
(mmm) Demo, Geschäftseröffnung, Warteschlange auf den Bus? Weder noch. Es waren klassische Töne, Barockmusik vor allem, die am Freitagabend (2. Oktober) die Menschen vor das Kunstbüdchen von Dr. Sabine Tünkers auf der Speestraße in Lintorf anlockten. Das Büdchen versteht sich von jeher als Vitrine und Ausstellungsraum für die Kunst mitten im Zentrum von Lintorf – und nun bot das temporäre Apartment auf dem Dach die Bühne für einen kleinen Raum der großen Töne. Mehr noch: Wenn klassische Klänge auf nachbarschaftliche Gemütlichkeit treffen, entsteht ein Stück Magie für alle, die dabei waren. Wie bei dieser ganz besonderen Probe von drei Musikerinnen des Collegium Musicum Ratngen mit Unterstützung der Pianistin Annette Kast-Zahn. Einquartiert im Probenraum auf dem Dach in Lintorfs öffentliches Wohnzimmer, brachte das Quartett barocke Meisterwerke zu Gehör – und verwandelte das „KunstBüdchen“ in einen temporären musikalischen Hotspot.
Kleiner Raum – große Töne
„Die Kombination aus barocker Musik und Straßenverkehr war schrill, aber total klasse. Wir haben das total gerne gemacht und uns über rund 50 Zuhörer sehr gefreut“, zieht Karin Jerutka, die 1. Vorsitzende im Vorstand des Orchesters, zufrieden Bilanz der öffentlichen Probe. Die charmante musikalische Initiative ging auf Walburga Dörrenberg zurück, die beim Richtfest zum Aufbau des Apartments auf dem Dach des Kunstbüdchens den Impuls gab, an diesem unkonventionellen Ort zu musizieren. Umgesetzt wurde das Projekt dann mit Herzblut und Organisationstalent von Karin Jerutka. Das Ergebnis konnte sich sehen und vor allem natürlich hören lassen: Auf dem Programm standen Kompositionen von Bach und Telemann. Getreu dem Motto „Kleiner Raum, große Töne“ erlebten die Gäste ein Kultur-Event der kurzen Wege. Bei Sekt und Chips konnten Jung und Alt an dieser eher ungewöhnlichen Musikprobe teilhaben.
Im Anschluss trafen sich die Musikerinnen und das Publikum auf dem Bürgersteig der Speestraße zum gemeinsamen Austausch. Die generationenübergreifende Mischung des Publikums zeigte, wie verbindend Kultur im Stadtteil sein kann. Die Begeisterung auf der „Kö von Lintorf“ war spürbar, spiegelte sich in den Worten der Gäste wider. Nicht nur Initiatorin Walburga Dörrenberg war begeistert: „Unwirklich in der Situation Bach und Bus, oben und unten, kleiner Raum und große Töne, Barock und Straßenlärm. So eine gute Stimmung.“ Unter den 50 Zuhörerinnen und Zuhörern war auch Detlev Czoske, stellvertretender Bürgermeister in Ratingen. Nicht zuletzt seine Anwesenheit unterstrich die Bedeutung von lokalen Kulturinitiativen für die Gemeinschaft in Ratingen-Lintorf. Jerutka abschließend: „Solche Aktionen machen den Stadtteil lebendig. Lintorf hat, was viele auswärts suchen – Kultur zum Anfassen, starke nachbarschaftliche Gemeinschaft und Momente, die noch lange nachklingen.“



