
(mmm) Wenn der Tabellenführer den Vorletzten empfängt, spricht man gerne von einer Pflichtaufgabe. Und die löste Germania Ratingen 04/19 im Heimspiel am 27. Spieltag der Oberliga Niederrhein am vergangenen Freitagabend gegen den SV Biemenhorst letztlich mit Bravour. Bereits nach knapp drei Minuten Spielzeit versenkte Sven Kreyer, auf dem Papier die einzige echte Sturmspitze im Ratinger Kader, mit seinem Saison-Treffer Nummer 13 nach einer sehenswerten Passfolge den Ball im Netz zum 1:0 der Hausherren. Haken dran, ein perfekter Start ins Wochenende?
Ganz so einfach war es indes dann doch nicht, denn bis in die Schlussviertelstunde mussten die knapp 300 Fans – hat es sich in Ratingen eigentlich herumgesprochen, dass die Germania um den Aufstieg in die Regionalliga West, mithin in den Profi-Fußball spielt? – um den knappen Vorsprung, inklusive eines Pfostentreffers der letztlich harmlosen Gäste (54.), bangen, ehe Guiliano Zimmerling (78.) und Emre Demircan (83.) für letztlich klare Verhältnisse und einen 3:0 Heimsieg sorgten. Der Traum vom Aufstieg in die Regionalliga West lebt weiter!
Spielstark und kombinationsfreudig
Über weite Strecken der unterhaltsamen 90 Minuten im Stadion Ratingen war es das Spiel auf ein Tor. Die Germania zeigte sich drückend überlegen, enorm spielstark und kombinationsfreudig. In Sachen taktischer Einstellung und Spielverständnis war es über weite Strecken der Partie ein Klassenunterschied. Lediglich der Chancenwucher an Distanzschüssen oder nach sehenswerten Kombinationen geriet phasenweise zum Haare ausraufen. Und so blieb beim Einbahnstraßen-Fußball – Biemenhorst igelte sich mehr oder weniger in der eigenen Hälfte mit Mann und Maus ein, lediglich Max Peerenboom (der mit dem Pfostentreffer) performte aufmerksamkeitsstark und weit über dem Durchschnitt seiner Elf – ausreichend Zeit, sich über das nächste Heimspiel gegen den KFC Uerdingen Gedanken zu machen.
Und die Germania? Gefiel in allen Mannschaftsteilen. Mit einer souverän agierenden Abwehr, einem enorm spielstarken Mittelfeld und einem brandgefährlichen Sturm. Die Mannschaft wirkte spielfreudig, homogen und eingespielt. Kein Wunder, war es doch die Startelf, die zuletzt auswärts in Sonsbeck gewonnen hatte. Über weite Phasen des Spiels, insbesondere in der 1. Halbzeit der äußerst fairen Begegnung, stand Biemenhorst zwar auch mit elf Mann auf dem Platz, fand dort aber irgendwie kaum statt. Einziges Ratinger Manko: Das Team von Trainer Damian Apfeld versäumte es, frühzeitig für eine klare Vorentscheidung zu sorgen, zumal Biemenhorst in Halbzeit zwei mit zunehmender Spieldauer etwas mutiger wurde.
Schade nur: Ratingen 04/19 klopft an die Tür des Profifußballs – und weite Teile der Stadt lässt das offenbar kalt. Knapp 300 Zuschauer an einem Freitagabend bei besten äußeren Bedingungen sind, wenn der Tabellenführer ruft, insbesondere wirtschaftlich und dann möglicherweise eine Etage höher, einfach zu wenig. Für Top-Stimmung sorgt zwar verlässlich ein knappes Dutzend Elf- und Zwölfjähriger mit ihren Trommeln, Vuvuzelas, lautstarken Rufen und Fahnen. Doch wo sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die den Verein bei Heimspielen hör- und sichtbar supporten? Wie das gehen kann, wird Ratingen wohl beim nächsten Heimspiel gegen den KFC Uerdingen – mit Spielen gegen Hilden und Ratingen binnen der kommenden zwei Wochen das Zünglein an der Waage im Aufstiegskampf – erleben. Gespielt wird aus Sicherheitsgründen nicht unter Flutlicht, sondern am Sonntagnachmittag (26. April, 15 Uhr). Sportlich wie organisatorisch sicher auch eine Generalprobe für einen etwaigen Regionalliga-Aufstieg.



