Ratingen. Zimmer aufräumen, Hausaufgaben machen, Zähne putzen – Alltägliche Aufgaben, die im Familienalltag schnell zur Herausforderung werden können. Die Entwickler David Fischer und Dennis Mayer möchten genau diesen kleinen familiären Baustellen entgegenwirken: Mit ihrer App „questcoin Kids“ verwandeln sie lästige Pflichten in kleine Abenteuer – inklusive Belohnung.
Das Prinzip ist schnell erklärt: Für erledigte „Quests“ sammeln Kinder virtuelle Münzen, die anschließend gegen von den Eltern festgelegte Belohnungen eingetauscht werden können. Auch Abzeichen lassen sich erspielen. Dahinter steckt eine einfache Idee: „Unsere App soll ein ruhiges harmonisches Miteinander innerhalb der Familie ermöglichen und Streitigkeiten im Alltag beiseitelegen“, erklären Mayer und Fischer.
Vom Streit ums Aufräumen zum „Quest geschafft“
Die Zielgruppe sind vor allem Grundschulkinder. Je nach Alter verändert sich die App: Für Vier- bis Fünfjährige gibt es große Bilder und eine Vorlesefunktion, später kommt mehr Text hinzu. Die vollständige Kontrolle über die App haben die Eltern: Sie bestimmen, welche Aufgaben anstehen, wie viele Münzen es dafür gibt und welche Belohnungen erspielt werden können. Außerdem können sie die App individuell an die Fähigkeiten des eigenen Kindes anpassen.
Auch beim Nutzen der App selbst wollen Fischer und Mayer einen bestimmten Weg gehen: „In einer Gesellschaft, in der digitale Inhalte bereits fest eingebunden und nicht mehr wegzudenken sind, sollte man diese sinnvoll bereits in jungen Jahren einbinden“, erklärt Mayer. „Nicht nur das Tablet einfach vors Gesicht setzen und macht mal“, lautet die Devise. Die App „questcoin Kids“ soll dabei helfen früh Routinen zu entwickeln und einen sinnvollen Zugang zur digitalen Welt zu erlangen.
Die Geschichte hinter der App klingt dabei fast selbst nach einer Quest: Programmieren konnten die beiden zunächst nicht. Fischer arbeitet im Einzelhandel, Mayer im Marketing. Neben ihren Vollzeitjobs arbeiteten sie sich in den Abendstunden in die Entwicklung ein – vollständig auf sich allein gestellt. Schnell wurde die App zum absoluten Liebhaber-Projekt und nach rund einem halben Jahr entstand der erste Prototyp. Ganz ohne Frust ging das nicht: „Wenn etwas nicht funktioniert hat, führte das schnell zu großem Frust, manchmal haben da nur ein paar Tage Abstand zum Projekt geholfen“, erklärt Mayer.
Ende Juli ging die App schließlich auf den Markt. Heute ist sie in 13 Sprachen verfügbar und erreicht einen mittleren zweistelligen Downloadbereich. Entwickelt wird sie unter Dualrealm Studios, mit Geschäftsadresse an der Oberstraße in Ratingen.
Kein Millionentraum
Die Basisversion ist kostenlos nutzbar, die Premium-Version kostet 2,99 Euro monatlich oder 29,99 Euro jährlich. Hinter den vergleichsweisen geringen Preisen steckt dabei ein wichtiger Gedanke: „Wir wollen mit der App kein Vermögen verdienen, sondern das Familienleben verbessern“, sagt Mayer. Wird die Nutzerzahl groß genug, soll der Preis für das Premium-Abonnement sogar auf einen Euro sinken.
Und die nächste Quest wartet bereits: Das Duo hat sich bei „Die Höhle der Löwen“ beworben. Außerdem sind Pilotprojekte mit Grundschulen in Ratingen und Velbert sowie die Integration gemeinsamer Familien-Challenges in die App geplant. Denn klar ist für Entwickler Dennis Mayer vor allem eines: „Hätte es eine solche App früher gegeben, als ich Kind war, wäre ich deutlich produktiver gewesen“.




