Ratingen. Seit der Schließung des St.-Marien-Krankenhauses im Mai 2024 hat Ratingen kein eigenes Krankenhaus mehr. Was zunächst wie eine abstrakte Strukturfrage klang, ist im Alltag längst spürbar geworden: Wer stationär behandelt werden muss, nach einem Unfall in die Notaufnahme kommt oder bei akuten Herzbeschwerden schnelle Hilfe braucht, wird seither häufiger in die Nachbarstädte gebracht. Für viele Ratingerinnen und Ratinger ist dabei das Evangelische Krankenhaus Mettmann zu einer zentralen Adresse geworden – und das in mehr als einer Hinsicht.
Auch der Notdienst wandert ab
Denn nicht nur die stationäre Versorgung hat sich verlagert. Seit dem 1. Dezember 2025 ist auch die ambulante Notfallversorgung aus Ratingen abgezogen. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) schloss zum 30. November die Notdienstpraxen an der Mülheimer Straße 37 – sowohl die allgemeine als auch die kinderärztliche Praxis. Seither betreibt die KVNO eine neue zentrale Anlaufstelle, eine sogenannte Portalpraxis, direkt am Evangelischen Krankenhaus in Mettmann. Dort arbeiten Klinikpersonal und niedergelassene Ärzte abends, nachts und an Wochenenden gemeinsam.
Die KVNO begründete die Neuordnung mit einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, die eine zentrale Anlaufstelle mit direkter Klinikanbindung als langfristig tragfähigste Lösung für den gesamten Kreis Mettmann identifiziert habe. Die Interimslösung in Ratingen – seit der Krankenhaus-Schließung provisorisch weitergeführt – habe infrastrukturell und organisatorisch keine Grundlage für einen Dauerbetrieb geboten. Zudem hätten Auswertungen der Patientenströme gezeigt, dass die Ratingerinnen und Ratinger bereits auf die umliegenden Notdienstpraxen mit Krankenhausanbindung ausgewichen seien. Die Entscheidung fiel überraschend und ohne vorherige Abstimmung mit der Stadt oder dem Kreis.
Kardiologie ausgebaut, Stroke Unit eröffnet
Dass ausgerechnet Mettmann zum neuen Mittelpunkt der Versorgung im Kreis wird, liegt auch an dem, was das EVK in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Besonders sichtbar ist das in der Kardiologie: Die bestehende Herzkatheteranlage wurde durch ein modernes Gerät ersetzt, das präzisere Diagnostik bei geringerer Strahlenbelastung ermöglicht. Gerade bei Herzinfarkt-Verdacht zählt jede Minute. Das EVK verfügt über eine Chest Pain Unit für akute Brustschmerzen sowie über einen Linksherzkathetermessplatz, an dem Engstellen in Herzkranzgefäßen erkannt und bei Bedarf direkt behandelt werden können.
Hinzu kommt die neu eröffnete Stroke Unit für Schlaganfallpatienten. In den entscheidenden ersten Stunden nach einem Hirninfarkt werden Betroffene dort überwacht und behandelt – eine Versorgung, die in Ratingen schlicht nicht mehr vorgehalten wird.
Breites Spektrum, rund um die Uhr
Das EVK Mettmann ist dabei kein reines Notfallkrankenhaus. Nach dem Deutschen Krankenhaus Verzeichnis verfügt das Haus über 300 Betten und neun Fachabteilungen, darunter Kardiologie, Gastroenterologie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Neurologie, Geriatrie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Jährlich werden dort mehr als 12.000 Patientinnen und Patienten stationär sowie rund 24.700 ambulant behandelt. Die Zentrale Notaufnahme ist rund um die Uhr geöffnet und versorgt nach Angaben des Hauses mehr als 20.000 Menschen im Jahr. Das EVK ist zudem zertifiziertes regionales Traumazentrum und als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen anerkannt.
Für Ratingen bleibt die Schließung von St. Marien ein tiefer Einschnitt – und die Verlagerung der Notdienstpraxis ein weiteres Kapitel dieser Entwicklung. Ob man stationäre Behandlung braucht, nach einem Unfall versorgt werden muss oder außerhalb der Praxisöffnungszeiten ärztliche Hilfe sucht: Der Weg führt inzwischen direkt in das EVK Mettmann.





