Ratinger Konzertchor: Große Oper in schlichtem Saal

0
3
Operngala des Ratinger Konzertchors, Bild: Alexander Heinz
Operngala des Ratinger Konzertchors, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Die Stadthalle ist kein Opernhaus. Kein Samt, keine Logen, kein festlicher Glanz. Ein nüchterner Saal, sachlich eingerichtet. Nichts an diesem Rahmen ließ ahnen, was die Operngala des Ratinger Konzertchors zum 750-jährigen Stadtjubiläum an diesem Abend bereithielt. Rund 1000 Besucherinnen und Besucher erlebten Musik auf einem Niveau, das man eher in den großen Häusern Europas erwartet. (Bildergalerie am Ende des Artikels)

Ein anderer Maßstab

Wer Opernabende in Wien, Mailand, Paris, London, Berlin oder Bonn kennt, kommt mit gedämpfter Erwartung in die Stadthalle. Er geht mit einem neuen Maßstab. Schon nach wenigen Takten war klar: Hier geschieht etwas Besonderes. Das schlichte Ambiente trat zurück. Die Musik füllte den Raum bis in den letzten Winkel.

Dass dieses Ensemble ehrenamtlich getragen wird, war nicht zu hören. Chor, Solisten und Orchester agierten geschlossen, präzise und mit spürbarer Begeisterung. Der Abend hatte die Wirkung einer professionellen Opernproduktion.

Ein Klangkörper aus einem Guss

Der mehr als 100 Stimmen starke Konzertchor und die Sinfonietta Ratingen traten nicht als Chor mit Begleitung auf. Sie traten als ein Klangkörper auf. Rossini, Verdi, Mascagni, Leoncavallo, Puccini und Bizet lieferten das Programm. Es passte zu einer Jubiläumsgala wie kaum ein anderes.

Die Qualität zeigte sich besonders in den Übergängen. Das Orchester nahm sich zurück, einzelne Instrumentengruppen öffneten den Raum, dann setzte der Chor mit voller Kraft ein. So entstand jene Spannung, die gute Oper ausmacht. Die Stimmen lagen nicht übereinander. Sie waren miteinander verwoben. Auch in den großen Passagen blieb der Chor transparent. Die Einsätze saßen, die Dynamik blieb kontrolliert.

Die bekannten Chorszenen aus Verdis „Nabucco“ und „Il Trovatore“, der Osterchor aus Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ und die großen Momente aus Bizets „Carmen“ zeigten, was ein großer Chor leisten kann, wenn Präzision und Leidenschaft zusammenkommen.

Solisten auf internationalem Niveau

Sopranistin Luiza Fatyol und Tenor Eduardo Aladrén sangen auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Beide hätten auf jeder der großen Opernbühnen bestanden. Sie standen nicht losgelöst vor dem Ensemble. Sie wurden Teil einer sorgfältig gebauten Dramaturgie und gaben ihr zugleich Glanzpunkte.

Gabrisch am Pult und am Mikrofon

Prof. Thomas Gabrisch leitete das Ensemble und moderierte zugleich durch den Abend. Er tat beides mit Ruhe und Übersicht. Am Pult führte er die Klangkörper zusammen, am Mikrofon führte er das Publikum durch das Programm. Einmal mehr zeigte er, welches musikalische Niveau in einer Stadt im Schatten der Landeshauptstadt möglich ist.

Ein aufmerksames Publikum

Die Stadthalle war gut gefüllt und aufmerksam. In den leisen Passagen herrschte große Konzentration. Nach den großen Chorszenen entlud sich die Spannung in begeistertem Applaus.

Zum Schluss erklang „Libiamo“ aus Verdis „La Traviata“. Ein musikalischer Trinkspruch auf die Stadt, auf ihr Jubiläum und auf einen Chor, der diesem Jubiläum einen Abend geschenkt hat, der lange nachklingt.