
(mmm) Draußen sind es erneut über 30 Grad, drinnen indes, in einem für die Kunden und Besucher optisch noch nicht sichtbaren Bereich, wird bei „Schley’s“ an der Kölner Straße bereits die große Weihnachtsausstellung vorbereitet, leuchten probeweise sogar schon die ersten Christbäume. „Weihnachten ist für uns organisatorisch mit Messebesuchen, Orders und Planung fast ganzjährig ein Thema“, erzählt Nils Schley, der aus einer Familie mit acht Generationen gärtnerischer Tradition stammt. Und: „Ich bin der einzige im Unternehmen, der sein Leben lang hier verbracht hat“, schmunzelt der 48-Jährige, der 2006 in das elterliche Unternehmen (nach einem BWL-Studium in Münster und als Bereichsleiter bei Aldi-Süd) eingestiegen ist und es 2011 übernommen hat.
Damit ist Nils Schley – in und um Ratingen herum hat der Familienname längst den Status einer eigenen Marke – in die Fußstapfen seiner Eltern getreten, die einst das Geschäft aus kleinsten Anfängen heraus aufgebaut und zu sprichwörtlich großer Blüte in Ratingen mit rund 8.000 Quadratmetern Fläche und einer Dependance in Mettmann gebracht haben. (Insgesamt gibt es in der Region sechs Blumenparadiese unter dem Namen Schley‘s, die aber unabhängig und wirtschaftlich getrennt voneinander von Angehörigen der Familie geführt werden.)
Ein Ort für alle Sinne
Das Unternehmer-Gen war bei Nils Schley, der in Ratingen aufgewachsen ist und hier sein Abitur gemacht hat, schon immer da, selbstständig zu sein und sein eigener Chef, ist ein Teil seiner DNA. Längst hat er dem Unternehmen, das in Ratingen und Mettmann 140 Mitarbeitende beschäftigt, seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Die Idee des Cafés stammt beispielsweise von ihm. Zudem soll der Stammsitz in Ratingen demnächst grundlegend modernisiert werden, um für die Herausforderungen im Online-Zeitalter gerüstet zu sein. „Wir wollen für unsere Kundinnen und Kunden vermehrt Erlebnisse schaffen, die man nicht im Internet bekommt“, so Schley. Es gehe um Anfassen, Riechen, Schmecken, Erleben – lauter Sinneseindrücke, die den Einkauf zum Erlebnis-Einkauf machen und für Inspiration sorgen.
Zudem soll eine Event- und Workshop-Reihe (mit Themen, die das Sortiment nahelegt) initiiert werden. „Wir sind und bleiben natürlich ein Gartencenter, probieren aber immer wieder auch neue Sortimente aus“, so Schley. Feinkost und Lebensmittel, vorzugsweise mit regionalem Absender wie Honig aus Ratingen, Kartoffel, Äpfel und Wein gehören genauso dazu wie Accessoires und Geschenkartikel. Kerngeschäft bleiben aber die Bereiche Pflanzen, Floristik und Baumschule mitsamt ihrer Qualität und Fachberatung.
Nils Schley, der 2023/2024 Präsident der hiesigen Lions war, ist in Ratingen und Umgebung mit dem Herzen zu Hause. Es ist sind die Landschaft, die Menschen und der Wechsel der Jahreszeiten, die das Heimat-Gen in ihm wecken. Lieblingsplatz? Paris kommt prompt als Antwort. Aber eben auch: „Das Linneper Schloss und seine Umgebung. Hier habe ich als Kind und Jugendlicher am Bach gespielt, das Eislaufen erlernt, bin durch die Felder gestreift.“ Gibt es ein Lebensmotto? „Dafür bin ich zu sehr Pragmatiker“, kommt die Antwort des verheirateten, zweifachen Familienvaters prompt. Die Frage nach der Lieblingspflanze ist ein Muss: Früher seien es Orchideen gewesen, heute eher Pfingstrosen und Lavendel. Apropos Lavendel: Kunden suchen aktuell vor allem mediterrane, hitzeresistente Pflanzen. Und da nichts ohne sein Gegenteil wahr ist, erfreut sich auch die durstige Hortensie als Bestseller im Sortiment.
Aktuelle Herausforderungen? Gute Fachkräfte suche man immer. „Unsere Berufe werden wieder attraktiver“, hat Schley festgestellt. Denn: „Ob Florist oder Gärtner, das sind Berufe, die können erst einmal durch keine KI ersetzt werden; danach suchen junge Menschen“. Eine Herausforderung gibt es dennoch: Seit Mittwoch sorgt die Sanierung der Kölner Straße (B1) in Breitscheid für Umleitungen, Vollsperrungen und neue Einbahnstraßenregelungen. Immerhin: Aus der Ratinger Innenstadt kommend ist Schley‘s weiterhin problemlos erreichbar.



