(mmm) Dieses Buch fällt schon rein optisch mit seinem knalligen Cover auf, es provoziert, ist unterhaltsam, vor allem aber ein geradezu unentbehrlicher Ratgeber, der hilft, rechtzeitig vorzusorgen, den Hinterbliebenen nach dem eigenen Tod viele Entscheidungen abzunehmen, das Suchen nach Dokumenten zu ersparen. „Da habt ihr den Salat … denn ich bin jetzt tot.“ ist der etwas andere „Nach-meinem-Tod-Planer“, den die in Lintorf lebende Werbetexterin, Lektorin und Autorin Jasmin Mrugowski zusammen mit Nadine Opitz geschrieben hat. „Wir wollen dem Tod sein schwarzes Cape vom Leib reißen und bei Tageslicht schauen, was sich darunter versteckt.“ Das Ziel? „Klartext reden und zeigen: Die Vorbereitung auf das Unvermeidliche muss nicht so schwer sein, dass man sie vor sich herschiebt, bis das Unvermeidliche ungebeten und ohne Terminalternativen an die Tür klopft.“ Ein Interview mit Jasmin Mrugowski.
Sie haben mit einem „Nach-meinem-Tod-Planer“ ein morbides Thema zum Buch gemacht. Wie kommt man auf diese Idee?
Ich saß auf dem Sofa und fragte mich: Was passiert eigentlich, wenn ich morgen sterbe? Woher weiß meine Familie, welche digitalen Zugänge ich habe, wo meine Passwörter liegen und was mir für mein Danach wichtig wäre? Bei der Suche stieß ich schnell auf Vorsorgebücher. Die gab es reichlich, nur wollte ich bei manchen Covern am liebsten erst einmal eine Flasche Wein öffnen. Viel Schwere und Titel, bei denen man förmlich die Sargscharniere quietschen hörte. Dann entdeckte ich das amerikanische Buch „Now It’s Your Problem“ und dachte, dass es genau sowas auch auf Deutsch geben müsste.
Marketing, Website, Buch-Cover lassen nicht unbedingt auf das Thema Tod schließen …
Genau das war der Plan. Das Cover sollte auf den ersten Blick zeigen, dass dieses Buch anders ist. Wir wollten irritieren, ein bisschen provozieren und neugierig machen. Bei unserer Recherche haben wir schnell gemerkt, wie sehr Tod und Vorsorge optisch mit Grau und Traurigkeit verbunden sind. Deshalb war uns die Gestaltung genauso wichtig wie der Text. So entstand unser bewusst knalliges und etwas schräges Cover mit Friedhof, Grab und Salatschüssel. Die Reaktionen zeigen, dass es funktioniert – viele schauen erst irritiert, lesen den Titel noch einmal und müssen dann lachen. Plötzlich sprechen wir über den Tod. Genau das wollten wir erreichen. Natürlich passt dieser Humor nicht für jeden Menschen und jede Lebenssituation. Wir möchten damit niemanden verletzen, der gerade trauert. Unser Buch richtet sich vor allem an Menschen, denen es gerade gut geht, die vorsorgen wollen, das Thema aber vor sich herschieben.
„Irritieren, ein bisschen provozieren und neugierig machen …“
Warum sollte man das Buch gelesen haben?
Weil Vorsorge kein Thema ist, das erst mit 80 relevant wird. Der beste Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen, ist der, an dem es keinen konkreten Anlass gibt. Dann kann man in Ruhe klären, wer im Ernstfall entscheiden darf, wo wichtige Unterlagen und digitale Zugänge liegen, was mit dem geliebten Haustier passieren oder wie die eigene Beerdigung ablaufen soll.
Echter Mehrwert oder vor allem Unterhaltung?
Der Humor soll den Einstieg erleichtern und dabei helfen, sich überhaupt mit Tod, Sterben und Vorsorge zu beschäftigen. Gleichzeitig steckt sehr viel Inhalt in dem Buch. Es sind am Ende 444 Seiten geworden, darunter rund 100 Seiten zum Ausfüllen. Vermutlich findet fast jeder etwas, das er so noch nicht wusste. Wir wollten kein Buch schreiben, durch das man sich mit zusammengebissenen Zähnen arbeiten muss. Man darf beim Lesen über den Tod auch mal lachen …
Haben Sie vorgesorgt für den Fall der Fälle?
Sagen wir mal so: Ich bin auf einem guten Weg. Fertig bin ich noch lange nicht.
Welcher Song ist auf Ihrer allerletzten Playlist ganz vorne?
Auf jeden Fall „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen. Für mich steckt in diesem Song sehr viel von dem, was ich am Leben mag – und die Anerkennung des Unabänderlichen. Diese seltenen Momente, in denen man ganz genau weiß, dass man gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Und die Erkenntnis, dass ein gutes Leben vielleicht gar nicht daran hängt, wie lange es dauert, sondern wie viele solcher Momente darin Platz hatten. Wenn der Song irgendwann auf meiner Beerdigung läuft, soll er deshalb nicht traurig klingen.
Was möchten Sie unbedingt noch erleben, bevor bei Ihnen das letzte Stündlein schlägt?
Ganz weit oben auf meiner Liste steht ein Drehbuch für eine Hörspielfolge der „Drei ???“. Ich höre die Hörspiele seit meiner Kindheit und fände es großartig, Justus, Peter und Bob irgendwann einmal in einen Fall zu schicken, den ich mir selbst ausgedacht habe.
Ihre Heimat ist wo?
Meine Heimatstadt ist Wolfsburg. Dort bin ich geboren und aufgewachsen, das ist ein Teil von mir. Gleichzeitig habe ich im Rheinland eine neue Heimat gefunden und fühle mich in Ratingen sehr wohl.
Ihr Lieblingsplatz in Ratingen?
Für Spaziergänge der Hinkesforst. Beim Laufen kann ich abschalten, nachdenken und Gedanken sortieren. Für einen Kaffee mit Freunden liebe ich den Marktplatz. Die historische Kulisse, die Cafés und Restaurants und das Gewusel rundherum geben ihm eine besondere Atmosphäre. Man sitzt mitten in der Stadt und trotzdem fühlt es sich angenehm überschaubar an.
Ratingen braucht unbedingt noch …
… wieder ein Krankenhaus. Das wäre mein sehr ernst gemeinter Wunsch. Zu wissen, dass im Ernstfall eine Klinik direkt vor Ort ist, gehört für mich einfach zu einer Stadt wie Ratingen dazu.




