Was lange währt wird hoffentlich noch in diesem Jahr fertig

0
3
Von außen ist noch nicht viel von dem Ende der Bauarbeiten zu erkennen, Stadttheater und Sporthalle. Bild: Alexander Heinz
Von außen ist noch nicht viel von dem Ende der Bauarbeiten zu erkennen, Stadttheater und Sporthalle. Bild: Alexander Heinz

Seit über drei Jahren warten Vereine, Schulen, Kulturfreunde und Sportler auf die Wiedereröffnung des Gebäudekomplexes am Europaring. Die Geschichte einer Baustelle, die immer wieder neue Überraschungen bereithielt.

Ratingen | Es war eigentlich eine gute Nachricht: Im April 2023 schloss das Stadttheater am Europaring seine Türen für eine umfassende Kernsanierung. Geplant war das Vorhaben als Investition in die Zukunft – neues Foyer, bessere Akustik, vollständige Barrierefreiheit, Photovoltaik auf dem Dach, Anschluss an das Fernwärmenetz. Auch die baulich verbundene Sporthalle sollte im gleichen Zug modernisiert werden. Im Dezember 2023 berichtete die Stadt noch zuversichtlich: Die Wiedereröffnung sei für März 2025 geplant.

Daraus wurde bekanntlich nichts.

Von Termin zu Termin

Was ursprünglich als ambitioniertes, aber überschaubares Sanierungsprojekt begann, entpuppte sich im Laufe der Bauphase als deutlich komplexeres Vorhaben. Gebäudeschadstoffe mussten aufwendig saniert werden, Brandschutzauflagen erforderten Nachgenehmigungen, und die enge technische Verflechtung zwischen Theater und Sporthalle sorgte dafür, dass Verzögerungen in einem Bereich automatisch den anderen betrafen. Hinzu kam die Insolvenz eines beteiligten Unternehmens, die weitere Abläufe ins Stocken brachte.

Dann hieß es: August/September 2024. Dann: Herbst 2025. Im Februar 2026 teilte die Verwaltung mit, die Sporthalle werde „in wenigen Wochen” wieder zur Verfügung stehen. Auch das erwies sich als zu optimistisch. Wer die Entwicklung dieser Baustelle über die vergangenen Jahre verfolgt hat, wird künftigen Ankündigungen mit einer gewissen Gelassenheit begegnen – und den tatsächlichen Nutzungsbeginn wohl erst dann als gegeben betrachten, wenn er tatsächlich vorliegt.

Im August 2025 hatte die Stadt die Reißleine gezogen und die Baumaßnahme der Stabsstelle für Sonderaufgaben Hochbau übertragen – eine Einheit, die nach eigener Darstellung die Abläufe nun straff steuert. Bürgermeister Patrick Anders dankte dem städtischen Hochbauamt ausdrücklich dafür, die komplexen Arbeiten unter Hochdruck voranzutreiben.

Wo es jetzt steht

Laut aktuellem Stand konnte die Sporthalle bautechnisch weitgehend fertiggestellt werden. Um eine möglichst zeitnahe Nutzung zu ermöglichen, wird die Halle zunächst unter Inkaufnahme finaler Provisorien in Betrieb gehen – der Eingangsbereich bleibt vorerst Baustelle, da die Arbeiten am angrenzenden Theater noch andauern. Das Sportamt hat die Zusage erhalten, dass die Halle mit den notwendigen Sportgeräten ausgestattet wird. Angestrebt wird eine Aufnahme des Schulbetriebs zum Beginn des neuen Schuljahres Anfang August – ein Ziel, das man mit Vorsicht zur Kenntnis nehmen darf.

Für das Theater selbst lautet die Ansage: Spielzeit 2026/27, also Herbst dieses Jahres. Der Bau- und Vergabeausschuss wird regelmäßig über den Fortschritt informiert. Eine belastbare Fertigstellungsprognose, so heißt es offiziell, werde derzeit erarbeitet. Man darf gespannt sein.

Drei Jahre, viele Ausweichspielstätten, ein großes Versprechen

Für Vereine, Schulen und Kulturschaffende war die lange Schließung eine echte Belastung. Sportvereine, Schulklassen und Freizeitsportler mussten sich über Jahre mit Ausweichlösungen arrangieren. Das Kulturamt behalf sich mit Veranstaltungen in der Stadthalle, im Medienzentrum, im Freizeithaus West, im Ferdinand-Trimborn-Saal und in der Lintorfer Manege – ein kreativer Umweg, der das kulturelle Leben zwar am Laufen hielt, aber das Original nicht ersetzen konnte.

Was nach der Sanierung wartet, dürfte die lange Durststrecke rechtfertigen: ein energetisch modernisiertes Theater mit verbesserter Akustik, barrierefreiem Zugang und neuem Foyer sowie eine Sporthalle mit Grünfassade an der Südseite. Ratingen bekommt seinen kulturellen und sportlichen Mittelpunkt am Europaring zurück. Wann genau – das wird die Zeit zeigen.