
Ratingen | Das sogenannte Eisenzeitliche Gehöft am Rand des Erholungsparks Volkardey ist Geschichte. Nach einer erneuten Überprüfung ließ die Stadt die rekonstruierten Bauwerke kurzfristig abtragen. Die aus Naturmaterialien errichteten Gebäude waren so stark verfallen, dass akute Einsturzgefahr bestand. Aus Gründen der Verkehrssicherung war ein weiterer Erhalt nicht mehr vertretbar.
Jahrelanger Verfall sichtbar
Bereits seit längerer Zeit war der schlechte Zustand der Anlage sichtbar. Die Gebäude waren abgesperrt, einzelne Teile beschädigt. Der frühere Verein Eisenzeitliches Gehöft Ratingen war nach Angaben der Verwaltung seit Jahren nicht mehr in der Lage, die notwendige Instandhaltung zu gewährleisten. Eine aktuelle Besichtigung zeigte schließlich eine weitere Verschlechterung. Der Abriss wurde damit zur unmittelbaren Gefahrenabwehr erforderlich. Verwendbare Naturmaterialien sollen möglichst vor Ort weitergenutzt werden.
Entstanden 2002 als Lernort
Das Gehöft war 2002 von Mitgliedern des gemeinnützigen Vereins unter fachkundiger Begleitung errichtet worden. Die Anlage südlich des Grünen Sees am Schwarzbach sollte Besucherinnen und Besuchern anschaulich vermitteln, wie Menschen während der Eisenzeit gelebt und gearbeitet haben. Später diente das Gelände auch als Veranstaltungsort, unter anderem für das Folkerdey-Festival.
Kein Originalstandort
Eine historische Rekonstruktion am Originalstandort war das Gehöft allerdings nicht. Die zugrunde liegenden archäologischen Befunde wurden 1989 beim Bau der Autobahn 44 in Düsseldorf-Rath nahe der Oberhausener Straße entdeckt. Dort hatten Archäologen Spuren einer Siedlung aus der älteren Eisenzeit, etwa aus der Zeit zwischen 800 und 600 vor Christus, sowie Hinweise auf Eisenverhüttung gefunden. Die Ratinger Nachbauten entstanden einige hundert Meter entfernt im Erholungspark und standen somit nicht auf den ausgegrabenen Pfosten- oder Fundamentspuren.
Kein kulturhistorischer Wert als Fundort
Nach Angaben der Stadt fehlten sowohl Kapazitäten für Wiederaufbau und dauerhafte Unterhaltung als auch eine konkrete künftige Nutzung. Einen kulturhistorischen Wert als authentischer Fundort besaß die Anlage daher nicht. Mit ihrem Abriss verschwindet dennoch ein über viele Jahre vertrauter Lern-, Begegnungs- und Veranstaltungsort aus dem Erholungspark. Eventuell ebnet der Abriss aber auch den Weg für ein Jugend- und Pfadfinderlager an dieser Stelle, dessen Machbarkeitsanfrage jüngst die CDU Fraktion im Namen des Ortsvereins West in den Rat eingebracht hat.



