
(mmm) Musik oder Mathematik? Als Thomas Gabrisch 16 Jahre alt war, argwöhnte seine Klavierlehrerin, von der Musik könne man nicht leben. Ob er denn nicht lieber Mathematiklehrer werden wolle? „Das hat mich eher angespornt, einfach noch mehr zu üben“, erzählt Gabrisch, der seit 2013 als künstlerischer Leiter des Konzertchores Ratingen und Begründer der Ratinger Sinfonietta aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Der gebürtige Hamburger, dort hat er auch sein Abitur gemacht und studiert, ist bereits seit 1997 Leiter der Opernklasse der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf. Begonnen hat seine musikalische Karriere im Alter von 22 Jahren an der Deutschen Oper am Rhein, zunächst als Korrepetitor, später als Kapellmeister mit eigenen Premieren und Leiter des Opernstudios.
Als stellvertretender Generalmusikdirektor wechselte Gabrisch an das Freiburger Theater, wurde zwei Jahre später Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker. Dort leitete er diverse Konzertreihen, arbeitete mit weiteren Orchestern in Deutschland, Spanien und auf Kuba zusammen, nahm Werke für den Bayerischen Rundfunk wie für den WDR mit dem Rundfunkorchester auf. Welch ein Geschenk für Ratingen: Als international tätiger Konzertdirigent und Professor der Robert Schumann Hochschule nutzt Gabrisch regelmäßig seine weitreichenden musikalischen Kontakte, um herausragende Solisten und Konzertmusiker für die Aufführungen der Sinfonietta und des Konzertchores zu verpflichten. Das passt zu seinem Lebensmotto: „Ich mag es, gute Musik zu machen und das am liebsten in freundlicher Arbeitsatmosphäre.“ Mehr noch: „Mich interessiert an Musik alles, was hinter den Tönen steht. Der emotionale Gehalt und das überzeitlich gültige daran. Vielleicht steht deswegen gerade Mozart für mich ganz oben.“
„Sorgen müssen wir uns nun wirklich nicht mehr machen.“
Was sind aktuell für ihn die größten beruflichen Herausforderungen? „Wir bilden viele gute und begabte Sänger und Sängerinnen, Musiker und Musikerinnen aus. Die Herausforderung ist aber, dass es immer schwieriger wird, diese dann wirklich auch in den Beruf zu bringen.“ Oft helfe da ein wenig Berufserfahrung, weshalb er einen Nachwuchsförderfonds gegründet habe, der genau diesen Berufsstart erleichtern solle. Und mit Blick auf den Konzertchor? „Es gab eine Zeit, wo ich mir deutlich mehr Sorgen um den Chornachwuchs gemacht habe. Das hat sich aber enorm verändert. In letzter Zeit strömen so viele neue Choristen in den Chor, dass wir teilweise sogar schon Aufnahmestopps aussprechen mussten.“ Und auch der neu gegründete Aufbauchor, in dem Berührungsängste abgebaut und erste Chorerfahrung aufgebaut werden, entwickele sich prima. „Sorgen müssen wir uns nun wirklich nicht mehr machen“, so sein Fazit.
Beste Rahmenbedingungen also für einen außergewöhnlichen Konzertabend mit Tango-Leidenschaft und sakraler Ewigkeit am 21. März (19 Uhr, Stadthalle). Die Stadthalle wird sich in einen Ort voller Leidenschaft verwandeln, wenn Astor Piazzollas vibrierendes Buenos Aires – er hat die klassische Form von Vivaldis „Vier Jahreszeiten” ins 20. Jahrhundert katapultier – auf die Wucht von Mozarts „Requiem” trifft. Zu hören ist zunächst argentinischer Tango, gefolgt von der himmlischen Suche nach Erlösung. Eine Begegnung der musikalischen Extreme, eine musikalische Reise, die gegensätzlicher kaum sein könnte. Doch wie passen die Leidenschaft für Tango und die Dramatik von „Dies irae“ aus Mozarts Requiem in ein Programm? „Das ist eine interessante Fragestellung. Muss es immer harmonisch sein? Sind es nicht gerade die Brüche und Gegenüberstellungen von Extremen, die Spannung erzeugen können?“, fragt Gabrisch zurück. Das Requiem stand für ihn früh fest und so habe er ein Stück gesucht, was diesem emotionalen Schwergewicht standhalten könne.




