Ratingen soll Verkehrsplanung neu denken: Bürger-Union will Gesamtkonzept

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Der Düsseldorfer Platz in Ratingen als Schnittpunkt aller Verkehrsstränge, Bild: Nestocom
Der Düsseldorfer Platz in Ratingen als Schnittpunkt aller Verkehrsstränge, Bild: Nestocom

Ratingen | Radweg hier, neue Ampelschaltung dort, Parkraumregelung an anderer Stelle: Nach Ansicht der Bürger-Union reicht dieser Ansatz künftig nicht mehr aus.

Die Fraktion fordert ein gesamtstädtisches, verkehrsträgerübergreifendes Konzept. Es soll Auto-, Rad- und Fußverkehr ebenso einbeziehen wie ÖPNV, Parken sowie Liefer- und Wirtschaftsverkehr. Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit und Klimaschutz sollen von Beginn an mitgedacht werden.

Die Bürger-Union hat dazu einen Prüfauftrag für die politischen Beratungen eingebracht.

Kritik an Einzelprojekten

Fraktionsvorsitzender Rainer Vogt kritisiert, dass Straßen, Kreuzungen, Radwege und Wegeverbindungen bislang zu häufig als Einzelprojekte betrachtet würden. Ziel müsse stattdessen ein Netz sein, in dem die verschiedenen Verkehrsarten und ihre Anschlüsse aufeinander abgestimmt sind.

Neu ist die Beschäftigung mit übergeordneten Verkehrsfragen in Ratingen allerdings nicht. Die Stadt verfügt im Amt für Stadtplanung über eine eigene Abteilung Verkehrsplanung. Auch Radvorrangrouten und der Ausbau des Radwegenetzes standen bereits mehrfach auf der politischen Tagesordnung. 2024 etwa beriet der Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität über eine Bedarfsplanung für Radvorrangrouten und Radwege. Entscheidend wäre vor allem, die vorhandenen Planungen stärker unter einem gemeinsamen strategischen Dach zusammenzuführen.

Vorbilder aus den Niederlanden

Als Vorbilder nennt die Bürger-Union die niederländischen Städte Houten und Utrecht. In Houten wird der Autoverkehr gezielt über eine äußere Ringstraße geführt. Direkte Autoverbindungen zwischen einzelnen Wohnquartieren sind stark eingeschränkt, während Rad- und Fußwege ein engmaschiges Netz bilden.

Utrecht verfolgt mit seinem „Mobiliteitsplan 2040“ einen ähnlich langfristigen Ansatz und priorisiert flächensparende Verkehrsmittel wie Fußverkehr, Fahrrad und öffentlichen Nahverkehr. Verkehrsmodelle und regelmäßige Zählungen helfen dort, die Auswirkungen von Maßnahmen und neuen Baugebieten frühzeitig abzuschätzen.

Die Bürger-Union betont, dass sich diese Modelle nicht einfach auf Ratingen übertragen ließen. Es gehe vielmehr um das Prinzip der langfristigen Netzplanung. Ratsmitglied Edgar Mählmann spricht sich für einen „funktionierenden Gesamtplan“ anstelle vieler Einzelentscheidungen aus.

Beteiligung und Zeitplan

Vorgesehen ist eine frühzeitige Beteiligung von Bürgern, Vereinen, Wirtschaft und Politik. Die Verwaltung soll einen Zeit- und Finanzierungsrahmen erarbeiten, der bereits in die Haushaltsberatungen für 2027 einfließen könnte. Am Ende, so Vogt, solle ein verbindliches Konzept mit klaren Prioritäten stehen.

Für Ratingen liegt darin der mögliche Mehrwert: weniger Einzelplanung, dafür ein klarer Blick auf die Folgen jeder Maßnahme für das gesamte Verkehrsnetz der Stadt.