Ratingen | Briefe aus Konzentrationslagern, persönliche Aufzeichnungen, letzte Nachrichten an Angehörige: Solche Zeugnisse bewahren die Erinnerung an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden.
Die Stiftung Haus Oberschlesien setzt sich dafür ein, dass sie geschützt und öffentlich zugänglich bleiben. Ihr Vorstandsvorsitzender Sebastian Wladarz und Vorstandsmitglied Cornelia Stieler danken deshalb NRW-Europaminister Nathanael Liminski. Er hatte sich gegen den kommerziellen Handel mit persönlichen Erinnerungsstücken von NS-Opfern eingesetzt.
Übergabe in Warschau
Anlass ist eine Übergabe am 23. Oktober in Warschau. Die Auschwitz-Birkenau-Stiftung übergab dort 289 historische Dokumente an 18 Institutionen, darunter Gedenkstätten, Archive und diplomatische Vertretungen. Die Stiftung hatte die Unterlagen im Januar erworben, nachdem eine für November 2025 geplante Auktion in Neuss nach internationalen Protesten abgesagt worden war. Der Ankauf wurde aus Spenden finanziert, nicht aus öffentlichen Mitteln. An der Zeremonie im polnischen Kulturministerium nahmen unter anderem Liminski und Kulturministerin Marta Cienkowska teil.
„Ein Brief aus einem Konzentrationslager, ein Tagebuchblatt, ein Judenstern sind keine Sammlerstücke“, erklärt Wladarz. Oft handele es sich um das letzte Lebenszeichen eines Menschen, der eine Familie und eine Heimat gehabt habe.
Gesetzentwurf liegt beim Bundestag
Nordrhein-Westfalen setzt sich auch für eine gesetzliche Regelung ein. Auf Initiative des Landes beschloss der Bundesrat am 12. Juni einstimmig einen Gesetzentwurf. Er soll den kommerziellen Handel mit Gegenständen grundsätzlich untersagen, die einen unmittelbaren Bezug zu NS-Opfern und ihrem Verfolgungsschicksal haben. Ausnahmen sind unter anderem für Museen, Archive und wissenschaftliche Zwecke vorgesehen. Der Entwurf liegt inzwischen dem Bundestag vor. Eine Entscheidung steht noch aus.
Erinnerungsarbeit in Oberschlesien
Für die Stiftung in Hösel verbindet sich das Thema mit eigener Erinnerungsarbeit. Cornelia Stieler und der polnische Lokalhistoriker Krzysztof Kruszyński erforschten den Verlauf eines Todesmarsches durch das frühere Schönwald, heute Gliwice-Bojków. Am 19. Januar 2025 wurden dort ein Denkmal enthüllt und die Opfer mit einem gemeinsamen Schweigemarsch gewürdigt. Die Stiftung unterstützte das Projekt.
„Erinnerung trägt dort am weitesten, wo sie einen Ort, einen Namen, ein Gesicht hat und Begegnung schafft“, sagt Stieler. Die Stiftung verweist auch auf ihre Zusammenarbeit mit dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz und dem Jüdischen Kulturverein Schalom in Ratingen.
Sorge um die Begegnungsstätte
Mit ihrem Dank verbinden Wladarz und Stieler eine Sorge um die Zukunft des Hauses Oberschlesien. Nach ihrer Darstellung kommt dessen Funktion als Ort des Dialogs im vorgeschlagenen neuen Stiftungszweck nicht mehr vor. Die Landsmannschaft der Oberschlesier hatte sich als Stifterin bereits öffentlich gegen die Genehmigung der Satzungsänderung gewandt. Sie befürchtet eine einseitige Ausrichtung auf den Museumsbetrieb zulasten der Begegnungsstätte.
Wladarz betont den ursprünglichen Auftrag des Hauses als Ort der Begegnung, der Kultur und des Dialogs: „Wir hoffen sehr, dass das Haus Oberschlesien seinen Auftrag auch in Zukunft erfüllen kann.“




