Kleine Helden auf dem Eis und im Tor

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Gut gehalten, Bild: Alexander Heinz
Gut gehalten, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Es sind diese Samstage, an denen eine Eissporthalle plötzlich größer wirkt als sie ist. Nicht wegen der Zuschauerzahl, sondern wegen der Energie am Rand der Bande. Beim U7-Turniertag der Ice Aliens am 21. Februar, Start war zur Mittagszeit, stand nicht das Ergebnis im Mittelpunkt, sondern etwas, das im Sport leicht verloren geht und hier ganz selbstverständlich da war: Kindern eine gute Zeit zu ermöglichen, fair zu bleiben, Kontakte zu knüpfen, Freundschaften wachsen zu lassen.    Bildergallerie am Ende des Artikels

In der Halle erklärte Ulrike Hanke, Schriftführerin des Vereins und Ehefrau von Manfred Hanke aus dem Vorstand der Ice Aliens, den Rahmen dieses Turnierformats, das viele Eltern zunächst überrascht. Es ist Teil des U7-Spielbetriebs des Eishockeyverbandes NRW, organisiert als „Tiger-Projekt“. Dahinter steckt eine einfache Idee: Weil in dieser Altersklasse nicht immer jede Mannschaft genug Kinder für einen klassischen Spielbetrieb zusammenbekommt, werden Turniertage so gestaltet, dass alle Kinder viel Eiszeit erhalten, in ausgeglichenen Teams spielen können und der Spaß, die Entwicklung und der faire Umgang im Vordergrund stehen. Wer hinschaut, merkt schnell: Hier geht es um Erleben, nicht um Tabellen.

Genau dieses Gefühl hatte an der Bande auch Julia Schmücker, die gemeinsam mit ihrem Mann ihrem Sohn Moritz zusah. Moritz ist fünf 1/2 Jahre alt und hat sich früh in Eishockey verliebt, so sehr, dass er inzwischen für seinen Verein im Tor steht. Als Torwart in dem Alter sieht man schnell, woran Nachwuchsarbeit in der Realität hängt: an Begeisterung, an Geduld, an Zeit und manchmal auch an Ausrüstung. Torwart-Equipment kostet deutlich mehr als die Ausrüstung eines Feldspielers. Umso größer war bei den Eltern die Freude darüber, dass der Verein durch Unterstützung aus der Region, in ihrem Fall durch die Firma Henkel aus Düsseldorf, die Ausrüstung leihweise für ein ganzes Jahr bereitstellen kann. Das nimmt Druck, es senkt Einstiegshürden, und es sorgt dafür, dass ein Kind nicht zwischen Talent und Preisschild entscheiden muss.

Moritz stand an diesem Tag im Tor mit Feuereifer, wach, konzentriert, mutig. Und man merkte, wie sehr professionelles Equipment in Kindergröße Sicherheit gibt: Pucks prallten nicht einfach weg, sondern wurden kontrolliert, festgehalten, beruhigt ins Spiel zurükgeführt. Für Eltern ist das mehr als ein sportlicher Moment, es ist ein Gefühl von Schutz und Vertrauen. Für die Kinder auf dem Eis ist es ein Signal: Wir nehmen euch ernst, wir geben euch die Bedingungen, damit ihr euch ausprobieren könnt.

Mindestens so beeindruckend wie Moritz waren die vielen kleinen Szenen drumherum. Kinder, die nach einem Sturz kurz schlucken und dann einfach weitermachen. Trainer, die korrigieren, ohne zu drücken. Eltern, die anfeuern, ohne zu überdrehen. Man sah Disziplin, aber keine Härte. Ehrgeiz, aber ohne Eitelkeit. Und vor allem dieses verbindende Band, das über das Spiel hinausgeht: Es geht darum, gemeinsam etwas zu lernen, sich zu freuen, sich zu trösten, sich wieder aufzurappeln. Unprätentiös, freundlich, fair.

Wer Eishockey in Ratingen nur über Playoffs und Ergebniszeilen wahrnimmt, verpasst die eigentliche Basis des Vereins. In der U7 wächst das, was später die Tribüne füllt und die erste Mannschaft trägt: Mut, Teamgefühl, Begeisterung, Ehrenamt. Man kann das Turnier deshalb auch als Einladung verstehen, öfter hinzuschauen. Nicht nur dann, wenn es in der ersten Mannschaft knallt, sondern auch dann, wenn unten etwas entsteht. Denn manchmal beginnt die Zukunft eines Vereins genau dort, an der Bande, mit einem Fünfjährigen im Tor und einem Puck, der zum ersten Mal wirklich sicher unter Kontrolle ist.

Bilder vom Turniertag: