Hannelore Hanning: „Viel erlebt, viel bewegt, viel gelebt.“

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Die FDP-Politikerin Hannelore Hanning ist Vorsitzende des Fördervereins Textilmuseum Cromford. Foto: A. Heinz

(mmm) Auch wenn die Heimat von Hannelore Hanning der Harz ist, zählt die engagierte FDP-Politikerin und Vorsitzende des Fördervereins Textilmuseum Cromford zu den prägenden Köpfen der Ratinger Stadtgesellschaft. Seit 1984 lebt Hanning in Homberg „in der großen Hoffnung, dass ich die Vollendung des Ausbaus der A 44 noch erlebe und Homberg dadurch verkehrspolitisch endlich die notwendige Entlastung erfährt“. Heimat sei für sie da, wo sie lebe, aktiv sein könne und die Menschen agieren, denen sie tief verbunden sei. Geboren im Harz, aufgewachsen in Goslar, studiert in Braunschweig – das prägt: „Heimat ist mein Harz, meine Okertalsperre, meine Fichtenwälder, Goslar!“

Sie habe „viel erlebt, viel bewegt, viel gelebt“, erzählt die pensionierte Lehrerin. Hanning war die erste weibliche ASTA-Vorsitzende zu Zeiten der Studentenbewegung in den 1960er Jahren. Über die Eulenspiegelstadt Schöppenstedt kam sie als Junglehrerin erstmals nach Ratingen, machte hier ihr zweites Staatsexamen. Nach einem Intermezzo als Pädagogin in Mannheim ging es zurück nach Ratingen. Es folgte ein „Lehrerdasein“ in Duisburg und Erkrath. Hanning wurde Fach- und Hauptseminarleiterin in Essen und Solingen, Ansprechpartnerin und Weiterbildungsbeauftragte für Gleichstellungsfragen am Schulamt in Mettmann, schließlich Dozentin für schulpraktische Studien an der Universität Essen. Neben den beruflichen Herausforderungen galt ihr großes Interesse seit jeher den politischen Auseinandersetzungen. Zu den „Liberalen Frauen“ kam sie 1992, der Partei-Eintritt in die FDP folgte im Jahr 2000.

Das Engagement für die Liberalen ging über Ratingen (Partei-/Fraktionsvorsitzende bis 2009, dann Fraktionsvorsitzende bis 2020) hinaus: Hanning wurde Vorsitzende des Landesfachausschusses Familien, Kinder, Jugend und Senioren. Danach wirkte sie im Gleichstellungsausschuss sowie im Landesfachausschuss Schule und Weiterbildung mit. Auf dem Dreikönigsempfang 2020 verkündet Hanning ihren Abschied von der Ratsarbeit. „Das bedeutet nicht, dass mir das politische Geschehen in Ratingen unwichtig geworden ist. Ich bringe mich ja als Sachkundige Bürgerin noch ein. Und in meiner neuen Aufgabe für das Textilmuseum Cromford kann ich mehr bewegen als in der Politik, bei der die Mehrheitsverhältnisse manche guten Ansätze im Keim ersticken.“

„Das Ziel wird Dich finden“

Apropos Cromford, die Arbeit für den Förderverein des Textilmuseums diktiert den Terminkalender: Jahresplanung für die Cromford-Gespräche, Exkursionen, das Park- und Museumsfest im Juli, die Einbindung des Museums in die 750 Jahrfeier der Stadt, die Stärkung der Verbindung zu Cromford in England als auch die Forcierung der Wahrnehmung des LVR-Industriemuseums in Ratingen. Da sei die Ausbalancierung des Ehrenamtes mit dem privaten Umfeld durchaus eine Herausforderung. Ihr Antrieb, ihre persönliche DNA: „Mitgestaltung und Einsatz im privaten wie öffentlichen Leben.“ Ihr Lebensmotto: „Lass Dich treiben, das Ziel wird dich finden!“

An Ratingen schätzt Hanning, dass sich so viele im Ehrenamt engagieren. „Auf der Haben-Seite stehen aber auch die mittelständischen Unternehmen, die sich in Ratingen engagieren und die durch ihre wirtschaftliche Kraft die Gestaltungsfähigkeit Ratingens erst ermöglichen.“ Fehlt noch was? „Ein Springbrunnen im Stadthallenteich!“

Was gibt Hanning ihrer Partei mit auf den Weg? „Für einen Neustart nicht die alten Ideale über Bord werfen.“ Es bekümmere sie, dass der FDP auf den Bühnen der Kabaretts und in der öffentlichen Meinung statt berechtigter Kritik hier und da, grundsätzlich deren Existenzberechtigung abgesprochen werde: „Es bekümmert mich sehr, dass liberale Werte und Ideale nicht mehr auf Bundesebene eingebracht werden können und dadurch im öffentlichen Diskurs keine Rolle mehr spielen.“ Charismatische, kluge und mitreißende Personen, die das Ruder wieder herumreißen könnten, seien entweder „noch in Deckung oder noch nicht geboren“.