
(mmm) Vieles scheint auf den ersten Blick vertraut: die Umrisse des Marktplatzes, das lebendige Treiben, die Fachwerk-Giebel, der Brunnen und die Marktstände auch. Nur, dass hier mit lebenden Tieren gehandelt wird, sich die Menschen durch knöcheltiefen Matsch quälen, das irritiert. Aber so – oder so ähnlich – so es wohl zugegangen auf dem Ratinger Marktplatz anno 1400. Pünktlich zum 750-jährigen Stadtjubiläum hat die Stadt ihren Bürgern und Gästen eine neue, kostenlose App spendiert: „RatinGo“ katapultiert uns mit einem Klick ins Mittelalter oder wahlweise ins 19. Jahrhundert. Mehr noch: Es gibt besondere An- und Einsichten in die Kirche St. Peter und Paul, die ja noch älter ist als die Ratinger Stadtrechte. Und vor dem Auge des Betrachters baut sich dank „Augmented Reality“ das einst so mächtige Lintorfer Tor wieder auf, das bis 1873 am nördlichen Stadteingang stand.
Das ist realitätsnahe Heimatkunde 2.0: Via Smartphone wird die Ratinger Geschichte interaktiv zum Leben erweckt, 23 Gebäude und Sehenswürdigkeiten wie der Marktplatz, die Pfarrkirche St. Peter und Paul oder das Industriemuseum Cromford in einer 3D-Animation wirklichkeitsnah wiederhergestellt und am jeweiligen historischen Ort in der Realität verankert werden. Das ist faszinierend: Man geht durch die Stadt, schaut aufs Smartphone und erlebt, wie es an genau dieser Stelle vor Jahrhunderten ausgesehen hat. „RatinGo“ bietet aber noch mehr: einen filmischen Stadtrundgang von Kindern für Kinder und die Geschichten der „Sprechenden Bäume“ vom Grünen See.
Heimatkunde 2.0
„Ein Bewusstsein für die Stadtgeschichte zu schaffen, ist eine ganz wichtige Grundlage für die Bildung eines Heimatgefühls und damit auch für die Bereitschaft, sich für seine Heimat einzubringen“, sagte Bürgermeister Patrick Anders anlässlich der Vorstellung der App. Bei den historischen Darstellungen handelt es sich um alte Aufnahmen, teils aber auch um generierte Bilder. Generiert? Bedeutet im konkreten Fall nicht „frei erfunden“, sondern auf der Grundlage historischer Informationen rekonstruiert. Man sieht, wie ein bestimmter Ort – beispielsweise die drei verbliebenen Türme der ehemaligen Stadtbefestigung, das Haus zum Haus, das Alte Steinhaus oder das Minoritenkloster – zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit ausgesehen hat. Oder zumindest ausgesehen haben könnte …
Die Bedienung der Anwendung ist denkbar einfach. Man muss dafür keine App herunterladen. Einfach im Internet die Website https://app.spotar.de/ratingen aufzurufen. Als Zugabe zum historisch-virtuellen Stadtrundgang gibt es zwei weitere Anwendungen: Der Verein für Über-Mittag-Betreuung Ratingen hat mit Kindern aus seinen OGS-Gruppen mit professioneller Hilfe einen Ratinger Stadtführer von Kindern für Kinder als Video gedreht. Und: Das Grünflächenamt hat am Ostufer des Grünen Sees eine neue Allee mit 37 Bäumen gepflanzt. Es handelt sich um 37 Baumarten – eben alle, die seit 1989 den Titel „Baum des Jahres“ trugen. Zu jedem Baum hat eine Kinderbuchautorin eine Geschichte geschrieben. Neben jedem dieser Bäume steht eine Stele mit einer Info, um welche Art es sich handelt. Über einen QR-Code auf der Steele gelangt man dann zu „RatinGo“ und der jeweiligen Baumgeschichte.




