Tourismus ist mehr als Werbung: Ratingen muss seine Lage besser nutzen

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Der Grüne See aus der Luft, Bild: Nestocom
Der Grüne See aus der Luft, Bild: Nestocom

Ratingen | Tourismus ist für Städte längst kein Nebenthema mehr. Er bringt Gäste in Hotels, füllt Restaurants, stärkt Handel, Kultur und Freizeitangebote — und verbessert zugleich die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Deshalb begrüßt die CDU-Fraktion Ratingen die weitere Förderung der Tourismusbranche in der Region Düsseldorf. Der Regierungsbezirk, zu dem auch Ratingen gehört, verzeichnete zuletzt 14,4 Millionen Übernachtungen. Zwischen 2016 und 2025 stiegen die Übernachtungszahlen um 15 Prozent.

Dass diese Entwicklung Potenzial hat, zeigt auch der Blick auf das Reiseverhalten der Deutschen. Kurzurlaube finden besonders häufig im eigenen Land statt. Nach der Reiseanalyse 2025 wurden 2024 insgesamt 94 Millionen Kurzurlaubsreisen von zwei bis vier Tagen unternommen; knapp drei Viertel davon führten ins Inland. Bei längeren Urlaubsreisen ab fünf Tagen lag der Inlandsanteil dagegen bei 24 Prozent. Genau diese Kurzreise-Nachfrage ist für Regionen wie Ratingen interessant: Wer für ein Wochenende, einen Brückentag oder einen spontanen Ausflug unterwegs ist, sucht erreichbare Ziele, gute Gastronomie, attraktive Wege, Kulturangebote und verlässliche Informationen.

Nordrhein-Westfalen hat dabei Rückenwind. Das Land meldete für 2025 rund 25 Millionen Gästeankünfte und 55,5 Millionen Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben und auf Campingplätzen. Beides waren Rekordwerte. Gerade für eine Stadt wie Ratingen ist das eine Chance, weil sie nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern als Teil eines starken regionalen Reiseziels zwischen Düsseldorf, Ruhrgebiet, Bergischem Land und Kreis Mettmann.

Ratingen selbst hat touristische Argumente: die historische Altstadt, Haus Cromford als bedeutender Ort der frühen Industrialisierung, Haus zum Haus, Schloss Linnep, den Grünen See, die Angertallandschaft, Hösel, Homberg und die Anbindung an den neanderland STEIG. Dieser rund 240 Kilometer lange Rundwanderweg führt in 17 Etappen durch den Kreis Mettmann; einzelne Etappen berühren auch Ratingen und Homberg.

Trotzdem muss Ratingen ehrlich bleiben: In unmittelbarer Umgebung gibt es touristisch deutlich stärkere und bekanntere Ziele. Düsseldorf hat internationale Strahlkraft, der Rhein besitzt eine eigene Anziehungskraft, das Neandertal ist als Marke etabliert, das Bergische Land steht für Natur- und Ausflugstourismus, das Ruhrgebiet für Industriekultur. Genau deshalb ist es wichtig, Ratingen nicht künstlich größer zu reden, sondern klug einzubinden. Die Stadt kann profitieren, wenn sie als gut erreichbarer Ausgangspunkt, als historischer Zwischenstopp, als Wander- und Kulturstation und als ruhiger Gegenpol zur Großstadt sichtbar wird.

Ewald Vielhaus, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion Ratingen und der CDU-Fraktion im Regionalrat, sieht darin einen klaren Standortfaktor. „Tourismus ist kein Luxusthema, sondern ein handfester Wirtschafts- und Beschäftigungsmotor. Gäste aus dem In- und Ausland, die an Rhein und Wupper unterwegs sind, kommen auch nach Ratingen — und das sollten wir weiter aktiv fördern und kommunizieren.“

Bis 2027 werden im Regierungsbezirk Düsseldorf 14 Projekte mit insgesamt 16 Millionen Euro aus EU-Tourismusmitteln gefördert. Dazu zählt auch das Projekt „Wandererlebnis Neandertal STEIG“, mit dem Etappenportale in mehreren kreisangehörigen Städten entstehen sollen. Solche Maßnahmen sind mehr als Beschilderung. Sie machen Region lesbar, erleichtern Orientierung und schaffen Gründe, länger zu bleiben.

CDU-Fraktionschef Stefan Heins betont deshalb zu Recht den doppelten Nutzen: „Initiativen für den Tourismus stärken nicht nur die lokale Wirtschaft, sie verbessern auch die Lebensqualität für alle, die hier wohnen.“ Für Ratingen bedeutet das: Tourismusförderung ist Standortpolitik. Sie funktioniert aber nur, wenn die Stadt ihre Stärken sichtbar macht — und zugleich die Attraktivität der Nachbarregionen als Chance begreift.