Ratingen | Die sogenannten Hentschelkinder gehören zu den bekanntesten Figuren der Porzellanmanufaktur Meissen. Entworfen wurden sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Bildhauer und Modelleur Julius Konrad Hentschel.
Zwischen 1904 und 1907 schuf er eine Reihe von Kinderfiguren, die sich deutlich von den damals üblichen idealisierten Darstellungen unterschieden. Hentschel zeigte Kinder in natürlichen Alltagssituationen: beim Spielen, Lesen, Trinken oder im Umgang mit Tieren. Gerade diese lebensnahe und ungekünstelte Darstellung machte die Figuren zu bedeutenden Werken des Jugendstils.
Ein besonders bekanntes Motiv ist das 1905 entworfene „Kind mit Zeitungsmütze, auf einem Holzpferd reitend“. Das Modell trägt die ursprüngliche Nummer W 120 und wurde später unter der Meissener Modellnummer 73366 geführt. Die etwa 18 Zentimeter hohe Figur zeigt einen Jungen auf einem hölzernen Spielzeugpferd. Auf dem Kopf trägt er eine aus Zeitungspapier gefaltete Mütze.

Eine Replik dieses Hentschelkindes erhielt 1998 einen besonderen Ratinger Bezug. Der Spielmobil-Mitarbeiter Michael Baaske ließ die Figur für seine private Sammlung individuell gestalten. Auf der Zeitungsmütze wurde ein Hinweis auf die „Ratinger Zeitung“ angebracht. Die Rückseite erhielt eine Felix-Karikatur der damaligen RP-Zeichnerin Katja Gröger, die das Ratinger Spielmobil zeigt.
Die Figur wurde seinerzeit als „RP-Bote aus Meissen“ vorgestellt und sollte zunächst in Ratingen, später auch in Dresden gezeigt werden. Heute steht sie beispielhaft dafür, wie ein historischer Meissener Entwurf durch eine individuelle Bemalung zu einem unverwechselbaren Stück Ratinger Stadtgeschichte werden kann.





