Ratingen | Wer mit kleinen Kindern einen Spielplatz besucht, kennt das Problem: Der Aufenthalt dauert oft mehrere Stunden, eine öffentliche Toilette befindet sich jedoch meist nicht in erreichbarer Nähe.
Die CDU-Fraktion möchte deshalb prüfen lassen, ob an ausgewählten Ratinger Spielplätzen einfache und familienfreundliche Toilettenlösungen eingerichtet werden können.
Eltern berichten von improvisierten Lösungen
Nach Angaben der Fraktion hätten Eltern wiederholt darauf hingewiesen, dass für Kinder häufig nur improvisierte Lösungen hinter Büschen oder in abgelegenen Bereichen blieben. Dies sei weder hygienisch noch mit einer attraktiven Aufenthaltsqualität auf Spielplätzen vereinbar.
Die Verwaltung soll nun verschiedene Modelle untersuchen und geeignete Standorte für ein mögliches Pilotprojekt benennen. Nach den Vorstellungen der CDU könnten zunächst zwei oder drei Spielplätze ausgewählt werden. Berücksichtigt werden sollen neben den Anschaffungskosten auch Reinigung, Wartung, Müllentsorgung, Sichtschutz und die Erfahrungen während eines Testbetriebs.
Vorbild „Oilette“ aus Höxter
Als Beispiel nennt die Fraktion die sogenannte „Oilette“. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Toilettenhäuschen, sondern um eine kompakte Kindertoilette für öffentliche Freiflächen. Das System besteht im Wesentlichen aus einem Toilettensitz in Kinderhöhe, einem Spender für Beutel und einem Abfallbehälter. Es benötigt weder einen Wasser- noch einen Abwasseranschluss. Nach Herstellerangaben wird inzwischen auch eine sichtgeschützte Ausführung angeboten.
Bundesweit bekannt wurde das Modell durch einen Pilotversuch auf einem Spielplatz in Höxter. Dort hatte der örtliche Kinderschutzbund die Anschaffung finanziert, während die Stadt die laufende Betreuung übernahm. Die Kosten wurden damals mit rund 3.000 Euro angegeben und lagen damit deutlich unter denen eines fest installierten öffentlichen Toilettenhauses.
Kritik an fehlendem Sichtschutz
Der Versuch löste allerdings nicht nur Zustimmung aus. Kritisiert wurde insbesondere, dass die erste Anlage offen und damit von außen einsehbar war. Die Herstellerinnen kündigten daraufhin Ergänzungen zum Sichtschutz an. Die Ratinger CDU greift diesen Punkt ausdrücklich auf und verlangt, dass Privatsphäre und Schutz vor Einblicken bei der Auswahl eines Systems eine zentrale Rolle spielen.
Inzwischen setzen auch weitere Kommunen auf entsprechende Lösungen. Im Stadtpark von Vreden wurde 2025 eine „Oilette“ installiert. Dort soll eine zusätzliche Bepflanzung die Anlage optisch in das Umfeld einfügen und zugleich für mehr Sichtschutz sorgen.
CDU: Alltägliche Bedürfnisse stärker berücksichtigen
„Spielplätze sollen Orte sein, an denen Familien gerne Zeit verbringen“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Heins. Alltägliche Bedürfnisse von Eltern und Kindern müssten deshalb stärker berücksichtigt werden. Der Homberger Ratsherr Lukas Rübbelke betont, dass zunächst eine geeignete, wirtschaftliche und ausreichend geschützte Lösung gefunden werden müsse.
Über den Antrag beraten zunächst der Jugendhilfeausschuss und anschließend der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz, Klimaanpassung und Mobilität. Erst danach wird sich zeigen, ob Ratingen tatsächlich einen Modellversuch startet.




