
(mmm) Die Blumen gab’s bei der Heimspiel-Premiere von Ratingen 04/19 in der neuen Oberliga-Saison 2026/2027 von Gästetrainer Sebastian Siebenbach am vergangenen Freitag erst nach dem Spiel: „Das Stadion in Ratingen hat Aura. Da macht das Fußballspielen richtig Spaß!“ Dieser Spaß war 04/19-Trainer Daniel Apfeld nach fuchswilden 94 Minuten und einem leistungsgerechten 3:3 Endstand freilich nicht ins Gesicht geschrieben. Im Gegenteil: „Mit dem Auftritt kann ich nicht leben. In unserem ersten Heimspiel der Saison so schlecht zu verteidigen, damit bin ich nicht einverstanden. Vor dem zweiten Auswärtsspiel der Saison, Freitagabend in Hamminkeln bei SW Blau-Weiß Dingden (28. August, 20 Uhr, Ergebnis steht erst nach Redaktionsschluss fest), gibt es für den Coach und sein Team jede Menge Arbeit.
Fünf Gegentore in den ersten zwei Spielen werfen einige Fragen auf, zumal die Defensive schon im Meisterschafts-Endspurt der vergangenen Saison eine Achillesferse war. Mehr noch: Eine echte Spielidee gab es (zu) selten zu sehen, vor allem in der 1. Halbzeit war kein Mittelfeld, das ein Spiel aufbaut oder frühzeitiges Gegenpressing betreibt, auf dem Platz zu erkennen. Einzig Guiliano Zimmerling setzte auf der rechten Defensivseite immer wieder sehenswerte Impulse für den Spielaufbau, die auch prompt zur frühen Ratinger Führung nach fünf Minuten führten: Neuzugang Lukas Korytowski bekam im Strafraum den Ball von Zimmerling und schoss unten rechts zum 1:0 ein. Ein perfekter Start beim Heimspiel-Debüt des Niederrhein-Oberligisten.
Ein fuchswildes 3:3
Danach gab es vor allem in der 1. Halbzeit viele lange Gesichter auf der gut gefüllten Tribüne. Denn Büderich spielte couragiert wie effektiv, hatte in Jamil Jamal Al Hussein, taktisch das Pendant zu Zimmerling auf der rechten Defensiv-Seite, einen Spieler, der hinten keinen Ball kampflos hergab und das Offensivspiel der Gäste immer wieder sehenswert nach vorne trieb. Apfelds schonungsloses Fazit: „Wir haben über 94 Minuten zu wenig Kontrolle auf das Spiel ausgeübt, zu wenig Sicherheit ausgestrahlt.“ Und: „Man hat Ratingen auf dem Platz nicht wiedererkannt. Ich kann das nicht nachvollziehen, zumal uns das frühe 1:0 Ruhe hätte geben müssen.“ Dass es im Mittelfeld letztlich nicht stimmte erkannte auch der Trainer: „Den Ball immer wieder nach vorne in die ‚tote Zone‘ zu drücken, dann aber nicht nachzurücken, dass macht keinen Sinn.“ Der in der zweiten Halbzeit eingewechselte Neuzugang Maxim Schröder machte dann das, wofür man ihn nach Ratingen geholt hat: Er setzte mit seiner Körperlichkeit und Schnelligkeit offensive Impulse und sorgte zwischen der 50 und 65 Minute, die den Spielverlauf nach dem 1:2 zur Halbzeit dank zwei (berechtigter) Elfmeter, die Emre Demircan sicher zum zwischenzeitlichen 3:2 verwandelte und das Spiel für Ratingen drehte, für die stärkste Phase der Ratinger.
Die knappe Führung reichte letztlich nicht, denn die Gäste glichen kurz vor dem Schlusspfiff (90 +2) zum verdienten 3:3 aus. Hatte Ratingen in der Woche zuvor in Schonnebeck beim 2:2 das Glück mit einem Tor in der Nachspielzeit noch auf seiner Seite, sorgte der Büdericher Gegentreffer in der Nachspielzeit für Ernüchterung. „Ich bin super zufrieden“, so Gästetrainer Siebenbach. Und: „Ich kann das Spiel gar nicht so richtig beschreiben.“ Dennoch war die Analyse der beiden Trainer bei der anschließenden Pressekonferenz einer der stärksten Momente beim Flutlicht-Freitag am Stadionring. Und: Nach zwei Unentschieden zum Saisonstart ist für Ratingen 04/19 sprichwörtlich noch nichts verloren.


