Ratingen 04/19 kann Regionalliga – zumindest organisatorisch

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Mächtig was los: Spitzenspiel im Stadion Ratingen zwischen der Germania und dem KFC Uerdingen. Foto: M. Machan

(mmm) Blau-gelber Fanmarsch vom Marktplatz zum Stadion, voll besetze Tribünen (mit vielen Anhängern aus den Kinder- und Jugendmannschaften) , deutlich sichtbare Polizeipräsenz an allen größeren Kreuzungen in der Innenstadt, aufmerksamkeitsstarke Choreographie mit Fan-Gesängen, Fahnen-Meer und Konfetti-Fontänen beim Einlauf der Mannschaften, informatives wie unterhaltsames Vor- und Halbzeit-Programm mit Marketing-Chef Mirko Köstring vom Spielfeldrand, der u.a. Germania-Trainer Damian Apfeld und Bürgermeister Patrick Anders vors Mikro holte.

Ratingen 04/19 kann Regionalliga, zeigte sich aufstiegstauglich. Zumindest organisatorisch. Sportlich indes gab es am vergangenen Sonntagnachmittag bei besten äußeren Bedingungen nichts zu holen. 1:4 unterlag der Tabellenführer dem Nachbarn von der anderen Rheinseite aus Krefeld. Zu keiner Phase des Spieles hatte man den Eindruck, dass die Germania als Sieger vom Platz gehen könnte. Das Spiel war keine zwei Minuten alt, als Adam Tolba für den KFC das runde Leder ans Lattenkreuz hämmerte. Ein frühes Statement, wer hier und heute Herr im Hause ist. Uerdingen wirkte in allen Phasen des Spitzenspiels der Oberliga Niederrhein spielerisch überlegen, war sichtbar lauf- und zweikampfstärker.

„Die Euphorie in der Stadt pusht uns, um mit Volldampf und Spielfreude in die Partie zu gehen“, sagte 04/19-Trainer Damian Apfeld noch wenige Minuten vor der Begegnung. Auf dem Platz war davon in den darauffolgenden gut 90 Minuten wenig zu sehen. Im Gegenteil: Die Germania wirkte ob der großen, stimmungsvollen Fan-Kulisse – rund 1.200 Zuschauer kamen ins Stadion Ratingen, wo sich sonst kaum 300 Besucher im weiten Rund verlieren – ungewohnt verunsichert. „Heute ist kein Wohnzimmerkonzert, sondern ein echter Arena-Auftritt“, bemühte ein Zuschauer den Vergleich mit der Musikszene. Und so waren denn auch die an einer Hand abzuzählenden Torchancen der Ratinger insbesondere in der ersten Halbzeit eher dem Prinzip Zufall geschuldet.

Bürgermeister Andres: „Die Stadt ist wachgeküsst!“

Indes: Auch Hilden, noch kurz vor Abpfiff am Sonntag neuer Tabellenführer, leistete sich in den Schlussminuten einen Ausrutscher im Heimspiel gegen ETB SW Essen (2:4), pikanterweise nächster Gegner der Ratinger (1. Mai, 15 Uhr). So bleibt Ratingen weiterhin Tabellenführer, jeweils einen Punkt dahinter der KFC Uerdingen, der den „Lauf“ nach den Siegen über Ratingen und Hilden binnen einer Woche auf seiner Seite hat, und Hilden. Der Titelkampf spitzt sich fünf Spieltage vor Schluss zu, Ratingen kann den Aufstieg immer noch aus eigener Kraft schaffen. Bürgermeister Patrick Andres: „Die Stadt ist wachgeküsst. Wir haben uns die Regionalliga West verdient.“

Spitzenspiel, Sicherheitsspiel, Straßenbahnderby: Die Geschichte zum Topspiel -Germania-Spielmacher Emre Demircan wurde vom KFC praktisch aus dem Spiel genommen – ist schnell erzählt. Es dauerte für die beste Offensive der Liga nahezu eine Halbzeit (44.) bis zur ersten echten Torchance von Rinor Rexha. Doch statt des Ausgleichs nach der 1:0 Führung des KFC durch Tolba (28.) sorgten die Gäste fast im Gegenzug mit dem Halbzeitpfiff (Kaya, 45.) für eine ungefährdete 2:0 Halbzeitführung. Bemerkenswert früh kam die Apfeld-Elf zur zweiten Halbzeit auf den Rasen, der sich in einem tadellosen Zustand befand. Ratingen fand etwas besser ins Spiel, doch Uerdingen agierte durchweg souverän und abgeklärt. Dem 0:3 durch Benktib (66.) folgte zwar ein sehenswerter Anschluss-Freistoßtreffer aus rund 25 Metern Entfernung zum zwischenzeitlichen (1:3) durch Demircan (81.), ehe Benktib (84.) den alten Abstand zum hochverdienten 4:1 für den KFC wiederherstellte.

Damit spitzt sich der Aufstiegskampf in die Regionalliga West am 1. Mai-Wochenende weiter zu. Von der Papierform hat Hilden (auswärts gegen Homberg) die leichteste Aufgabe. Der KFC spielt daheim gegen den starken Aufsteiger Blau-Weiß Dingen, während sich Ratingen beim ETB SW Essen beweisen muss, pikanterweise die letzte Trainerstation von Damian Apfeld vor seinem Wechsel nach Ratingen.