(mmm) Ob als Präsident des TV Ratingen, als ehemaliger Chef der Bruderschaft und Schützenkönig des Jahres 2005 oder als aktiver Karnevalist, Sven Pallessen ist in Ratingen bekannt wie ein bunter Hund. Und als selbstständiger Dachdecker ist er vielen Bürgerinnen und Bürgern in seinem Beruf sprichwörtlich schon aufs Dach gestiegen. Einem wie ihm ist das Lebensmotto „machen statt quatschen“ ins Gesicht geschrieben. Dazu passt auf seinem T-Shirt auch der Satz „Ein Leben ohne Baustelle ist möglich, aber sinnlos.“
Pallessen ist einer, der anpackt. Einer, der Fakten schafft und auch schon mal „Wände einreißt, um danach zu entscheiden, was man mit der Situation nun macht“. Einer, der klare Worte findet. Womit man sich natürlich nicht nur Freunde macht. Vor allem aber einer, der ein großes Herz für das Brauchtum und den Sport hat, inklusive Sponsoren-Engagements beim TV Ratingen, bei den Ice Aliens sowie jetzt bei den Fußballern von 04/19. Bei Heimspielen der Blau-Gelben hat er im Stadion Ratingen die Sportanlagen und Gebäude „seines“ TV Ratingen stets im Blick. Seit rund fünf Jahren ist Pallessen Präsident des TV Ratingen, mit rund 7.500 Mitgliedern nicht nur der größte Sportverein der Stadt, sondern mit einer der größten bundesweit. „Mein Einstieg ins Vereinsleben war die DLRG. Als Ausbilder und Prüfungsabnehmer kam der Kontakt vor über 30 Jahren zum TV Ratingen zustande.“ Er ist als Beisitzer von außen eingestiegen und durch alle Funktionen in den Vorstand aufgestiegen. Ob Leichtathletik oder Turnen, Ball- oder Wassersport, Fitness oder Rehabilitation: Um die weit über 20 angebotenen Sportarten kümmern sich 50 fest angestellte Übungsleiter sowie rund 300 Honorarkräfte.
Diese Größe erforderte eine Vereinsstruktur mit hauptamtlichem Vorstand sowie einem ehrenamtlichen Präsidium. „Als Präsidium sind wir so was wie ein Aufsichtsrat und Unterstützer für den Vorstand“, erklärt Pallessen, der mit Stolz auf die Arbeit des Vorstandes und der Leistungen der Aktiven im Breiten- wie Wettkampfsport verweist, aber auch auf alle anderen ehrenamtliche Übungsleiter im Verein: „Bei der Leichtathletik und beim Schwimmen, beim Fechten wie beim Hockey sind wir, auch wenn wir nicht die Möglichkeiten der großen Leistungszentren haben, eine feste Größe.“ Bestes Beispiel seien die Nachwuchsschwimmerinnen und -Schwimmer Anna Forsbach, Charlotte Drenker und Titus Ditgen, die gerade mit Medaillen und Vereinsrekorden vom Central European Countries Junior Meeting zurückgekehrt sind. Zudem ist der TV Ratingen als Ausrichter des Mehrkampfmeetings für den DLV im Juni seit Jahren bundesweit in den Medien.
Fehlt was? „Sportstätten, Sportstätten, Sportstätten.“
Fehlt da überhaupt was? „Ja, Sportstätten, Sportstätten, Sportstätten – und das für alle Vereine“, so Pallessen. Die Stadt werde durch Politik und Verwaltung gut geführt, indes: „Die Planung der Hallenzeiten ist auch aufgrund von Schließungen wegen Sanierungsarbeiten eine echte Herausforderung. Man läuft da, wie es auch bundesweit der Fall ist, den Fehlern der Vergangenheit hinterher.“
Pallessen, der in West aufgewachsen ist, lebt heute in Mitte. Heimat ist für ihn aber weniger ein Ort als ein Gefühl: „Heimat ist da, wo man wertgeschätzt wird, wo man unter Menschen ist, die einen so nehmen, wie man ist.“ Entspannung und Kraft für den Alltag schöpft er aus seiner Leidenschaft zum Golfsport, dem er seit über einem Jahrzehnt im Golf-Club Hösel nachgeht. Dazu passt: Seit einem halben Jahrhundert pflegt Pallessen eine Sandkastenfreundschaft mit vier Kumpels: „Wir halten zusammen – auch wenn wir uns die Meinung sagen. Aber wir sind ja auch vier unterschiedliche Charaktere: ein Steuerberater, zwei Arbeiter in verschiedenen Berufszweigen und ich als selbstständiger Dachdecker.“ Der Fortuna-Fan und „Netzwerker, Pragmatiker und Ermöglicher“ sieht sich vor allem als Teamplayer und Familienmensch: „Meine Eltern feiern dieses Jahr im Oktober den 60. Hochzeitstag, mein Vater wird an diesem Tag 90. Was für ein Geschenk!“




