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Warnen eindringlich vor der Gefahr für den Arbeitsmarkt durch ein Minijobaus, Patrick Rothkopf, Andreas Ehlert, Dirk Wittmer, Bild: Alois Müller
Warnen eindringlich vor der Gefahr für den Arbeitsmarkt durch ein Minijobaus, Patrick Rothkopf, Andreas Ehlert, Dirk Wittmer, Bild: Alois Müller

Neuss | Handel, Handwerk und Gastgewerbe warnen vor einer möglichen Reform der Minijobs. Bei einem gemeinsamen Forum appellierten die Spitzenverbände der drei Wirtschaftsbereiche an die Bundesregierung, die geringfügige Beschäftigung als flexibles Arbeitsmodell zu erhalten.

Grundsätzliche Abschaffung offenbar vom Tisch

Auslöser der gemeinsamen Stellungnahme sind Überlegungen zur künftigen Ausgestaltung der Minijobs. Eine grundsätzliche Abschaffung steht den Verbänden zufolge nicht mehr zur Diskussion. Offen sei jedoch, für welche Personengruppen und unter welchen Bedingungen die Beschäftigungsform künftig gelten soll. Im Gespräch seien eine deutliche Erhöhung der pauschalen Lohnsteuer sowie zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitgeber.

Betriebe befürchten wirtschaftliche Nachteile

Die Wirtschaftsvertreter befürchten, dass Minijobs für zahlreiche Betriebe unattraktiv werden könnten. Einzelhandel, Gastgewerbe und Handwerksbetriebe setzen geringfügig Beschäftigte häufig ein, um Stoßzeiten, Randzeiten, saisonale Schwankungen oder kurzfristige Auftragsspitzen abzudecken.

Zugleich böten Minijobs vielen Menschen eine unkomplizierte Zuverdienstmöglichkeit. Dazu zählen Studierende, Rentnerinnen und Rentner, Eltern sowie Menschen, die Angehörige pflegen oder neben ihrer Hauptbeschäftigung eine weitere Tätigkeit ausüben.

Gastgewerbe: Mehr als 200.000 Minijobs in NRW

Patrick Rothkopf, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein-Westfalen, verwies auf die bereits heute hohen finanziellen Belastungen der Arbeitgeber. Schon jetzt führen Betriebe bei Minijobs mehr als 30 Prozent an Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern ab. Steige diese Belastung auf annähernd 40 Prozent, könnten Minijobs für viele Unternehmen kaum noch wirtschaftlich darstellbar sein.

Allein im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe gebe es mehr als 200.000 Minijobs. Eine deutliche Verteuerung treffe nicht nur die geringfügig Beschäftigten selbst, sondern wirke sich auch auf die Betriebe und deren sozialversicherungspflichtig angestellte Mitarbeiter aus. Rothkopf warnt zudem vor einem Rückgang des privaten Konsums, sollten Zuverdienstmöglichkeiten wegfallen.

Handel: 1,5 Millionen Minijobber in NRW

Auch der Handel sieht Minijobs als festen Bestandteil seiner Personalplanung. Dirk Wittmer, Vorsitzender des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen – Rheinland, betont, dass stark frequentierte Zeiten und saisonale Nachfragespitzen ohne flexibel einsetzbare Mitarbeiter kaum abzudecken seien. Rund 1,5 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen nutzten Minijobs zum Zuverdienst. Für manche seien sie zugleich ein erster Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Handwerk fordert realistischen Blick auf Betriebsabläufe

Andreas Ehlert, Präsident von HANDWERK.NRW, fordert bei möglichen Veränderungen einen realistischen Blick auf die betrieblichen Abläufe. Reformen müssten daran gemessen werden, ob sie Beschäftigung erleichterten oder erschwerten. Eine hohe Erwerbsbeteiligung sei langfristig die beste Grundlage für stabile Sozialversicherungssysteme.

Verbände fordern verlässliche Rahmenbedingungen

Die drei Wirtschaftsbereiche fordern verlässliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen. Angesichts des Fachkräftemangels, der schwachen Konjunktur und steigender Arbeitskosten dürften Arbeitgeber und Beschäftigte nicht mit weiteren finanziellen und bürokratischen Belastungen konfrontiert werden.