Von der Nachkriegsnot zur blühenden Oase: KGV Schützenburg wird 80

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Aus Ackerland wurden Kleingärten, Bild: Nestocom
Aus Ackerland wurden Kleingärten, Bild: Nestocom

Ratingen | Am 11. August 1946 trafen sich einige Garteninteressierte im Lokal „Mutter Schmitz“, um einen Verein zu gründen. Was damals in der Not der Nachkriegszeit begann, feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag: der Kleingartenverein Schützenburg. Am 18. und 19. Juli sind Mitglieder und Gäste herzlich zum Jubiläumsfest eingeladen.

Aus Ackerland wurde eine Gartenanlage

Die Stadt hatte damals ein 4,8 Hektar großes Gelände an der Schützenburg zur Verfügung gestellt. Nach ersten Planungen sollten dort 85 Gärten mit breiten Wegen entstehen. Da nach dem Krieg jedoch der Anbau von Obst und Gemüse im Vordergrund stand, wurden stattdessen 106 Gärten mit Größen von 300 bis 475 Quadratmetern angelegt. Am 1. Oktober 1946 wurde das heutige Gartengelände als Ackerland übernommen.

Eigenarbeit und bewaffneter Schutz

Die Vorbereitung des Geländes erforderte großen Aufwand. Nicht nur die Umzäunung und die Wasserversorgung mussten in Eigenarbeit erfolgen, selbst der Mutterboden musste erst herbeigeschafft werden. Wegen der schlechten Versorgungslage der Bevölkerung war in den Anfangsjahren zeitweise sogar ein bewaffneter Schutz der Gärten erforderlich. Jedes Stück Land wurde für die Produktion von Lebensmitteln genutzt.

Vorreiter beim Umweltschutz

Im Jahr 1983 wurde dem Verein der Umweltschutzpreis der Stadt Ratingen verliehen. Als erster Gartenverein in Ratingen war man dazu übergegangen, konsequent auf Pestizide zu verzichten und durch gezielte Fachberatung die Kleingärtner zum schonenden Umgang mit der Natur anzuhalten. Größte Sorge bereitet seit 25 Jahren allerdings immer noch der mögliche Bau einer Umgehungsstraße. Die Planung sieht vor, etliche Gärten dem Straßenneubau zu opfern.

Von Grundnahrungsmitteln zu seltenen Sorten

Heute umfasst der Verein über 100 aktive und Fördermitglieder aus mehr als zehn Nationen. Die Anlage wird nach wie vor kleingärtnerisch bewirtschaftet, Obst- und Gemüseanbau für den Eigenbedarf steht weiterhin im Vordergrund. Allerdings hat sich der Fokus verschoben: Wichtig sind für viele Gartenpächter nicht mehr in erster Linie Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, sondern zunehmend besondere, biologisch angebaute seltene Sorten, etwa spezielle Tomaten, aromatische Erdbeeren und Feigen.

Auch der Insektenschutz nimmt einen wichtigen Platz in den Kleingärten ein. Durch die Anpflanzung von bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen kommt nicht nur das Auge auf seine Kosten. Letztendlich ist ein Spaziergang durch die blühende Gartenanlage für viele Bürger eine willkommene Entspannung.

Zwei Tage Jubiläumsfest

Aus Anlass des 80. Jahrestages der Gründung sind nun am 18. und 19. Juli Mitglieder und Gäste herzlich zum Jubiläumsfest eingeladen, welches im Vereinshaus und bei gutem Wetter auch auf dem Vorplatz stattfindet. Am 18. Juli gibt es eine Party am Sommerhaus, am Sonntag, den 19. Juli, findet ein großer Tag der offenen Tür statt. Für die Gärtner von morgen kommt am Sonntag das Spielmobil. An beiden Tagen sorgt ein breit gestreutes Musikprogramm für Stimmung. Und natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt, wie üblich zu sehr zivilen Preisen.