
(mmm) Die Geschichte Ratingens ist eine Geschichte der Zuwanderung. Heute hat mehr als ein Drittel der Ratinger Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Anlass genug, um im Jahr des 750-jährigen Stadtjubiläums auch die Geschichte der Zuwanderung zu beleuchten. Im Medienzentrum zeigt die Stadt Ratingen noch bis zum 3. Juli ein weiteres Mal die viel beachtete Ausstellung „Spurensuche“ des ehemaligen Ratinger Integrationsbeauftragten Franz Naber aus dem Jahr 2009.
Naber gilt als Legende der Integration. Schon in den frühen 1970er Jahren wurde er zu einem der bundesweit ersten Ausländerbeauftragten ernannt. Er bekleidete dieses Amt drei Jahrzehnte lang mit großem Engagement – mitunter auch hemdsärmelig und mit unorthodoxen Methoden. Zu Beginn seiner Tätigkeit kümmerte sich Naber um die damals noch „Gastarbeiter“ genannten Menschen, die als Arbeitskräfte aus südeuropäischen Ländern angeworben worden waren, um das deutsche Wirtschaftswunder anzukurbeln. Im Begriff „Gastarbeiter“ schwang die Erwartung mit, dass diese, wenn sie nicht mehr gebraucht würden, in ihre Heimatländer zurückkehren würden. Entsprechend miserabel wurden viele von ihnen behandelt. Um auf die Zustände aufmerksam zu machen, hielt Naber, gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen, die Menschen in ihrem Wohnumfeld bildlich fest. Die Fotodokumentation zeigte er dann öffentlich – und trat damit manch einem Vermieter der abgelichteten „Bruchbuden“ auf die Füße.
Ratingen als neue Heimat
Letztlich fanden die „Gastarbeiter“ und ihre Kinder sukzessive eine neue Heimat in Ratingen, bilden heute einen selbstverständlichen und wichtigen Teil der Stadtgesellschaft. Franz Naber wollte nach seinem Ruhestand die Geschichte dieser Menschen dokumentieren und konnte dafür die Fotos aus den 1970er Jahren als Fundus nutzen. Er spürte etliche der damals gezeigten Kinder auf, viele von ihnen immer noch in Ratingen, und ließ sie ihre Geschichte erzählen. Davon handelt die Ausstellung „Spurensuche – Integrationswege in Ratingen und anderswo“. Sie wird zum Stadtjubiläum – auf ausdrücklichen Wunsch und als Vermächtnis des 2025 verstorbenen Franz Naber – zu den Öffnungszeiten des Medienzentrums gezeigt.




