Patrick Anders zieht Zwischenbilanz: „Ein sehr guter Anfang!“

0
9
Sommer-Interview mit Bürgermeister Patrick Anders: „Ich bin topfit, voll motiviert und mache diesen ‚Job‘ mit Leidenschaft, Haut und Haaren. Foto: M. Machan

(mmm) „Ich möchte mich in meinem unmittelbaren Lebensumfeld engagieren und die Stadt mitgestalten.“ Schon im Alter von 13 Jahren formulierte Bürgermeister Patrick Anders, was ihn antreibt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Seit dem 1. November ist der 40-Jährige Familienvater erster Bürger der Stadt. „Ich habe lange auf diesen Traum hingearbeitet. Das ist für mich mehr als ein Beruf.“ Im zweiten Teil unseres Sommerinterviews spricht Anders über seine ganz persönliche Bilanz nach knapp acht Monaten im Amt.

Lieber Patrick Anders, wie lautet Ihre Zwischenbilanz nach gut acht Monaten im Amt des Bürgermeisters?

Es war wirklich ein sehr guter Anfang. Ich empfinde ihn vor allem deshalb als gut und vielversprechend, weil ich bei meinen Begegnungen mit den Menschen hier in Ratingen insgesamt eine unglaublich positive Stimmung und eine sehr engagierte Stadtgesellschaft wahrnehme. Klar, es gibt immer Menschen, die alles negativ sehen. Das ärgert mich. Ich versuche, oft mit einem hohen kommunikativen Aufwand, zu überzeugen, die Gestaltungsspielräume, die wir hier vor Ort haben, zu nutzen. Wir alle zusammen können die Stadt gemeinschaftlich gestalten und zeigen, dass wir handlungs- wie konsensfähig sind. Politik in der Kommune ist der Kern der Demokratie.

Was treibt Sie an?

Das Rathaus soll ein lebendiger Ort sein. Bürgermeister für meine Heimatstadt zu sein, die Stadt, in der ich aufgewachsen bin und in der ich nun meine eigenen Kinder aufwachsen sehe, das ist Privileg und Herausforderung zugleich. Weil ich hier mit meiner Familie so verwurzelt bin, weiß ich um die Themen, die für die Bürgerschaft relevant sind. Ratingen ist eine begeisterungsfähige Stadt, die ich mit Herz und Motivation, Gestaltungswillen und Gestaltungsmut führen möchte. Zudem bin ich ja auch einer modernen Behörde mit rund 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet, die hier alle gerne und mit Freude tätig sein sollen.

Mit Blick auf Ihre eigenen Kinder, die beiden sechsjährigen Zwillinge: Wie beeinflusst das Ihren Alltag und Ihre Politik?

Ein nachhaltiges, familienfreundliches Ratingen weiterzuentwickeln, ist Teil meiner Agenda. Ich bringe meine Kinder jeden Morgen in den Kindergarten und nach den Sommerferien dann in die Grundschule. Mir ist es ungemein wichtig, dass Kinder zu Wort kommen. Denn sie wollen viel diskutieren. Ich schätze den ungefilterten Dialog sehr. Mit meinen eigenen Kindern nahezu täglich, aber auch genauso bei unserer regelmäßigen Kindersprechstunde auf Spielplätzen der Stadt. Dort haben alle Kinder die Möglichkeit, ihre Wünsche und Anregungen direkt an mich zu richten.

Attraktiver Standort für junge Familien

Was hat Sie in den ersten Monaten Ihrer Amtszeit am meisten überrascht, gibt es Aufgaben, die Sie unterschätzt haben?

Auch wenn ich es vorher geahnt habe, es gibt keinen einzigen Tag, an dem man sich gedanklich mal rausnehmen kann. Man muss sich in alles reindenken, zu allen Themen sprechfähig sein. Es ist an 365 Tagen im Jahr von früh bis spät harte Arbeit, ein Vertrauen, das einem nur auf Zeit gegeben wird. Aber ich bin topfit, voll motiviert und mache diesen Job mit Leidenschaft, Haut und Haaren.

Wie groß ist denn überhaupt der Gestaltungsspielraum einer Kommune, gerade mit Blick auf Aufgaben, die man von Land und Bund aufs Auge gedrückt bekommt?

Viele unserer Aufgaben sind Pflichtaufgaben, so 70 bis 80% sind von Bund und Ländern vorgegeben. Auch wenn sich die Kommunen mit ihren guten Ideen oft alleine gelassen fühlen, lässt sich mit Blick auf attraktive Rahmenbedingungen, die Stadtentwicklung oder den Haushalt dennoch eine Menge bewegen. Beispielsweise in Sachen Bürokratie: Da gibt es Stellschrauben, an denen man drehen kann, um schneller ins Handeln zu kommen. Etwa durch eine klare Prioritätensetzung oder die Vereinfachung von Prozessen. Bürokratieabbau beginnt im Kleinen und mit dem unbedingten Willen, diesen Weg zu beschreiten.

Was sind die Themen der kommenden Jahre?

Man ist ja nie fertig. Ich möchte die Stadtgesellschaft zusammenhalten, für junge Familien einen attraktiven Standort bieten. Top-Themen sind u.a. eine moderne Stadtentwicklung, die weitere Digitalisierung der Stadtverwaltung oder eine Wohngebietsentwicklung, die verstärkt das Zusammenleben von Jung und Alt in den Blickpunkt nimmt. Wirtschaftliche und soziale Prosperität hängen zusammen. Wir dürfen generell nie mit unserem Status quo zufrieden sein, müssen für Neuerungen immer offen sein.

Ratingen braucht den Westbahnanschluss

Was sind für Sie die Top-Argumente, mit denen Ratingen punkten kann?

Es ist eine liebenswerte Stadt zwischen Rheinland und Ruhrgebiet mit einer lebendigen, engagierten Stadtgesellschaft, aktivem Vereinsleben, moderner Infrastruktur – und dabei positiv gemütlich.

Ratingen braucht unbedingt noch …

… den Westbahnanschluss – ungemein wichtig für die weitere Stadtentwicklung.

Kaum einer weiß von mir …

… dass ich ein Faible für Schlager und Karnevalsmusik habe – und das ganzjährig.