Übung macht den Meister: Feuerwehr probt Großeinsatz in der Innenstadt

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Übung der Feuerwehr Ratingen am 15.September 2026, Bild: Alexander Heinz
Übung der Feuerwehr Ratingen am 15.September 2026, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Blaulicht vor dem Rathaus, Feuerwehrfahrzeuge auf der Oberstraße, dichter Rauch über der Altstadt. Am Dienstagabend probte die Ratinger Feuerwehr den Ernstfall – mitten in der Innenstadt. Was für Passanten wie ein echter Einsatz wirkte, war eine Großübung. Der Hintergrund war ernst: Im wirklichen Einsatz gibt es keine zweite Chance. (Bildergalerie am Ende des Artikels)

Alarm mitten in der Stadt

Ratingen. Blaulicht vor dem Rathaus, Feuerwehrfahrzeuge auf der Oberstraße, dichter Rauch über der Altstadt. Am Dienstagabend probte die Ratinger Feuerwehr den Ernstfall – mitten in der Innenstadt. Was für Passanten wie ein echter Einsatz wirkte, war eine Großübung. Der Hintergrund war ernst: Im wirklichen Einsatz gibt es keine zweite Chance.

Die Feuerwehr hatte die Übung im Vorfeld angekündigt. Ab 19.30 Uhr trainierten die Kräfte rund um Marktplatz und Innenstadt unter möglichst realistischen Bedingungen. Ziel war es, Einsatzabläufe zu optimieren und das Zusammenwirken der beteiligten Kräfte zu erproben. Rauch, Einsatzgeräusche und kurzzeitige Behinderungen gehörten ausdrücklich zum Konzept.

Großbrand in St. Peter und Paul

Den eindrucksvollsten Teil der Übung bildete St. Peter und Paul. Angenommen wurde ein Brand in Ratingens größter Kirche. Das Szenario ging weit über das Löschen eines Feuers hinaus. Während die Einsatzkräfte die Brandbekämpfung vorbereiteten, mussten sie parallel retten, was bei einem echten Kirchenbrand unwiederbringlich verloren wäre: Kunst- und Kulturgüter aus dem Inneren des Gotteshauses. Die Kräfte bargen sie und brachten sie ins nahe gelegene Pfarrhaus am Gemeindezentrum.

Ein Stück Stadtgeschichte auf dem Spiel

Gerade an einem Gebäude wie St. Peter und Paul zeigt sich, wie komplex ein solcher Einsatz wäre. Die Pfarrkirche zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Ratingens. Ihre Ursprünge reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, Teile des heutigen Kirchenbaus entstanden im 13. Jahrhundert. Im Brandfall stünden also nicht nur Menschen und Gebäude auf dem Spiel, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte.

Übung an mehreren Stellen zugleich

Parallel übten Kräfte an weiteren Stellen der Innenstadt. Vor dem Rathaus und im Bereich der Oberstraße arbeiteten sie einzelne Aufgaben ab: Fahrzeugaufstellung, Wasserversorgung, Funkverkehr, Führungsstrukturen, Atemschutzeinsatz, Wege durch unbekannte Gebäude. Theoretisch lässt sich vieles davon lernen. Echte Routine entsteht jedoch erst, wenn Einsatzkräfte unter Zeitdruck entscheiden und als Mannschaft funktionieren müssen.

Haupt- und Ehrenamt im Zusammenspiel

In Ratingen bedeutet „Mannschaft“ das Zusammenspiel von Berufsfeuerwehr und Ehrenamt. Seit 2008 besteht die Feuerwehr aus der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr mit acht Löschzügen. Die Berufsfeuerwehr hält mit zwei Wachen permanent Kräfte vor. Die ehrenamtlichen Einheiten in Mitte und den Stadtteilen ergänzen diese Struktur und rücken je nach Lage eigenständig oder gemeinsam mit den hauptamtlichen Kollegen aus. Feuerwehrchef Markus Feier nennt den kontinuierlichen Austausch zwischen Haupt- und Ehrenamt einen zentralen Bestandteil leistungsfähiger Feuerwehrarbeit.

Ausbildung neben Beruf und Familie

Dieses Zusammenspiel muss geübt werden – und das bedeutet für die Beteiligten mehr, als es zunächst klingt. Für die Berufsfeuerwehr gehört Ausbildung zum Dienst. Ehrenamtliche Feuerwehrleute absolvieren Übungen und Fortbildungen zusätzlich zu Beruf, Familie und Alltag, häufig abends oder am Wochenende. Die Feuerwehr Ratingen weist darauf hin, dass Grundausbildung und zahlreiche Fortbildungen der Freiwilligen Feuerwehr überwiegend an Wochenenden stattfinden.

Vorbereitung, bevor die Sirene ertönt

Die wichtigste Erkenntnis des Abends: Feuerwehr ist nicht erst dann da, wenn die Sirene ertönt. Die Arbeit beginnt lange vorher – mit Ausbildung, Ortskenntnis, Technik und wiederholten Handgriffen, für Szenarien, von denen alle hoffen, dass sie nie Wirklichkeit werden. Übung macht den Meister ist bei der Feuerwehr deshalb mehr als ein Sprichwort. Sie schafft die Routine, die im Ernstfall Sekunden spart. Sie deckt Schwachstellen auf, bevor sie Folgen haben. Und sie macht aus einzelnen Kräften eine Einheit, die schnell und sicher helfen kann.

Dank an die Einsatzkräfte

Dafür gebührt beiden Seiten Anerkennung: den hauptberuflichen Kräften ebenso wie den Frauen und Männern, die diesen Dienst freiwillig übernehmen. Während andere ihren Feierabend verbringen, bereiten sie sich auf Situationen vor, in denen die Bevölkerung darauf angewiesen ist, dass jeder Handgriff sitzt. Nach einer Übung wie der am Dienstagabend darf man dafür ruhig Danke sagen: dafür, dass sie trainieren, bevor die Hilfe gebraucht wird. Und dafür, dass sie dann dort stehen, wo die Feuerwehr seit jeher hingehört – an der Seite der Menschen.