Mehr Anerkennung, neue Wege: Bürger-Union setzt auf Stärkung des Ehrenamts in Ratingen

0
5
Ehrenamtliches Engagement wird in Ratingen groß geschrieben, Bild: Nestocom
Ehrenamtliches Engagement wird in Ratingen groß geschrieben, Bild: Nestocom

Ratingen | Mit einem Ratsantrag fordert die Fraktion der Bürger Union zukünftige Patenschaftsmodelle für öffentliche Räume, mehr Vergünstigungen für Engagierte und ein kommunales Anerkennungsmodell – auch für Menschen mit wenig Zeit.

Das Ehrenamt trägt Ratingen.

Hochgerechnet auf den bundesweiten Durchschnittswert von 36,7 Prozent der Bevölkerung, der im Sechsten Deutschen Freiwilligensurvey 2024 ermittelt wurde, engagieren sich in Ratingen rund 33.400 Bürgerinnen und Bürger freiwillig – in Vereinen, sozialen Einrichtungen, Nachbarschaftsprojekten und Initiativen. Die Miteinander.Freiwilligenbörse Ratingen, die seit 20 Jahren die Ehrenamtswoche ausrichtet und Menschen mit Engagementmöglichkeiten zusammenbringt, ist dafür ein sichtbares Symbol.
Dass dieses Fundament weiter gepflegt und ausgebaut werden muss, ist der Überzeugung der Bürger-Union. Mit einem aktuellen Ratsantrag fordert die Fraktion die Stadtverwaltung auf, das freiwillige Engagement in Ratingen gezielt weiterzuentwickeln – und dabei auch neue Zielgruppen in den Blick zu nehmen.

Patenschaften für das direkte Lebensumfeld

Kern des Antrags ist die Entwicklung niedrigschwelliger Patenschaftsmodelle: Die Verwaltung soll prüfen, inwiefern Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für Grünflächen, Spielplätze, Wander- und Radwege, öffentliche Plätze und weitere kommunale Einrichtungen übernehmen können. Solche Modelle – in anderen Städten bereits erprobt – schaffen eine direkte Verbindung zwischen persönlichem Engagement und dem eigenen Stadtteil. Wer den Park um die Ecke mitgestaltet oder die Spielgeräte im Quartier im Blick behält, übernimmt Verantwortung und stärkt gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl.
„Patenschaftsmodelle bieten eine gute Möglichkeit, Verantwortung für das direkte Lebensumfeld zu übernehmen und gleichzeitig die Identifikation mit dem eigenen Stadtteil zu stärken”, erklärt Roland Loos, Ratsmitglied im Sozialausschuss.

Ein Anerkennungsmodell, das alle mitnimmt

Begleitend dazu soll die Stadt in Kooperation mit örtlichen Unternehmen sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen zusätzliche Vergünstigungen für Ehrenamtliche entwickeln. Ergänzend zur bestehenden Ehrenamtskarte des Landes NRW – die landesweit über 5.400 Vergünstigungen umfasst, aber eine Mindeststundenleistung von fünf Stunden pro Woche voraussetzt – soll ein kommunales Anerkennungsmodell entstehen, das auch Menschen mit geringerem zeitlichem Engagement einschließt.
Dieser Punkt ist besonders bemerkenswert: Denn gerade der Wandel des Engagementverhaltens macht eine Anpassung notwendig. „Immer mehr Menschen möchten sich flexibel, projektbezogen oder mit einem überschaubaren Zeitaufwand einbringen”, erklärt Loos. „Darauf sollte die Stadt reagieren.” Die klassische Form des langfristigen, wöchentlich wiederkehrenden Ehrenamts – in Vereinen, Verbänden oder sozialen Einrichtungen – ist weiterhin unverzichtbar. Doch sie allein erreicht nicht mehr alle, die sich einbringen wollen.

Ergänzen, nicht ersetzen

Fraktionsvorsitzender Rainer Vogt stellt klar, wohin die Reise gehen soll: „Unser Ziel ist es ausdrücklich nicht, bestehende ehrenamtliche Strukturen zu ersetzen. Wir möchten das Ehrenamt in Ratingen durch zusätzliche Angebote und eine zeitgemäße Anerkennungskultur ergänzen. Wer sich für die Gemeinschaft einsetzt, verdient Wertschätzung und Unterstützung.”
Die Stadtverwaltung soll dem Sozialausschuss innerhalb von zwölf Monaten über Umsetzungsmöglichkeiten und voraussichtliche finanzielle Auswirkungen berichten.

Ein Signal zur richtigen Zeit

Der Antrag der Bürger-Union kommt zu einem Moment, in dem das Ratinger Ehrenamt sowohl Stärke als auch Handlungsbedarf zeigt: Während die Freiwilligenbörse und etablierte Strukturen wie das DRK, der SkF oder die Allianz Bildung & Lernen verlässlich wirken, werden in einzelnen Bereichen – etwa der Seniorenbetreuung und der Patientenbegleitung in Krankenhäusern – dringend neue Ehrenamtliche gesucht.
Mehr Wege ins Ehrenamt, mehr Anerkennung für alle, die ihn gehen: Das ist die Idee hinter dem Antrag – und sie trifft den Zeitgeist.