahre im Vorstand), als CDU-Mitglied seit sieben Jahren im Bezirksausschuss Tiefenbroich, zudem seit 20 Jahren Trauerredner bei Beerdigungen. Was von alledem am liebsten? „Alle meine Tätigkeiten mache ich äußerst gerne, weil ich Brauchtum, Sport und die Arbeit für unsere Heimatstadt sehr liebe, ein Ranking gibt es da nicht“, erzählt Pohlmann, gelernter Mineralölkaufmann mit Stationen u.a. in Paris und bei der NATO in Belgien. Zugegeben, der Hinweis, dass er seit 2020 Rentner sei, führt bei all seinen Aufgaben fast ein wenig in die Irre.
Sein größtes Talent? „Ganz klar die Moderation. Ich liebe einfach die Arbeit am Mikrofon.“ Über ein Jahrzehnt war Pohlmann, der, gefragt nach seinen Charaktereigenschaften, auf seine „Ausgeglichenheit, Empathie und Humor, gepaart mit einer gehörigen Portion Fachwissen sowie ‚gesundem Halbwissen‘ in allen Lebenslagen verweist, Stadionsprecher bei den Ratinger Ice Aliens. 2008 wurde er gefragt, ob er aushilfsweise für den damaligen Stadionsprecher bei 04/19 einspringen könne. Konnte er und übernahm dessen Aufgabe im Jahr 2010 dann ganz. Klar, dass er auch Fan der Germania sei, das gehöre natürlich dazu. Nach 16 Jahren im Amt ist Pohlmann bei seinem Sprecher-Job unter dem Dach der Haupttribüne eigentlich nicht mehr aufgeregt, „außer es steht ein sogenanntes Sicherheitsspiel an“, wie beispielweise am Sonntagnachmittag (26. April, 15 Uhr) gegen den KFC Uerdingen, eine mitentscheidende Begegnung um den Aufstieg in die Regionalliga West. Für Pohlmann steht der Fußball auch bei dieser Begegnung im Vordergrund: „Die Mannschaft hat es selbst in der Hand aufzusteigen. Stark genug ist sie. Sie hat auch den richtigen Trainer und das richtige Umfeld dazu.“
„Wir müssen das Heimatgefühl wecken!“
Die Arbeit des Stadionsprechers sei in allen Ligen gleich. Allerdings: „Je höher die Liga, desto mehr Sicherheitsspiele gibt es, auch weil der Fanzuspruch dann immer höher wird.“ Man müsse als Stadionsprecher darauf achten, mit seinen Ansagen immer neutral zu sein, keinesfalls die gegnerische Mannschaft, die Fans oder die Unparteiischen über das Mikrofon zu diffamieren. Apropos Fanzuspruch: Braucht der Verein grundsätzlich nicht mehr als die rund 300 Zuschauer (beim Mitaufstiegsaspiranten aus Hilden sind es auch nicht mehr), die für gewöhnlich zu den Heimspielen ins Stadion kommen? „Natürlich brauchen wir mehr Zuschauer, was durch die Nachbarschaft von diversen Fußballvereinen der ersten, zweiten und dritten Liga sowie einiger Eishockeyclubs aber schwierig ist“, so Pohlmann. Sein Anspruch: „Wir müssen es schaffen, bei den Ratinger Bürgern und Sportliebhabern das Heimatgefühl zu wecken.“ Präsenz in den Medien sei wichtig, verbunden mit guter sportlicher Leistung, dann werde das schon klappen.
„Ratingen is e Jeföhl!“
Heimat ist für Pohlmann, der in Düsseldorf geboren wurde, dann über „die Umwege“ Paris, Mons (Belgien), Krefeld und wieder Düsseldorf Ende der 1970er Jahre der Liebe wegen nach Ratingen gezogen ist, natürlich die Dumeklemmer-Stadt. Düsseldorf liege ihm aber ebenso am Herzen wie Norddeich an der Nordsee, seine zweite Heimat: „Überall wo ich mich wohlfühle kann auch Heimat entstehen.“ Indes: „Ratingen is e Jeföhl!“ Hier werde es nie langweilig.





