Fluglärm in Hösel: Wahrnehmung ist kein Beweis

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Airbus 380 auf dem Rollfeld am Düsseldorfer Flughafen, Bild: Flughafen DUS
Airbus 380 auf dem Rollfeld am Düsseldorfer Flughafen, Bild: Flughafen DUS

Ratingen-Hösel | Ein Airbus A380 über Hösel, der aus Sicht eines Anwohners ungewöhnlich nah über die Häuser flog, hat erneut eine Diskussion über Flugrouten und Fluglärm ausgelöst. Doch Gespräche mit Bewohnern aus Alt-Hösel, dem Umfeld des Bahnhofs und den Wohngebieten nahe der A3 zeichnen ein differenzierteres Bild: Fluglärm werde durchaus wahrgenommen, sei für viele aber längst nicht mehr das große Problem früherer Jahrzehnte.

Erinnerung an lautere Zeiten

Gerade langjährige Einwohner erinnern sich an Zeiten, in denen einzelne Starts erheblich lauter gewesen seien. „Ich wohne seit 55 Jahren in Hösel und kann mich noch gut an andere Zeiten erinnern”, berichtet ein Bewohner der Bahnhofstraße. Verglichen mit Lintorf oder Tiefenbroich klage man in Hösel heute „auf hohem Niveau”.

Technik hat Lärm reduziert

Für die Veränderung gibt es technische Erklärungen. Moderne Triebwerke und strengere Lärmstandards haben die Geräuschentwicklung neuer Flugzeuge reduziert. Auch lärmmindernde Abflugverfahren können beeinflussen, in welcher Höhe und mit welcher Triebwerksleistung bestimmte Gebiete überflogen werden. Möglich sind zudem Starts mit reduziertem oder vorab begrenztem Schub, sofern Gewicht, Wetter, Startbahnlänge und Sicherheitsreserven dies zulassen. Das bedeutet allerdings nicht, dass am Flughafen Düsseldorf pauschal jeder Start mit möglichst geringem Schub erfolgt. Die konkrete Leistung wird für jeden Flug nach den jeweiligen Betriebsbedingungen berechnet.

Der Flughafen Düsseldorf führt den langfristigen Rückgang beziehungsweise die Stabilisierung der Lärmbelastung trotz steigender Flugbewegungen vor allem auf modernere Triebwerke und den verstärkten Einsatz lärmärmerer Maschinen zurück. Auch internationale Lärmstandards sollen gewährleisten, dass technische Fortschritte tatsächlich in neu zugelassene Flugzeugtypen einfließen.

Der A380 täuscht das Auge

Mehrere Befragte berichteten von Schwierigkeiten, Höhe, Entfernung und Geschwindigkeit eines A380 vom Boden aus richtig einzuschätzen. „Durch die Größe erscheint das Flugzeug wesentlich näher, als es tatsächlich ist”, schildert eine Bewohnerin aus Alt-Hösel. Zudem wirke der Flug so langsam, dass beinahe der Eindruck entstehe, die Maschine könne nicht in der Luft bleiben.

Aber diese Wahrnehmung erklärt nicht, ob ein Flugweg regelkonform war. Dafür sind Radardaten, Positionsaufzeichnungen und die festgelegten Flugerwartungsgebiete maßgeblich – nicht der Eindruck vom Garten, Balkon oder Straßenrand.

Technische Auswertung bestätigt Regelkonformität

Im konkreten Fall überprüfte die Deutsche Flugsicherung den Emirates-Abflug vom 16. Juli um 16.13 Uhr mit ihrem Analysesystem FANOMOS. Nach ihrer Auswertung hielt sich der Airbus nahezu genau an die Ideallinie der Abflugroute DODEN7Z. Auch die Bürgerinitiative Bürger gegen Fluglärm kam anhand unabhängiger Daten von Flightradar24 zu dem Ergebnis, dass kein Hinweis auf eine relevante Abweichung vorliegt.

Damit ist die Behauptung, das Flugzeug habe den vorgesehenen Korridor verlassen, technisch nicht belegt. Das Flugerwartungsgebiet ist zudem breiter als die eingezeichnete Ideallinie. Ein Flugzeug muss deshalb nicht wie auf einer Schiene exakt über derselben Linie fliegen, um regelkonform unterwegs zu sein.

Wetter kann Flugwege beeinflussen

Dass es gleichwohl seltene und auffällige Situationen geben kann, bestreiten auch die befragten Höseler nicht. Ein Anwohner aus der Straße An der Hasper erinnert sich an einen landenden Jet, der ungewöhnlich nah über sein Haus geflogen sei. Gleichzeitig habe sich auf dem sonst üblichen Anflugweg eine massive Gewitterformation befunden. Solche Wetterlagen können aus Sicherheitsgründen Kursänderungen oder Anweisungen der Flugsicherung erforderlich machen.

Auch Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen, wie Schall am Boden wahrgenommen wird. Ein ungewöhnlich lauter Überflug muss deshalb nicht zwangsläufig auf eine veränderte Route oder einen Regelverstoß zurückzuführen sein.

Wahrnehmung bleibt subjektiv

„Die Zeiten, in denen ich wegen eines startenden Flugzeugs die Autobahn nicht mehr hören konnte, sind lange vorbei”, meint eine Bewohnerin nahe der Waldklinik. Flug- und Autobahnlärm seien heute für sie erträglich. Ihr trockenes Fazit: „Wohnen in Hösel ist außer bei Regen wunderbar.”

Das ist eine persönliche Einschätzung – ebenso wie die Wahrnehmung eines Flugzeugs als besonders niedrig, laut oder bedrohlich. Solche Eindrücke müssen ernst genommen werden. Sie können Anlass für eine technische Prüfung sein. Richtschnur für die Frage, ob Flugregeln eingehalten wurden, können sie jedoch nicht sein. Entscheidend bleiben überprüfbare Flugdaten.