Ratingen/Velbert | Die Stadtwerke Ratingen und die Stadtwerke Velbert wollen ihre Netze künftig aus einer gemeinsamen Leitstelle führen. Die Rheinisch-Bergische Verbundleitstelle soll Investitionen senken, Fachwissen sichern und die Versorgung in beiden Städten stärken. Die Grundsatzentscheidungen sind gefallen. Jetzt schaffen beide Unternehmen die organisatorischen, personellen und technischen Voraussetzungen.
Eine Leitstelle ist das Herzstück der Netzführung. Von hier aus überwachen und steuern Fachleute die Energienetze rund um die Uhr. Sie erkennen Störungen und koordinieren die Entstörung.
Gemeinsame Gesellschaft, getrennte Verantwortung
Bislang betreiben beide Stadtwerke eigene Netzleitstellen im 24-Stunden-Betrieb. Künftig übernimmt eine gemeinsame Gesellschaft die Netzführung als Dienstleistung. Die Verantwortung für die Netze bleibt bei den jeweiligen Stadtwerken.
Hintergrund sind wachsende Anforderungen. Energiewende, Digitalisierung und zusätzliche regulatorische Aufgaben verändern die Arbeit in den Leitstellen. Statt ihre Strukturen getrennt weiterzuentwickeln, setzen beide Unternehmen auf Zusammenarbeit.
„Kooperationen gewinnen für kommunale Versorgungsunternehmen zunehmend an Bedeutung“, sagt Jens Schmidt, Geschäftsführer der Stadtwerke Ratingen. Sie ermöglichten es, Know-how zu bündeln und Ressourcen effizient einzusetzen. Die Lösung komme beiden Partnern zugute und stärke die Versorgungssicherheit in der Region.
Kosten teilen, Doppelstrukturen abbauen
Leitstellentechnik, Digitalisierung und IT-Sicherheit erfordern laufende Investitionen. Gemeinsam genutzte Infrastruktur und abgestimmte Prozesse sollen Doppelstrukturen vermeiden. Auch bei Beschaffung und Betrieb erwarten die Partner Einsparungen. Ein zentraler Baustein ist ein gemeinsames Netzleitsystem. Die Ausschreibung wird bereits vorbereitet.
„Kostensynergien durch gemeinsam genutzte Ressourcen werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für die Zukunft der Stadtwerke“, sagt Tobias Grau, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Velbert. Ein gemeinsamer Betrieb mache Investitionen und laufende Ausgaben effizienter.
Mehr Schultern für Schicht und Rufbereitschaft
Die Netzführer beider Unternehmen kennen ihre Versorgungsgebiete im Detail. Schrittweise sollen sie auch das jeweils andere Netz kennenlernen. Durch die Bündelung verteilen sich Schicht- und Rufbereitschaftsdienste auf mehr Mitarbeitende. Das soll die Belastung senken und die Arbeitsplätze attraktiver machen. Beide Stadtwerke wollen so Personal halten und neue Fachkräfte gewinnen.
„Wir bündeln nicht nur Technik, sondern vor allem Kompetenz“, sagt Marc Zimmermann-Hooge, bei den Stadtwerken Ratingen verantwortlich für die Netze. Das Wissen der Mitarbeitenden über die Netze sei für eine zuverlässige Versorgung unverzichtbar. Die Zusammenarbeit biete die Chance, voneinander zu lernen und eine gemeinsame Wissensbasis aufzubauen.
Saša Vasković, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Velbert, betont die wachsende Komplexität der Infrastruktur: „Je komplexer die Infrastruktur wird, desto wichtiger wird eine starke Netzführung.“ Die gemeinsame Leitstelle solle Störungen schnell erkennbar machen und die Gegenmaßnahmen koordinieren.
Gründung für 2027 geplant
Nach der Freigabe durch die Räte beider Städte folgt die Gründung der gemeinsamen Netzführungsgesellschaft. Sie ist für das kommende Jahr vorgesehen. Beide Stadtwerke halten je 50 Prozent der Anteile. Wesentliche Entscheidungen fallen einstimmig.
Der gemeinsame Betrieb entsteht schrittweise. Aufgaben wandern erst dann in die Verbundleitstelle, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Die Erfahrungen könnten später auch anderen kommunalen Netzbetreibern als Vorbild dienen.




