Nach Anschlag auf Gedenktafel: Stiftung Haus Oberschlesien und Kulturverein Schalom stehen zusammen

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Gemeinsamer Besuch der Stiftung Haus Oberschlesien und des Jüdischen Kulturvereins Schalom anfang des Jahres in Polen, Bild: Alexander Heinz
Gemeinsamer Besuch der Stiftung Haus Oberschlesien und des Jüdischen Kulturvereins Schalom anfang des Jahres in Polen, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | In der Nacht zum Sonntag, den 20. September, ist die Gedenktafel für die ehemalige Synagoge in Ratingen beschädigt worden. Der Vorfall ereignete sich gegen 5.30 Uhr. Die Polizei ermittelt. Die Stiftung Haus Oberschlesien hat mit Bestürzung und Empörung reagiert.

Stiftung spricht von antisemitischem Angriff

„Wer eine Gedenktafel für eine Synagoge beschädigt, greift nicht nur ein Denkmal an, sondern die Erinnerung an die jüdischen Ratingerinnen und Ratinger, die entrechtet, vertrieben und ermordet wurden – und damit das jüdische Leben in unserer Stadt heute“, erklärt Sebastian Wladarz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Haus Oberschlesien. „Das ist ein antisemitischer Angriff auf unsere gemeinsame Erinnerungskultur. Wir verurteilen ihn aufs Schärfste und erwarten, dass die Tat konsequent aufgeklärt wird.“

Enge Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Schalom

Die Stiftung trägt in Ratingen-Hösel das Oberschlesische Landesmuseum. Sie arbeitet eng mit dem Jüdischen Kulturverein Schalom Ratingen zusammen. Im Frühjahr reisten Sebastian Wladarz und Vereinsvorsitzender Vlad Ilstein gemeinsam nach Oppeln, Gleiwitz, Beuthen und Kattowitz. Die Reise stand unter dem Titel „Auf den Spuren von Leo Baeck und des jüdischen Erbes in Oberschlesien“. Beide kamen dabei mit jüdischen Gemeinden, Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen ins Gespräch. Im Anschluss besuchten mehr als 25 Vereinsmitglieder das Oberschlesische Landesmuseum. Die Begegnung machte deutlich, wie eng jüdisches, deutsches und polnisches Leben in Oberschlesien über Generationen miteinander verflochten war – und wie sehr diese Geschichte durch Nationalsozialismus, Krieg und Vertreibung zerrissen wurde.

Geschichte als Verantwortung

„Gerade Oberschlesien zeigt, wohin Hass führt: Die Region, in der jüdische Familien Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft über Jahrhunderte geprägt haben, wurde zum Ort der Entrechtung und Vernichtung“, so Wladarz. „Aus dieser Geschichte erwächst für uns eine klare Verantwortung. Die Antwort auf diesen Angriff kann nur sein, jetzt erst recht zusammenzustehen.“

Kooperation wird ausgebaut

Die Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Schalom wird weiter ausgebaut. Geplant sind unter anderem Konzert- und Podiumsveranstaltungen im Oktogon der Stiftung sowie Projekte der historisch-politischen Bildung gemeinsam mit Partnern in Oberschlesien. Zudem soll die Kooperation auf eine formelle, institutionelle Grundlage gestellt werden.

„Erinnerung lässt sich nicht beschädigen“

„Erinnerung lässt sich nicht beschädigen, wenn viele sie tragen“, schließt Wladarz. „Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger – heute und in Zukunft. Wir haben aus Oberschlesien symbolisch Steine mitgebracht, um hier etwas aufzubauen. Davon lassen wir uns nicht abhalten.“