Ratingen | Die Temperaturen kratzen an diesem 27. Juni 2026 an der 40-Grad-Marke. Wer trotzdem den Weg ins Museum der Stadt Ratingen fand, hatte einen guten Grund. Rund 70 Gäste waren der Einladung der Ratinger We-iter gefolgt, als die Vereinsvorsitzenden Hildegard Pollheim und Angelika Karbjinski die Johanna-Flinck-Ehrennadel und die Brauchtums-Ehrennadel verliehen. Ausgezeichnet wurden Maymol Devasia-Demming, Hanno Paas sowie – stellvertretend für den Ratinger Kinderkarnevalsausschuss – dessen Vorsitzende Katharina Sliakas.
Eine Auszeichnung mit Maßstab
Die Ratinger We-iter pflegen mit großer Beharrlichkeit das kulturelle und soziale Gedächtnis der Stadt. Ihre Johanna-Flinck-Ehrennadel erinnert an eine Frau, die in Ratingen für praktischen Dienst am Menschen steht. Johanna Flinck wirkte als Kreiskrankenschwester, Säuglingspflegerin und Wohnungsinspektorin – und gehörte 1919 zu den ersten Frauen, die in der Ratinger Stadtverordnetenversammlung Platz nahmen. Das Frauenwahlrecht war gerade erst eingeführt worden; Flinck nutzte es mit konkretem Einsatz für die Menschen ihrer Stadt. Dass eine Auszeichnung für heutiges Engagement ihren Namen trägt, ist deshalb mehr als Traditionspflege. Es ist ein Maßstab.
Bildung als Lebenschance
Diesen Maßstab erfüllt Maymol Devasia-Demming in besonderer Weise. Als Geschäftsführerin und pädagogische Leitung der Allianz Bildung & Lernen steht sie für ein Engagement, das Kindern und Jugendlichen echte Chancen eröffnet. Die ABL ist seit 2015 in Ratingen aktiv. Über 180 Ehrenamtliche begleiten rund 400 Kinder und Jugendliche an Ratinger Schulen – durch Lesementoring, Bildungspatenschaften und das Berufsorientierungsprogramm JOBfit. In ihrer Laudatio machte Ina Bisani deutlich, wie sehr die ABL zu einem unverzichtbaren Baustein der Ratinger Bildungslandschaft geworden ist.
Anpacken, vermitteln, Verantwortung übernehmen
Hanno Paas erhielt die Brauchtums-Ehrennadel für jahrzehntelanges Wirken zum Besten der Ratinger Stadtgesellschaft. Fabian Pollheim und Katrin Hofmann, die Paas durch ihr langjähriges Engagement im Ratinger Karneval kennen, zeichneten in ihrer Laudatio ein lebendiges Porträt: Wenn Paas eine Idee für gut befinde, warte er nicht. Er suche die richtige Person, sage „Los geht’s” und begleite das Vorhaben mit seinem Netzwerk bis zum Ende. Er frage nicht ob, er setze durch – mit ganzer Leidenschaft. Gerade in einer Zeit, in der Gemeinsinn oft beschworen, aber nicht immer gelebt wird, ist ein solches Engagement von unschätzbarem Wert.
Narrische Wurzeln, ernste Wirkung
Eine besondere Note hatte die Ehrung des RaKiKa – begleitet von informativen und launigen Worten von Katrin Hofmann und Fabian Pollheim, beide als Präsidenten im Ratinger Kinderkarneval groß geworden. Katharina Sliakas nahm die Brauchtums-Ehrennadel stellvertretend für die vielen Menschen entgegen, die über Jahrzehnte dem karnevalistischen Nachwuchs in Ratingen ein starkes Fundament gegeben haben. Der Verein wurde am 26. November 1976 gegründet, nachdem der Lintorfer Kinderkarnevalsausschuss die wachsenden organisatorischen Aufgaben nicht mehr alleine stemmen konnte. Seitdem organisiert der RaKiKa jede Session ein Kinderprinzenpaar, das Ratingen bei über 100 Auftrittsterminen offiziell vertritt. Kinderkarneval ist weit mehr als Kostüm und Kamelle: Er schafft Zugehörigkeit, vermittelt Brauchtum und bringt Generationen zusammen.
Dass Paul Maria Zimmermann unter den Gästen war, unterstrich die historische Linie. Als Gründungsmitglied des RaKiKa von 1976 und ehemaliger Herausgeber des Ratinger Wochenblatts vereint er beide Säulen dieser Geschichte in einer Person: Brauchtum und lokale Öffentlichkeit.
Starkes Bild einer lebendigen Stadtgesellschaft
Zu den Gästen zählten unter anderem Michael Droste als 1. stellvertretender Bürgermeister, der im Namen der Stadt ein pointiertes Statement abgab, Wolfgang Dietrich als ehemaliger Bürgermeister, Kerstin Griese MdB sowie Heinz Hülshoff, Manfred Buer, Michael Lumer und Edgar Dullni. Ihre Präsenz machte deutlich, welchen Stellenwert die Ratinger We-iter mit dieser Ehrung in der Stadtgesellschaft genießen.
Am Ende stand nicht nur eine Ehrung, sondern ein klares Bild: Eine Stadt lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen – auch dann, wenn draußen die Sonne brennt und niemand sie dazu zwingt. Die Johanna-Flinck-Ehrennadel macht diese Haltung sichtbar – und trägt den Namen einer Frau, die sie in Ratingen schon 1919 vorgelebt hat.




