Ratingen | Wer Ratingens Landschaft einmal mit anderen Augen kennenlernen möchte, bekommt am Sonntag, 6. September, dazu eine gute Gelegenheit. Der Kulturkreis Hösel lädt zu einer rund sieben Kilometer langen Wanderung durch den östlichen Teil des Schwarzbachtals ein.
Treffpunkt ist um 10.45 Uhr auf dem Parkplatz des Landhauses Grevenmühle, Grevenmühle 3 in Ratingen-Homberg. Die Teilnahme ist kostenlos. Um eine bessere Planung zu ermöglichen bittet der Leiter der Wanderung, Bernd Sonnborn jedoch um eine unverbindliche Anmeldung. Der einfachste Weg ist die Anmeldung über die Webseite des Kulturkreises: https://kulturkreis-hoesel.de/programm
Golfsport inmitten der Landschaft
Die etwa anderthalbstündige Runde führt durch eine Landschaft, in der Natur, Landwirtschaft, Geschichte und heute auch der Golfsport unmittelbar aufeinandertreffen. Die 18 Bahnen des Golfclubs Grevenmühle verteilen sich auf mehr als 100 Hektar leicht hügeligen Geländes zwischen kleinen Waldstücken, Biotopen, Feldern und Pferdekoppeln. Der Club selbst beschreibt seine Anlage als bewusst in die vorhandene Landschaft eingebetteten Platz.
Naturschutzgebiet mit seltenen Arten
Nur wenige Schritte weiter zeigt sich das Schwarzbachtal von seiner besonders ursprünglichen Seite. Rund 54 Hektar des „Schwarzbachtals bei Götzenberg“ stehen unter Naturschutz. Geschützt werden dort unter anderem naturnahe Bachläufe und Quellen, Feuchtwiesen, Röhrichte, Auenwälder sowie alte Buchenwälder. Das Gebiet ist Lebensraum für eine erstaunliche Artenvielfalt. Wasseramsel, Gebirgsstelze und Rohrammer brüten hier, der Eisvogel kommt zur Nahrungssuche. Auch die Ringelnatter findet im Tal geeignete Lebensräume.
Ratinger Marmor und alte Kulturlandschaft
Dabei ist die scheinbar unberührte Landschaft zugleich eine alte Kulturlandschaft mit deutlichen Spuren menschlicher Nutzung. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden hier Kalk, Sand, Ton und Kies gewonnen. Besonders begehrt war der sogenannte Ratinger Marmor – tatsächlich ein polierbarer blau-schwarzer Kalkstein mit charakteristischer grauer Flammung. Der als „Schwarzes Loch“ bekannte Steinbruch im Schwarzbachtal wurde bereits um 1500 erwähnt. 1839 standen dort sieben Kalköfen; 1880 beendete ein Wassereinbruch den Abbau. Spuren dieses Materials findet man bis heute an prominenter Stelle: Der Taufstein und die vier Weihwasserbecken in St. Peter und Paul bestehen aus Ratinger Marmor, ebenso wurde er im Treppenhaus von Schloss Hugenpoet verwendet.
Etappe des neanderland STEIGs
Auch Wanderer auf größerer Tour kennen die Gegend. Etappe 9 des neanderland STEIGs führt durch das Schwarzbachtal nach Ratingen-Homberg. Der insgesamt fast 240 Kilometer lange Rundweg um den Kreis Mettmann beschreibt gerade diese Etappe mit ihren Wegen beiderseits des Schwarzbachs, den Höhen und weiten Blicken als besonders abwechslungsreich. Das Landhaus Grevenmühle liegt praktisch unmittelbar am Weg.
Nach Angaben des Kulturkreises verlief durch die alte Kulturlandschaft zudem einst eine bedeutende Heerstraße zwischen Kaiserswerth, Ratingen und Mettmann. Die Wanderung verbindet damit Naturerlebnis und Heimatgeschichte auf engem Raum.
Praktische Hinweise zur Wanderung
Die Strecke führt über Wiesen und Felder, durch Wald und stellenweise unmittelbar am Schwarzbach entlang. Festes beziehungsweise geeignetes Schuhwerk wird empfohlen. Die Teilnahme erfolgt auf eigenes Risiko. Eine besondere Anmeldung nennt der Kulturkreis in seiner Einladung nicht.
Einkehr im Landhaus Grevenmühle
Nach rund sieben Kilometern wartet ein angenehmer Abschluss: Die Wandergruppe kehrt auf eigene Rechnung im Landhaus Grevenmühle ein. Das direkt im Grünen gelegene Restaurant setzt unter anderem auf regionale Produkte und bietet mit seiner Terrasse den passenden Ort, um sich über das unterwegs Gesehene auszutauschen.




