Ratingen (FG) | Die Stadthalle weist augenfällige Mängel auf. Wer sein Fahrzeug unter dem Gebäude parkt, kommt nicht um einen zweifelnden Blick auf die Bausubstanz umhin, jedenfalls dann nicht, wenn man neben Baustützen aus Stahl steht, die der statischen Stabilisierung dienen. Viel gravierender würden sich jedoch Baumängel am Spannbetondach der Stadthalle auswirken. Die an vorgespannten Stahltrossen aufgehängte Stahlbetondecke muss die gesamte Gebäudefläche ohne Stützpfeiler überwinden, damit der freie Blick von allen Seiten ohne störende Stützpfeiler möglich ist. Heutzutage ist diese Baukunst in viel größerer Dimension in der Elbphilharmonie zu bewundern. Schon vor fünfzig Jahren bewiesen die Ratinger aber Pioniergeist, als sie auf diese Bautechnik setzten.
Kein Materialverschleiß am Dach der Stadthalle zu erkennen
Die Fachleute des Hochbauamtes kennen natürlich die Risiken einer Spannbetondecke: Feuer von unten, Schneelast von oben, Materialverschleiß von innen. Sie haben ein Argusauge darauf, dass ständige betriebliche und bauliche Vorsorgen eingehalten werden: Brandwachen bei größeren Veranstaltungen, im Winter Schnee vom Dach räumen, regelmäßige Sicht- und Belastbarkeitsprüfungen. Der Einsturz einer weitgespannten Tragdecke durch Schneelast wie vor 20 Jahren in Bad Reichenhall ist in der Fachwelt ein bleibendes Mahnmal, und der Schwachpunkt bei Brandereignissen ist im vorbeugenden Brandschutz sowieso bekannt. Die Besucherinnen und Besucher in Ratingen können also auf die Fachkunde der Baufachleute vertrauen, bei denen die Sicherheit großgeschrieben wird. Was aber auch die besten und vorsorglichsten Baufachleute letztlich nicht verhindern können, ist der Materialverschleiß im Laufe der Jahre.
Raumangebot der Stadthalle genügt heutigen Bedarfen nicht mehr
Erst recht genügt das Raumangebot der Ratinger Stadthalle nicht mehr den heutigen Ansprüchen der Nutzer, und die Stellplätze in einer Halbtiefgarage würde heute wohl auch niemand mehr so bauen. Diese Probleme sind aber in Ratingen seit Jahren bestens bekannt. FDP und CDU haben das in der letzten Wahlzeit immer wieder auf die Tagesordnung des Stadtrates gesetzt. Ihre Anträge, Finanzmittel für eine Neuplanung in den Haushalt einzustellen, wurden aber jahrelang von der damaligen Mehrheit von Bündnis 90/Die Grünen und Bürger Union gemeinsam mit der SPD vehement abgeschmettert. Umso erstaunlicher ist die abrupte Kehrtwende von Bündnis 90/Die Grünen, auf deren neuen Vorstoß in die Gegenrichtung jetzt auch Rainer Vogt für die Bürger Union aufspringt.
Zentraler Standort der Stadthalle wichtig
Wie dem auch sei, populistische Kehrtwendungen kennt man in der Politik inzwischen beinahe täglich. Die sehr späte Einsicht macht die Erkenntnis ja nicht falsch. Richtig und wichtig ist dabei nicht nur der Blick auf die in die Jahre gekommene Bausubstanz. Nur mit einem Neubau kann die Funktionalität der Stadthalle den heutigen Anforderungen gerecht werden. Bis es so weit ist, werden aber noch viele Jahre vergehen. Wichtig ist vor allem auch ein gut geeigneter, zentraler Standort. Dafür wurde vor Jahren das Nachbargrundstück an der Hans-Böckler-Straße gekauft, das Gebäude abgerissen und ein provisorischer Parkplatz geschaffen. Ob diese Fläche zusammen mit der nur künstlich angelegten Teichfläche ausreicht? Das und vieles mehr gilt es mit Weitsicht zu untersuchen, damit den Bürgerinnen und Bürgern eine jahrelange Hängepartie wie beim benachbarten Stadttheater erspart bleibt.





