Zwischen Lieferketten, digitalem Bauen und politischer Debattenkultur

0
3
Peter Thomas, Vorsitzender CDU Ratingen, Bild: Alexander Heinz
Peter Thomas, Vorsitzender CDU Ratingen, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Wie verwundbar ist die global vernetzte Wirtschaft? Welche Chancen bietet die Digitalisierung gerade dem Mittelstand? Und wie offen muss politische Debatte geführt werden, wenn gesellschaftliche Positionen zunehmend auseinanderdriften? Mit gleich drei großen Themenfeldern beschäftigte sich die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Ratingen bei ihrem dritten Quartalstreffen in der Grevenmühle.

Zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren am Mittwoch, 16. September, der Einladung der MIT gefolgt. Zwei Fachvorträge bildeten zunächst den wirtschaftlichen Schwerpunkt des Abends, bevor sich die Diskussion zunehmend aktuellen politischen Fragen zuwandte.

Wenn ein Nadelöhr die Weltwirtschaft trifft

Peter Thomas, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Ratingen und beruflich selbst im Speditions- und Logistikbereich tätig, richtete den Blick auf internationale Lieferketten. Thomas ist gelernter Kaufmann für Spedition und Logistik und gehört unter anderem dem Kreistag sowie der Ratinger Flughafenkommission an.

Unter der Überschrift „Lieferketten unter Druck – Herausforderungen und Chancen“ zeigte er, wie unmittelbar geopolitische Konflikte oder unterbrochene Verkehrswege inzwischen bis in die Produktionshallen deutscher Unternehmen wirken können.

Ein Beispiel dafür ist die Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel zählt zu den strategisch wichtigsten Schifffahrtswegen der Welt und besitzt insbesondere für den internationalen Energietransport enorme Bedeutung. Kommt es dort zu Störungen, können sich die Auswirkungen über steigende Energie- und Transportkosten schnell durch ganze Wertschöpfungsketten ziehen.

Für Unternehmen folgt daraus nach Thomas‘ Darstellung vor allem eines: Abhängigkeiten müssen stärker sichtbar gemacht und möglichst reduziert werden. Unterschiedliche Lieferanten, alternative Transportwege und eine vorausschauende Bevorratung besonders wichtiger Rohstoffe könnten helfen, Unternehmen widerstandsfähiger gegen Krisen zu machen.

Ein Gebäude entsteht zuerst digital

Wie Digitalisierung ganz praktisch aussehen kann, zeigte anschließend André Pilling. Der Architekt ist Geschäftsführer der POS4 Architekten Generalplaner GmbH und der auf die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft spezialisierten DEUBIM. Seit Juli 2026 ist er zudem Sprecher des Präsidiums von buildingSMART Deutschland, einem wichtigen Netzwerk für digitales Planen und Bauen.

Im Mittelpunkt seines Vortrags stand Building Information Modeling, kurz BIM. Vereinfacht gesagt entsteht ein Bauwerk dabei bereits vor und während seiner tatsächlichen Errichtung als umfassendes digitales Modell. Darin werden nicht nur geometrische Daten, sondern auch Informationen über Bauteile, Materialien, Kosten, Termine und spätere Betriebsabläufe zusammengeführt.

Architekten, Fachplaner, Bauunternehmen und Auftraggeber arbeiten damit nicht mehr jeweils auf unterschiedlichen Datenständen, sondern können Informationen gemeinsam nutzen. Konflikte in der Planung lassen sich so früher erkennen, Änderungen besser nachvollziehen und Bauabläufe präziser koordinieren.

Pilling machte deutlich, dass hinter BIM deshalb mehr steckt als eine neue Planungssoftware. Entscheidend sei eine andere Form der Zusammenarbeit. Genau darin liege auch eine Erkenntnis für andere mittelständische Unternehmen: Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen vor allem dann, wenn Informationen nicht in einzelnen Abteilungen oder Systemen verbleiben, sondern Prozesse miteinander verknüpft werden.

Wahlergebnis sorgt für politische Diskussion

Im weiteren Verlauf rückte die Politik in den Mittelpunkt. Der stellvertretende CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thorsten Huch nahm dabei insbesondere das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September in den Blick.

Die AfD war dort mit 43,8 Prozent der Zweitstimmen deutlich stärkste Kraft geworden und hatte ihr Ergebnis gegenüber 2021 mehr als verdoppelt. Die CDU kam auf 17,2 Prozent. Im neuen Landtag verfügt die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis über 39 von 83 Sitzen.

Huch bezeichnete dieses Ergebnis als Warnsignal. Zugleich warnte er davor, politische Themen allein deshalb nicht mehr zu diskutieren, weil sie auch von der AfD aufgegriffen würden.

„Nicht jede Position ist automatisch falsch oder darf nicht übernommen werden, nur weil auch die AfD sie vertritt“, erklärte Huch. Entscheidend sei vielmehr, Forderungen einzeln zu prüfen, sie offen zu diskutieren und an demokratischen Grundwerten zu messen.

Aus Sicht Huchs werde diese sachliche Auseinandersetzung in öffentlichen Debatten zunehmend schwieriger. Probleme und Belastungen müssten benannt werden können, ohne dass damit automatisch eine Annäherung an politische Ränder verbunden sei.

Gerade in diesem Punkt entwickelte sich das Quartalstreffen damit über die beiden Fachvorträge hinaus zu einer grundsätzlicheren Diskussion darüber, wie Politik und Gesellschaft mit kontroversen Themen umgehen sollten.

Austausch ausdrücklich erwünscht

Die MIT Ratingen möchte ihre Quartalstreffen auch künftig als Forum für wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Diskussionen verstehen. Die Kombination aus internationalen Lieferketten, Digitalisierung und aktueller Politik zeigte dabei, wie eng scheinbar unterschiedliche Themen inzwischen miteinander verbunden sind.

Die Grevenmühle bot dafür einen passenden Rahmen: Dort ging es an diesem Abend eben nicht nur um abstrakte Zukunftsfragen, sondern immer wieder um deren ganz konkrete Folgen für mittelständische Unternehmen – und um die Frage, wie darüber politisch gesprochen werden sollte.