Ein Hilferuf zur rechten Zeit! Ratinger Tafel benötigt Fahrer und Helfer

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Engagieren sich im Vorstandsteam der Tafel Ratingen: Bernhard Hausen und Martin Thesing. Foto: M. Machan

(mmm) Mitte Mai, anlässlich der Mitgliederversammlung der „Tafel Ratingen“, sind die Vorsitzende Ingrid Bauer und ihr Stellvertreter Karl-Josef Hußmann aus Altersgründen aus der operativen Verantwortung ausgeschieden. Die beiden prägenden Gesichter der Ratinger Tafel sind nun Ehrenvorstände des Vereins, dessen wichtigste Aufgabe die Rettung von Lebensmitteln ist, um damit anderen Menschen zu helfen. Fortan ist die Vorstandsarbeit auf fünf Schultern (Carolin Wittmer, Bernhard Hausen, Martin Thesing, Ralf Urban, Michael Weber) verteilt. „Wir lösen jetzt alles im Team“, begrüßen mich Martin Thesing und Bernhard Hausen an diesem Montagmorgen.

Und die Herausforderungen sind groß: „Wir benötigen dringend neue, ehrenamtliche Helfer, konkret Fahrer und Beifahrer für den Außendienst sowie Helferinnen und Helfer für den Innendienst, damit die Ware verlässlich an die bedürftigen Kunden und ihre Familien kommt“, kommt Martin Thesing gleich zu Beginn unseres Gespräches auf den Punkt. Bernhard Hausen ergänzt: „Während die Zahl an neuen Kundinnen und Kunden in den vergangenen fünf Jahren deutlich gewachsen ist, stehen wir als Verein permanent unter Druck, ‚Nachwuchs‘ für unsere Arbeit zu finden.“

Hausen kommt aus der IT-Branche und engagiert sich seit 2021 bei der Tafel, vornehmlich um die Organisation und Leitung des Innendienstes. Ein Jahr länger ist Martin Thesing dabei. Der 64-Jährige kennt sich im Lebensmitteleinzelhandel bestens aus, war für einen großen Filialisten in Mülheim tätig. Seine Aufgabe des bei der Tafel ist die Organisation und Leitung des Außendienstes, des Fuhrparks sowie der Einkauf und die Kontaktpflege zu den Lieferanten. „Wir sind ja nicht nur Tafel, sondern letztlich auch ein Lebensmitteleinzelhandel.“ Mehr noch: „Wir agieren von unseren Abläufen wie ein mittelständisches Unternehmen – und das im Ehrenamt“, so Thesing.

Wie ein mittelständisches Unternehmen – nur ehrenamtlich

Obwohl an diesem Montagmorgen keine Lebensmittel-Ausgabe erfolgt, herrscht in der Halle der Straße „Am Stadion“ rege Betriebsamkeit: Frische Ware wird in Empfang genommen, sortiert, aufbereitet, mitunter neu verpackt und nach den jeweiligen Lagerungsanforderungen in der rund 500 Quadratmeter großen Halle abgelegt. Hinter der „Tafel Ratingen“ stehen rund 120 Helfer, die sich ausnahmslos ehrenamtlich engagieren, sowie vier Fahrzeuge, von denen drei werktäglich fast alle 50 Supermärkte, Discounter und Lebensmittel-Einzelhändler in Ratingen abfahren, um die am Ende eines Tages nicht verkaufte Ware für die Tafel abzuholen. „95% unserer Ware kommt aus Ratingen“, weiß Thesing. Rund 14 Tonnen Lebensmittel werden in der Woche bei der „Tafel“ in Ratingen umgeschlagen. Die Lebensmittel gehen an rund 550 bedürftige Kunden und ihre Familien (mithin gut 1.500 Menschen), die ihre Bedürftigkeit durch einen Leistungsbescheid, konkret den Nachweis über den Empfang von Arbeitslosengeld II, Grundsicherung oder Wohngeld dokumentieren müssen.

„In Ratingen ist der christlich-soziale Ansatz noch sehr ausgeprägt“, freuen sich Thesing und Hausen. Indes: „Es wird höchste Zeit, neue Ehrenamtliche für die Tafel zu finden. Denn wir bekommen immer mehr Probleme, einen geordneten Tagesablauf bei der Tafel zu gewährleisten.“ Dramatisieren wollen die beiden Vorstandsmitglieder nicht, verstehen ihr Handeln vielmehr als ein Hilferuf zur rechten Zeit, auch wenn man personell auf Kante genäht sei und die Personalprobleme auch operative Folgen haben könnten. Jede Woche werden alleine 36 Fahrer für die Touren benötigt. So viele? Ja, denn: „Es ist eine auch körperlich anstrengende Aufgabe. Wir wollen unsere Ehrenamtlichen nicht überfordern.“

Und so benötigt die Tafel sowohl für den Innen- wie für den Außendienst jeweils zehn bis 15 weitere Mitarbeitende. Mit einem Aktionstag im Glaspavillon der Pfarrei St. Peter und Paul (Marktplatz, 25. Juli, 12.15 – 16 Uhr) möchte man zusätzlich auf sich aufmerksam machen. Das „Nachwuchs“-Problem indes ist keine singuläre Ratinger Herausforderung: „Viele Tafeln wissen sich nicht mehr anders zu helfen und bezahlen ihre Mitarbeiter. Aber auch wenn wir derzeit an unsere Grenzen kommen, wollen wir die Tafel Ratingen auch künftig mit Ehrenamtlern betreiben“, so Thesing. Was diese erwartet? „Wir sind eine große Familie“, wirbt Hausen für die Tafel. Infos zum Mithelfen gibt es hier: https://www.tafel-ratingen.de/mithelfen/