Daniela Harsta: „In der Ruhe liegt meine Kraft.“

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Daniela Harsta leitet als Direktorin seit Sommer 2024 das Amtsgericht Ratingen. Foto: Arjen Harsta

(mmm) Einen Plan-B hat es für Daniela Harsta, seit August 2024 Nachfolgerin von Anna Maria Nolten als Direktorin des Ratinger Amtsgericht, eigentlich nie gegeben, auch wenn sie früher von einem Job als Übersetzerin bei den Vereinten Nationen geträumt hat. „Ich wollte immer Juristin werden, das liegt wohl an meinem sehr hohen Gerechtigkeitsempfinden“, so die 45-jährige geborene Düsseldorferin. In ihrer Position gilt Harsta beinahe als Exotin. Denn die verheiratete, zweifache Mutter arbeitet am Amtsgericht Ratingen in Teilzeit, gilt mit ihrer 80%-Stelle – neben ihren Aufgaben als Direktorin bearbeitet sie ein Dezernat für Familiensachen – „als Vorbild für eine neue Generation von Führungskräften“, so der Präsident des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Dr. Werner Richter. Es gibt in der Tat nur wenige Frauen, die ein Amtsgericht in Teilzeit leiten, sie selber kenne nur eine einzige Kollegin in vergleichbarer Position.

Was im Organigramm einer Behörde problemlos aussehen mag, wird im Alltag indes nicht selten zu einer echten Challenge: „Mal ist die OGS kurzfristig geschlossen, mal wird eine Betreuerin krank: Da wird jeder Tag zu einer organisatorischen Herausforderung.“ An guten Tagen sei die Distanz zwischen Arbeitsort Ratingen und Wohnort Hilden über die A3 in wenigen Minuten zu bewältigen. Seit jedoch die A59 gesperrt ist, machen Staus die Fahrt immer wieder zur Geduldsprobe. Gut, dass sich Harsta dann auf ihren Mann und ihre Eltern verlassen kann und so letztlich doch alles „unter einen Hut“ bekommt.

Vorbild für eine neue Generation von Führungskräften

Heimat ist für Harsta denn auch vor allem dort, wo ihre Familie ist. Und im Rheinland. Nicht von ungefähr lautet ihr Lebensmotto „in der Ruhe liegt die Kraft“, was sie rheinisch als „Et kütt wie et kütt“ übersetzt und von ihrer Gelassenheit wie Zuversicht zeugt. Sie ist in Düsseldorf aufgewachsen, hat in der Landeshauptstadt ihre Staatsexamina gemacht und hatte durch Freunde und Bekannte auch immer wieder Anbindung an Ratingen. „Eine sehr engagierte Stadtgesellschaft, lebhaft und vielfältig, mit hoher Lebensqualität und solider wirtschaftlicher Basis.“ Als Direktorin des hiesigen Amtsgerichtes mit Personalverantwortung für gut 50 Stellen sind ihre Kontakte und Termine vielschichtig: zum Jugendamt und zur Betreuungsbehörde, zur Polizei und zu den Notaren, zum Neujahrempfang des Bürgermeisters.

Mit dem juristischen Staatsexamen, einem Erasmus-Semester in Maastricht und einem Auslandsstudium in Südafrika – Harsta machte in Stellenbosch den „Master of Laws“ – im Rücken, trat sie 2009 in den Richterdienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein, wurde im Dezember 2012 zur Richterin am Landgericht in Düsseldorf ernannt. Von 2016 bis 2020 war sie an das NRW-Justizministerium abgeordnet, wo sie als Referentin vor allem mit den Angelegenheiten der Rechtsanwälte, Notare und Rechtsbeistände betraut war. Im Juli 2020 wurde sie dann zur Richterin am Amtsgericht als ständige Vertretung des Direktors des Amtsgerichts Solingen ernannt, ehe 2024 der Wechsel nach Ratingen, eines von drei Amtsgerichten im Bezirk des Landgerichts Düsseldorf, erfolgte.

Ihre wichtigsten Aufgaben: „Ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem man sich wohl fühlt und gerne arbeiten kommt.“ Als Direktorin reichen ihre Aufgaben „von der ausreichenden Personalausstattung bis zum Wasserschaden“ am denkmalgeschützten Gebäude an der Düsseldorfer Straße. Schließlich könne ein Richter nur dann optimal arbeiten, wenn das Drumherum, inklusive Servicekräften, Rechtspflegern und Wachtmeistern, entsprechend organisiert sei. Zudem ist es ihr wichtig, „für den Bürger, der ja oft mit einer gewissen Aufregung das Gebäude betritt, ein verlässliches Gericht zu sein und damit auch den Rechtsstaat angemessen zu repräsentieren“.

Wie lädt Harsta, zu deren DNA Zuverlässigkeit, Empathie und Fröhlichkeit zählen, bei all den Aufgaben und Herausforderungen ihren „Akku“ wieder auf? Meist geht es mit der Familie im Camper („Ich liebe Reisen und die Nähe zur Natur!“) für ein paar Tage in die Eifel, an den Niederrhein oder in die Niederlande bzw. zum Jahresurlaub auf vier Rädern nach Schweden, an die Westküste Frankreichs oder nach Korsika (weil sie die Insel landschaftlich an ihr Sehnsuchtsland Südafrika erinnert). Vergangene Woche indes ging es abends nach Dortmund zum Konzert von Herbert Grönemeyer. „Ich bin Fan seit Kindertagen.“