Kultur ist gelebte Stadt

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Wolfram Brecht , Bild: Privat

Ratingen | Nach der „Stimme der Wirtschaft“ meldet sich nun auch die Kultur zu Wort, und das mit einem bemerkenswert klaren Anspruch. Wolfram Brecht, Vorstandsvorsitzender und -sprecher des Kulturkreises Hösel, macht in einem Schreiben deutlich, dass eine starke Kulturszene für eine Stadt wie Ratingen kein schmückendes Beiwerk ist, sondern ein echter Standortfaktor. Seine Botschaft: Wer nur an Museen, Konzerte oder einzelne Veranstaltungen denkt, greift zu kurz. Kultur ist mehr. Sie ist Lebensqualität, Begegnung, Identifikation und die Möglichkeit, einen Wohnort tatsächlich zum Heimatort werden zu lassen.

Genau darin liegt für Brecht die Stärke Ratingens. Menschen wollen heute nicht nur dort arbeiten, wo die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Sie wollen auch in einem Umfeld leben, das inspiriert, verbindet und Mitgestaltung zulässt. Kultur entsteht dabei nicht erst in großen Häusern oder an wenigen herausgehobenen Terminen. Sie zeigt sich in Vereinen, im Ehrenamt, auf Stadtteilfesten, in privaten Initiativen, im Sport, in Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und in all den Formaten, die Menschen zusammenbringen.

Dazu passt auch ein Satz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der feststellte, Geschichte und Kultur dürften in Museen nicht „als ein getrocknetes Präparat in der Vitrine präsentiert werden“. Gerade dieser Gedanke trifft den Kern dessen, was Brecht beschreibt: Kultur lebt nicht vom Abstellen und Vorzeigen, sondern vom Mitmachen, Weitertragen und Erleben.

Ratingen habe hier, so der Tenor des Schreibens, in allen Stadtteilen viel zu bieten. Brecht verweist auf die Vielzahl engagierter Akteure, auf Kooperationen zwischen Kulturschaffenden und auf gelungene Beispiele aus den Quartieren, etwa das Kunstbüdchen in Lintorf. Besonders das Jubiläumsjahr zum 750-jährigen Bestehen der Stadt mache sichtbar, welche Potenziale in Ratingen stecken und wie groß die Bereitschaft ist, andere für die Stadt und ihre Region zu begeistern.

Für Brecht ist das nicht nur kulturell bedeutsam, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich. Eine Stadt, die ein starkes kulturelles Eigenleben entwickelt, wird attraktiver für Familien, Fachkräfte und alle, die mehr suchen als einen funktionierenden Arbeitsplatz. Sein Fazit ist deshalb eindeutig: Ratingen hat ein starkes Pfund in der Hand. Die kulturelle Vielfalt der Stadt wirkt als Anziehungskraft weit über die Stadtgrenzen hinaus. Oder anders gesagt: In Ratingen zu arbeiten und zu leben, das ist attraktiv.